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Nach dem Selbstmord

19.01.2010

Region Ulm verliert Teile des Merckle-Imperiums

Ein Jahr nachdem sich der Unternehmer Adolf Merckle nahe Blaubeuren von einem Zug überrollen ließ, verabschieden sich Teile seines Firmen-Imperiums aus der Region. Groß ist die Freude dagegen in Brandenburg.

Gut ein Jahr nachdem der Unternehmer Adolf Merckle in der Nähe seines Wohnortes Blaubeuren von einem Regionalexpress überrollt wurde, scheinen sich gewisse Reste seines Firmenimperiums langsam aber sicher aus der Region zu verabschieden.

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Insgesamt 71 Holdingfirmen der Merckle-Gruppe haben ihre Firmensitze aus allen Teilen Deutschlands ins brandenburgische Zossen verlegt. Wie ein Blick ins Handelsregister verrät, zog unter anderem die Ludwig Merckle GmbH & Co KG von Blaubeuren in das Städtchen unweit von Berlin. Zu den Gründen wollte sich die Merckle-Vermögensverwaltung VEM auf Anfrage nicht äußern. An den Standorten der Merckle-Produktionsbetriebe in Blaubeuren und Ulm solle sich nichts ändern.

Nach Informationen unserer Zeitung werden wenig personalintensive Firmen, teils winzige Tochterfirmen der Merckle-Gruppe, die nicht direkt mit der Produktion von Pharma-Produkten zu tun haben, dadurch ausgegliedert. Damit soll der Weg für den Verkauf von Ratiopharm, dem profitablen Hersteller von Nachahmer-Medikamenten, frei gemacht werden.

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Nach Informationen des Handelsblatts zeichnet sich dabei ein Bieterwettbewerb zwischen den Arzneimittelherstellern Teva und Pfizer ab. Die beiden Pharmakonzerne gehörten zusammen mit dem schwedischen Finanzinvestor EQT zu den drei Bietern in der Endrunde des Verfahrens. Der weltgrößte Arzneimittelhersteller Pfizer ist auch mit einem Werk in Illertissen vertreten.

Bei Ratiopharm gab es gestern keinen Kommentar zu den Verhandlungen. Doch betonte Pressesprecher Markus Braun, dass die Ausgliederung der Holdings für Ratiopharm keine Folgen haben werde. "Ratiopharm zieht nicht um." Der Verkauf, der noch im ersten Quartal unter Dach und Fach gebracht werden solle, verlaufe nach Plan.

Im Ulmer Rathaus gab man sich überrascht von der Abwanderung von Teilen des einstigen Firmenimperiums gen Brandenburg. "Davon ist uns bislang nichts bekannt", sagte gestern der Ulmer Finanzbürgermeister Gunter Czisch auf Anfrage. Ob dadurch der Stadt in Zukunft Gewerbesteuereinnahmen durch die Lappen gehen, könne er nicht sagen.

Das Merckle Firmenimperium gehörte in der Vergangenheit zu den großen Steuerzahlern der Stadt. Details darf Czisch aufgrund des Steuergeheimnisses freilich nicht nennen. "Ganz grundsätzlich", so Czisch, könne eine Firma durch eine Änderung des Firmensitzes nur ganz bedingt Steuern sparen. Entscheidend sei immer noch der Produktionsstandort.

Im brandenburgischen Zossen freut sich die parteilose Bürgermeisterin Michaela Schreiber unterdessen darüber, "einen dicken Fisch an Land gezogen" zu haben. Wie viele Arbeitsplätze dort entstehen werden, kann sie noch nicht einschätzen. "Ich gehe aber davon aus, dass es hier um keine Briefkastenfirma geht." Auch darüber, wie hoch die Gewerbesteuer sein wird, die durch den Neuzugang nach Zossen fließen wird, habe sie noch keine Erkenntnisse. "Erfahrungsgemäß dauert die Ummeldung eines Gewerbes bis zu einem Jahr." Oliver Helmstädter und Bernhard Junginger

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