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Prozess

25.01.2020

Raubüberfall auf Uhrenhändler: Nach fünf Monaten fällt ein Urteil

Zu Beginn waren fünf Männer angeklagt, zuletzt nur noch einer. Trotz mancher Unstimmigkeiten sieht es das Gericht als erwiesen an, dass er an der Tat in Vöhringen beteiligt war

Dieser Fall hatte alles, was ein gutes Drehbuch braucht: Überfall, Verrat, Rache, ein Gefängnisausbruch, Folter, eine Waffe, die nicht mehr auffindbar war, ein dubioses Treffen an einer Tankstelle und letztlich ein Prozess, der sich schier endlos in die Länge zog. Am 16. Verhandlungstag ist nun endlich ein Urteil gefallen: Während Staatsanwalt Thomas Hörmann zwei Stunden lang erklärte, warum der Angeklagte wegen schweren gemeinschaftlichen Raubs auf einen Illerberger Uhrenhändler ins Gefängnis muss, brauchte Verteidigerin Iris Passek drei Stunden für ihre Erläuterungen, warum der Angeklagte freigesprochen werden sollte.

Zur Vorgeschichte: Vor etwa sechs Jahren wurde ein Mann, der über das Internet teure Markenuhren verkauft, in seinem Haus in Illerberg überfallen. Die Täter sollen nachts in das Gebäude eingedrungen sein, den Händler und dessen Frau mit einer Waffe bedroht, sie mit Klebeband gefesselt und wertvolle Uhren, Mobiltelefone und Bargeld in Höhe von knapp 700.000 Euro erbeutet haben. Ausgepackt hatte schließlich ein angeblicher Mitwisser, der von dem Angeklagten angeblich um rund 30.000 Euro betrogen wurde. So gerieten schließlich fünf Männer in Verdacht. Im September 2019 begann der Prozess gegen sie. Vier der Beschuldigten wurden Mitte Oktober freigesprochen, weil die Anklage ihnen keine Beteiligung an der Tat nachweisen konnte. Der angebliche Mitwisser hatte vor Gericht die Aussage verweigert – wohl aus Angst, sich damit selbst zu belasten.

Seine Aussagen, die er damals bei der Polizei gemacht hatte, waren dann auch so widersprüchlich, dass die Strafkammer sie in ihrer Urteilsbegründung letztlich gar nicht berücksichtigte. Darin folgten Richter und Schöffen den Ausführungen der Anwältin. Die begründete den geforderten Freispruch außerdem mit der ihrer Ansicht nach unzureichenden Ermittlungsarbeit der Polizei in diesem Fall. Die Beamten hätten völlig unreflektiert die Aussagen des angeblichen Mitwissers übernommen, viele Fragen schlicht nicht gestellt und andere Ansätze gar nicht verfolgt. Anwältin Passek bemängelte weiterhin, dass viele Beweismittel, etwa eine Whatsapp-Nachricht mit einer angeblichen Bedrohung, nicht gesichert wurden.

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Weil viele Zeugenaussagen, insbesondere die des überfallenen Ehepaars, widersprüchlich seien, erscheine es ihr plausibler, dass es gar keinen Raub gab. Der Händler selbst habe die Sache inszeniert, um die Versicherung zu prellen. Die hatte wiederum eigene Ermittler auf den Fall angesetzt und den Illerberger letztlich doch entschädigt.

Der Angeklagte hatte sich direkt nach der Tat in die Türkei abgesetzt. Festgenommen wurde er schließlich in der Ukraine, wo er rund ein halbes Jahr in Auslieferungshaft saß. Von dort wurde er in die Justizvollzugsanstalt Memmingen gebracht, aus der ihm sogar ein Ausbruch gelang. Wenige Tage später wurde er jedoch wieder geschnappt. Freiheit erwartet den Angeklagten nun auch in absehbarer Zeit nicht. Die Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Christian Liebhart sprach den Angeklagten trotz des emotionalen und umfangreichen Plädoyers der Strafverteidigerin schuldig. Der 37-Jährige muss insgesamt sechs Jahre absitzen. Ihm wird die bislang verbüßte Untersuchungshaft in Deutschland und die Überführungshaft in der Ukraine angerechnet. Letztere sogar im Verhältnis 1:3 - wegen der deutlich schlechteren Haftbedingungen in dem osteuropäischen Land. Nach Angaben des Angeklagten sei er dort nicht nur geschlagen, sondern unter anderem auch mit Stromschlägen gefoltert worden.

Liebhart räumte ein, dass die gesammelten Indizien für sich genommen kein Beweis für die Schuld des Angeklagten seien. Betrachte man sie in Summe bleibe aber kein vernünftiger Zweifel daran, dass er an der Tat beteiligt war - dass er den Uhrenhändler und seine Frau mit einer Waffe bedroht und gefesselt hatte. Ein Freispruch könne nicht mit der vermeintlich unvollständigen Polizeiarbeit begründet werden, sagte er an die Anwältin gewandt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat einen Woche Zeit, Revision einzulegen.

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