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Illertissen

11.12.2020

Pfusch beim Hausbau in Illertissen: Plötzlich waren die Wände nass

Der Kaminkehrer entdeckte den Wasserschaden beim Anschließen des Ofens.

Plus Die Kindls aus Illertissen mussten ihr Zuhause nach wenigen Wochen wegen eines riesigen Schadens verlassen. Wie es jetzt für die fünfköpfige Familie weitergeht.

Angenehm warm ist es im Haus der Familie Kindl, das merkt man sofort, wenn man an diesem verschneiten Dezembertag in den Flur kommt. Doch damit hört es schon auf mit der Gemütlichkeit. Der Fußboden ist bis auf den Betonuntergrund abgetragen, Wandverkleidung und Dämmung auf Hüfthöhe abgeschnitten, die nackten Holzbalken liegen offen da. Kaum zu glauben, dass die Familie hier im Sommer noch gewohnt hat, das frisch gebaute Einfamilienhaus liebevoll eingerichtet und dekoriert hatte. Es waren nur wenige Wochen, die die Kindls bis jetzt in ihrem Eigenheim wohnen konnten. Dann kam das Wasser.

Ein Unternehmen machte einen fatalen Fehler beim Bau des Illertisser Hauses

Den Tag, an dem aus dem Traumhaus ein Albtraum wurde, weiß Alisa Kindl noch genau: Es war der 17. Juni. „Der Kaminkehrer kam, um den Ofen anzuschließen.“ Der Fachmann bohrte die Außenwand an – und schlug sofort Alarm: „Ihre Wand ist komplett nass.“ Was passiert war, konnte die Familie bald darauf rekonstruieren: Das Unternehmen, das für die Wasseranschlüsse des Gebäudes zuständig war, hatte sechs Rohre anzuschließen. Doch nur fünf wurden verbunden. Offenbar hatte versehentlich verschütteter Beton ausgerechnet die Stelle verdeckt, an welcher der Anschluss für das Abwasser der Küche in Nähe des Kamins verbunden werden musste.

Ein fataler Fehler. Alisa Kindl: „Das Wasser staute sich im Boden und zog in alle Wände hoch.“ Die Folge: In den Wänden, die in Holz-Ständerbauweise errichtet wurden, bildete sich Schimmel. Einen Monat nach der Entdeckung des Schadens mussten die Kindls aus ihrem neuen Haus ausziehen. Geschätzter Schaden: über 100.000 Euro.

Dass das Erdgeschoss bereits vollständig eingerichtet und bewohnt war, ist kaum noch zu erahnen.

Die Familie aus Illertissen musste seit dem Sommer fünf Mal umziehen

Seit dem Sommer ist die fünfköpfige Familie fünf Mal umgezogen – von Ferienwohnung zu Ferienwohnung, von Hotel zu Hotel. Zeitweise lebten die fünf Illertisser in Krumbach – und mussten deswegen sogar ein zweites Auto anschaffen, damit Vater Tobias zur Arbeit fahren und die Kinder von und zur Schule und Kindergarten gebracht werden konnten. Seit einigen Wochen sind die Kindls wieder in einer Ferienwohnung in Illertissen untergekommen – und dort dürfen sie auch erst einmal bis Mitte Januar bleiben.

Es ist der längste Zeitraum an einem Ort seit dem Auszug aus dem eigenen Haus. Dabei hätten die fünf fast noch kurz vor Weihnachten auf Herbergssuche gehen müssen. „Die Ferienwohnung war eigentlich von Leuten reserviert, die dort die Feiertage verbringen wollten“, erzählt Alisa Kindl. Doch die Mieter sagten aufgrund der Corona-Regelungen ab, sodass die Familie nun bis ins neue Jahr bleiben darf. „Für uns war der verschärfte Lockdown so gesehen eigentlich ein Glücksfall.“

Weitere Unglücksfälle belasteten die Familie aus Illertissen

Es ist der erste Glücksfall in dieser Geschichte, die zuvor noch einiges an Unglücksfällen zu bieten hat. Eine undichte Garage und einen Planungsfehler beim Hausbau, der das Gebäude 20 Zentimeter niedriger machte als vorgesehen, inklusive. Nachdem der Schaden im Haus entdeckt worden war, hatte sich der zuständige Unternehmer sofort hilfsbereit gezeigt. „Auf unsere Nachfrage, ob er eine Versicherung hat, die für den Schaden aufkommt, hat er immer Ja gesagt“, erinnert sich Alisa Kindl.

Bis Weihnachten 2020, habe er versichert, werde die Familie auf jeden Fall wieder im eigenen Zuhause sein. Der Unternehmer schickte eine Firma, die sich daranmachte, die Wände aufzuschneiden, den Boden abzutragen. Sogar die Fassade des Neubaus sollte entfernt werden. Doch ein Versicherungsmitarbeiter, der den Schaden begutachtet, erschien nicht.

Der verantwortliche Unternehmer hatte keine Versicherung für Schäden

Den Kindls kam das komisch vor. Sie bohrten nach: „Dann hat der Unternehmer zugegeben, dass er tatsächlich noch keine Versicherung hatte. Anscheinend hat er erst später eine abgeschlossen.“ Vorwürfe macht Alisa Kindl dem Mann keine. „Er wollte uns ja helfen, hatte vor, den Schaden aus eigener Tasche zu bezahlen.“ Ein weiterer Fehler, wie sich zeigen sollte. Denn die Firma, die er beauftragt hatte, nahm offenbar an, dass es sich um einen Versicherungsschaden handelte – und deswegen Geld keine Rolle spielte.

Die Folge: Es wurde deutlich mehr gemacht, als eigentlich notwendig war. Die geplante Entfernung der Außenfassade wurde noch gestoppt, weil die Kindls ihre eigene Versicherung einschalteten. Diese habe sofort gehandelt, Alisa Kindl ist darüber sehr erleichtert. „Es kam sofort jemand, der sich das angeschaut hat.“ Endlich kam Bewegung in die Sache. Die Versicherung versprach, den Schaden zu regulieren. „Natürlich wollen sie sich das Geld dann von dem Unternehmer zurückholen“, erzählt Alisa Kindl.

Wenige Wochen lang stand hier die Küche von Familie Kindl. Doch dann wurde ein massiver Wasserschaden in dem Neubau entdeckt.

Im Moment kann die Familie nur warten - und hoffen

Mittlerweile ist auch eine Fachfirma gefunden worden, die auf Häuser in Holzbauweise spezialisiert ist. Diese stellte ein weiteres Problem fest: Das ursprünglich beauftragte Unternehmen hatte beim Entfernen des Fußbodens die Bodenfolie so knapp abgeschnitten, dass es schwer werde, sie wieder dicht und fachgerecht anzubringen. Doch die Fachleute seien zuversichtlich, dass es klappt. Wenn die Handwerker loslegen dürfen, könnte es recht schnell gehen: Trockenestrich könnte verlegt, die Wände wieder mit Dämmung aufgefüllt und die Beplankung geschlossen werden. Fliesen und Tapeten müssten dann noch mal komplett neu angebracht werden – dann könnten die Kindls wieder nach Hause kommen.

Doch im Augenblick geht das Warten für die Illertisser Familie noch weiter – denn die Versicherung muss das Angebot des Fachunternehmens noch prüfen und annehmen. „Daran hängt im Moment alles“, sagt Alisa Kindl. Weil die Schadenshöhe mittlerweile auf mehr als 100.000 Euro beziffert wird, ist der Fall bei der Großschadensstelle der Versicherung in Köln gelandet. Bis jetzt sei mit der Versicherung alles reibungslos abgelaufen.

Weihnachten muss die Familie ohne Baum feiern

Deswegen hofft sie, dass es im neuen Jahr gleich mit den Arbeiten losgehen kann. „Ich wünsche mir, dass wir Ende Februar wieder in unser Haus einziehen können.“ Weihnachten feiert die Familie in der Ferienwohnung – für einen Baum sei dort leider kein Platz, bedauert Alisa Kindl. Vor allem für die drei Kinder sei es eine schwierige Zeit, sagt sie.

Paul, Sophie und Theo vermissen ihre liebevoll gestalteten Kinderzimmer, die sie zumindest ab und zu besuchen dürfen. Dann wird dort begeistert gespielt. Das nächste Weihnachten, das wünschen sich die fünf, findet dann endlich im eigenen Haus statt. Im warmen, gemütlichen und vor allem trockenen neuen Zuhause.

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