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Illertissen

12.11.2013

Raum wehmütiger Erinnerung

In der Reihe Musik und Lyrik gestalteten (von links) Helmut Schüttlöffel (E-Piano) sowie Peter und Isolde Gatty (Texte) einen Vortragsabend mit Worten der Theologin Dorothee Sölle und ihres Ehemannes Fulbert Steffensky.
Bild: Margitta Häußler

Musik und Lyrik Veranstaltung dreht sich um Lyrikerin Dorothee Sölle und ihren Partner

Der musikalisch-literarische Dialog basierte auf den Texten der evangelischen Theologin und Lyrikerin Dorothee Sölle, deren zehnter Todestag sich 2013 jährte und ihres Partners Fulbert Steffensky. Helmut Schüttlöffel aus Vöhringen gelang es mit Stückauswahl und Präsentation am E-Piano, genau den musikalischen Ausgleich zu gehörter Sprache und deren Vertiefung zu schaffen, die ein perfektes Zusammenwirken von Musik und Worten ermöglichen. Das Spektrum der Stücke reichte von Johann Sebastian Bach über Mozart, Chopin und Liszt bis zu modernen Songs von den Beatles, Elton John oder Simon and Garfunkel. Sein einfühlsames Spiel, mal ruhig, mal lebhaft, gab Raum für den Nachklang der Texte in den Gedanken des Zuhörenden.

Zwiegespräch der Autoren

Die literarische Zusammenstellung und Struktur erarbeitete Isolde Gatty, die Lesungen gestaltete sie mit ihrem Mann Peter Gatty zu einem Zwiegespräch der Autoren. Beginnend mit Steffenskys Nachwort an seine Frau Dorothee Sölle, griff Peter Gatty die dort angesprochene „Gelassenheit in allem Zorn“ auf, die sie in ihrem letzten Vortrag in Bad Boll so formulierte: „Wir beginnen den Weg zum Glück nicht als Suchende, sondern als schon Gefundene. Das ist die köstliche Formulierung dessen, was wir Gnade nennen.“ Dreißig Jahre gingen sie als Ehepaar Seite an Seite, ihr Haus im Hamburger Westen, jetzt von der gemeinsamen Tochter bewohnt, bezeichnet Steffensky als den Raum der wehmütigen Erinnerung und fügt hinzu, dass die Welt in der er mit seiner Frau gelebt hat, mit ihr untergegangen ist.

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Bei einer Tagung in Jerusalem lernt Sölle Fulbert Steffensky kennen und lieben, einen katholischen Benediktinermönch aus dem Kloster Maria Laach. Sie verlässt daraufhin ihren ersten Mann und beginnt mit dem zum Protestantismus konvertierten Steffensky und ihren drei Kindern ein neues Leben. Die Ambivalenz zwischen katholisch und evangelisch sollte während ihres gemeinsamen Lebensweges immer wieder Anlass für eine fruchtbare und auch humorvolle Auseinandersetzung mit der Ökumene sein. Sie liebte „seine liebenswürdige katholische Unschärfe und er ihren protestantischen Wahrheitsfimmel.“

In seinen Vorträgen verstand es das Ehepaar Gatty auf berührende Weise in die Rollen der Protagonisten zu schlüpfen, zeitweilig stellte sich das Gefühl einer Verschmelzung der Paare ein, die tiefe gegenseitige Wertschätzung und gedanklicher Austausch verbindet. Ihr letztes Buch „Die Mystik des Todes“ konnte Sölle nicht mehr beenden. Es enthält den Bittbrief an den Tod, der das Gewahren des würdevollen Sterbens als Leitthema zeichnet.

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