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Memmingen

06.10.2019

Prozess: Frau verletzt Mann bei Schlägerei mit Messer

Bei einer Schlägerei zückt eine Frau plötzlich ein Messer.
Bild: Oliver Berg, dpa

Vor einer Memminger Bar eskaliert ein Streit. Sogar ein Messer wird gezückt. Vor Gericht machen die Beteiligten verschiedene Aussagen.

Das juristische Aufgebot im Saal 133 des Memminger Amtsgerichts war beträchtlich: eine Richterin sowie zwei Staatsanwältinnen und zwei Rechtsanwälte vertieften sich in eine handfeste brutale Auseinandersetzung zweier Gruppen, die sich am 10. November vergangenen Jahres gegenüberstanden. In den frühen Morgenstunden waren sie vor einer Pilsbar in der Memminger Innenstadt aneinander geraten.

Nach üblen Beleidigungen eskaliert die Situation

Es begann mit wechselseitigen Beleidigungen und eskalierte schließlich, als einer der Beteiligten einen 26-jährigen Mann massiv angriff. Der 26-Jährige hatte seiner Freundin beistehen wollen, die zuvor aufs übelste von den anderen beleidigt worden. Ein 19-jähriger Memminger soll diesen Mann dann durch gezielte Schläge dreimal zu Boden gebracht haben, wobei sein Opfer durch die brutale körperliche Gewalt zeitweise sogar bewusstlos gewesen sei. Der 19-jährige Schläger selbst wird sich deswegen demnächst in einem Verfahren vor dem Jugendgericht verantworten müssen.

Das Opfer des Schlägers versuchte sich im weiteren Verlauf vom Tatort zu entfernen – allerdings verfolgt vom Täter, der offenkundig noch nicht genug hatte. Daraufhin schaltete sich wieder die Freundin des Opfers ein, wohl um ihrerseits den 26-Jährigen zu unterstützen. Sie versuchte, das Tatgeschehen zu unterbrechen. Angeblich stellte sie sich vor den Täter, zog ein Klappmesser und gab diesem zu verstehen, dass jetzt Schluss sei. Der Schläger selbst sagte allerdings in seiner Vernehmung aus, dass die Frau ihn von hinten an der Schulter gepackt und zugestochen habe.

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Verletzter Schläger muss operiert werden

Der genaue Tatablauf ließ sich durch die unterschiedlichen Angaben der Beteiligten und das Fehlen neutraler Zeugen vor Gericht nicht im Detail klären. Der Schläger erhielt jedenfalls einen Messerstich in den Oberbauch und musste im Memminger Klinikum operiert werden. Auch die angeklagte Frau erlitt durch die Handhabung mit dem Messer eine Sehnenverletzung an ihrer Hand. Die zum Einsatzort alarmierte Polizei stellte damals bei allen Beteiligten deutlichen Alkoholkonsum fest.

Die angeklagte Frau erklärte ihr damaliges Handeln mit einer Kurzschlussreaktion. Sie sei in Panik geraten und beim Versuch, das Messer wegzuziehen, sei die Verletzung ihres Kontrahenten entstanden – ohne dass die Frau das beabsichtigt hatte. Im Gerichtssaal entschuldigte sie sich bei ihrem Opfer. Sie befinde sich in psychotherapeutischer Behandlung und nehme entsprechende Medikamente ein. Außerdem sagte sie aus, dass sie aktuell bereits wieder schwanger sei.

Richterin Brigitte Mock und Staatsanwältin Ramona Haupt einigten sich aufgrund der schwierigen Beweisaufnahme mit den weiteren Prozessbeteiligten auf eine Einstellung des Verfahrens. Allerdings verhängte die Richterin Auflagen gegen die inzwischen schwangere Angeklagte. So muss die Frau jetzt einen Geldbetrag von 400 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.

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