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Lauben/Babenhausen

03.02.2019

Pfarrer folgt seinem Traum von Tansania

Dieses Bild bedeutet Stefan Scheuerl, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lauben-Babenhausen, viel. Er hat sich entschieden, nach Tansania zu gehen.
Bild: Sabrina Schatz

Stefan Scheuerl ist seit rund 15 Jahren Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lauben-Babenhausen. Nun verlässt er Deutschland. Was ihn antreibt? Er zeigt auf ein buntes Bild.

Ja, ein gewisser Mut gehört wohl dazu, sagt Pfarrer Stefan Scheuerl und blickt kurz zu Boden. Alles hinter sich zu lassen. Das Haus in Lauben zu räumen, sich von Menschen zu verabschieden, mit denen man viel Schönes erlebt, manches auch durchlitten hat. Etwas zu wagen: nach Tansania zu gehen. „Ich habe da diese Vision“, sagt der 54-Jährige. Er deutet auf ein buntes Bild, gemalt auf Stoff, das an der Wand des Büros hängt. Das erkläre die Beweggründe ganz gut.

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Scheuerl ist seit rund 15 Jahren Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Lauben-Babenhausen. Bald muss es heißen: war. Denn er hat sich entschlossen, künftig in Tansania zu wirken. Mit dem afrikanischen Land verbindet ihn viel, auch seine Frau und die vier erwachsenen Kinder.

Von 1996 bis 2003 lebte die Familie in der Massai-Steppe. Scheuerl war als evangelischer Pfarrer für ein Gebiet so groß wie Schwaben zuständig. Seine Frau arbeitete als Ärztin. In dieser Zeit knüpfte der Geistliche viele Kontakte. Er lernte Suaheli und die schwierige Sprache der Massai. „Das öffnet Türen. Ich hatte dadurch ein großes Ansehen“, sagt Scheuerl. Viele Erlebnisse prägten ihn zutiefst. Vor allem eine Begegnung mit Straßenkindern, wie er erzählt. Ein Bild von der Gruppe – im Hintergrund Müll, zwischen ihnen mehrere Hunde – hängt ebenfalls an der Wand. Nur eines von vielen Andenken, die in dem Raum zu entdecken sind.

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Familie lebte bereits in Tansania

Im Unterallgäu angekommen, ließ ihn Afrika nicht mehr los. Auch wegen des Projekts MeWaiki, das gegründet wurde von Martin Burkhardt, Pfarrer im Memminger Ortsteil Steinheim, und dem Leiter einer tansanischen Bibelschule. MeWaiki, das steht für „Memmingen hilft Waisenkindern am Kilimandscharo“. Ein „Lebensthema“ für Scheuerl.

Im April wird der 54-Jährige in die Region um die Stadt Arusha reisen, zunächst für drei Monate. „Das ist mein Studienurlaub. Den können sich Pfarrer nach einer bestimmten Berufszeit nehmen, um sich zum Beispiel mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen.“ Er schmunzelt. „Bei mir läuft so etwas immer ein bisschen anders.“ Er will die Zeit nutzen, um in Tansania zu forschen.

Auch das geschieht im Sinne seiner Vision, die da lautet: „Jede evangelische Kirchengemeinde in Tansania soll ihr diakonisches Herz finden.“ Unter Diakonie versteht man den Dienst am Menschen in einem kirchlichen Rahmen.

Das bunte Bild an der Wand symbolisiere dieses Ziel. Es zeigt eine Frau. Sie streckt mit der einen Hand die Bibel in den Himmel, an der anderen hält sie ein Kind. Der Gipfel des Kilimandscharo ist abgebildet, eine Giraffe, ein Zebra. „Gott ist der Vater der Waisen“ steht dort im Englischen geschrieben. Und außerdem: „Lass die Kirche ihre Mutter sein“. Doch wie können Kirchengemeinden konkret vor Ort helfen?

Die Schwarzafrikaner seien sehr gläubig, die Familienbande stark. Stirbt etwa ein Mann und hinterlässt Frau und Kinder, dann fängt die Familie diese in der Regel auf. „Wir könnten jetzt Parallelstrukturen aufbauen, zum Beispiel Einrichtungen wie die Caritas. Aber dann ist die Gefahr da, dass sich die Familie zurückzieht. Der Schaden wäre viel größer als der Nutzen“, sagt Scheuerl. Er will durch seine Forschung herausfinden: Wie funktioniert die Hilfe der Familien? Und wie kann man sie unterstützen?

Hilfe zur Selbsthilfe

Gleichzeitig gehe es um eine Hilfe zur Selbsthilfe. Die Menschen sollen unabhängig von ausländischen Geldern werden. „Manche Pfarrer dort sind immer am Sammeln. Für die Kirchenglocke, für ein Projekt für Mütter oder sonst was. Ich habe gesagt: Kein Wunder, dass ihr so in den Seilen hängt.“ Die Menschen sollten vielmehr zu dem Selbstverständnis gelangen: Ich kann was, ich bin was. Und: Ich helfe, indem ich das nutze, was ich habe. Zeit, Kraft, vielleicht auch Gegenstände wie eine Schaufel oder ein T-Shirt.

Während der drei Monate Studienzeit, wird Scheuerls Frau noch in Deutschland bleiben und als Ärztin arbeiten. Er müsse erst einige organisatorische Fragen klären und sehen, wie es weitergeht. Wie die Kinder auf die Pläne der Eltern reagiert haben? „Die wissen ja schon lange, dass das kommen wird. Sie leben ihr Leben hier weiter“, sagt Scheuerl.

Nicht nur deshalb ist da auch Wehmut. „Wir haben hier sehr intensiv gelebt und starke Beziehungen geknüpft. Das bindet an einen Ort und das werde ich vermissen“, sagt er. „Aber ich bin ein Zugvogel – uns zieht es jetzt weg.“ Die Kinder sollten in Ruhe aufwachsen. So lange in Lauben zu bleiben, sei eigentlich nie der Plan gewesen.

Im März soll der Abschiedsgottesdienst stattfinden. Wer seinen Platz in der Kirchengemeinde einnimmt, ist noch nicht klar. Laut Scheuerl ist die Stelle erst einmal für sechs Monate vakant. Ehrenamtliche – die in den Orten ohnehin sehr aktiv seien – übernehmen währenddessen Aufgaben, ebenso Kollegen. Die Stelle werde ausgeschrieben, die Kircheinleitung unterbreite Vorschläge, letztlich habe der Kirchenvorstand die Wahl. Scheuerl ist dann wohl bereits in Afrika.

Ja, Mut ist wichtig bei der Entscheidung. Und Vertrauen. „Gott wird den Weg für uns finden“, sagt der Pfarrer und schaut auf das farbenfrohe Bild an der Wand.

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