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Neu-Ulm

31.05.2015

Rentner stürzt vor nahenden Zug: Rettung in letzter Sekunde

Ein 80-Jähriger stürzte in Neu-Ulm auf die Bahngleise unter der Brücke der Europastraße. Doch der Mann hatte gleich zwei Schutzengel, die ihn vor einem herannahenden Zug retteten.
Bild: Alexander Kaya

Ein 80-Jähriger will die Bahnschienen überqueren, fällt und bleibt hilflos liegen. Doch der Mann hatte großes Glück – und gleich zwei Schutzengel

Neu-Ulm An die Geschehnisse des vergangenen Donnerstags wird sich Anna Hampel wohl ihr Leben lang erinnern. Die 32-jährige Münchnerin war zu Besuch bei einer Freundin. Die beiden waren mit ihren beiden Kindern in Neu-Ulm spazieren. Sie waren gerade auf der Dornierstraße unterwegs, als sie jemanden auf den Bahngleisen direkt unter der Brücke der Europastraße liegen sahen.

„Meine Freundin ist dann bei den Kinderwagen geblieben und ich bin zu dem Mann hin“, erzählt Hampel. Zuerst habe sie den Gestürzten gefragt, was passiert sei und ob sie ihm aufhelfen könne. „Da habe ich schon gemerkt, dass der Mann verwirrt war angesichts der Situation und gesundheitlich angeschlagen.“ Wie die Polizei mitteilte, wollte der 80-jährige Ulmer eine Abkürzung nehmen und deshalb die Gleise der Bahnlinie Neu-Ulm–Senden von der Dornierstraße zur Max-Eyth-Straße überqueren. Wegen seiner Gebrechlichkeit stürzte er dabei allerdings direkt auf den Bahngleisen und konnte selbstständig nicht mehr aufzustehen.

Alleine wäre Hampel aber, laut eigener Aussage, körperlich nicht kräftig genug gewesen, dem Rentner aufzuhelfen. Doch dieser hatte noch einen zweiten Schutzengel: den 33-jährigen Thomas Würth. Der Diplom-Ingenieur aus Neu-Ulm war gerade an besagter Stelle mit seinem Auto unterwegs, als er die beiden Frauen „auffällig und aufgeregt“ in Richtung der Gleise habe schauen sehen. Nur dadurch habe er den Mann im Gleisbett überhaupt entdeckt. Als er bei dem Rentner angekommen sei, sei Hampel schon da gewesen. Würth erzählt: „Zuerst sagte der Mann, wir sollten ihm einfach aufhelfen, aber die Zeit war ja nicht da.“ Er habe den Mann dann gepackt und von den Gleisen heruntergezogen.

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„Er hat superschnell reagiert“, so Hampel. Auch das habe den Rentner gerettet – denn kurz, nachdem die drei Personen wieder von den Gleisen verschwunden waren, donnerte der Regionalzug Richtung Senden über die Gleise. Etwa 30 Sekunden seien da vergangen gewesen, schätzt Würth, vielleicht auch weniger. „Ich habe den Notruf gewählt und da ist der Zug auch schon vorbeigerattert“, sagt er. Hampel gibt zu: „Als ich den Zug gesehen habe, war ich tatsächlich total perplex.“ Natürlich wisse sie, dass dort Züge fahren würden, aber in diesem Moment habe sie „gar nicht so schnell geschaltet“. Deshalb sei es großes Glück gewesen, dass Würth den Rentner so schnell von den Gleisen gezogen habe. „Sonst wäre der Mann definitiv vom Zug überrollt worden“, erklärt sie.

So genau wolle sie sich aber gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. „Ich stand ja auch auf den Gleisen.“ Nach dem dramatischen Erlebnis war die 32-Jährige erst einmal „geschockt, weil es eigentlich nur ein gemütlicher Spaziergang werden sollte“. Aber glücklicherweise sei am Ende ja alles gut ausgegangen.

Würth dagegen könne mit so einem Erlebnis wohl anders umgehen, wie er selbst sagt – der 33-Jährige engagiert sich seit über 20 Jahren ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk (THW). Für ihn sei es selbstverständlich gewesen, zu helfen. Normalerweise käme das THW erst an Unfallstellen an, wenn es schon zu spät sei. „Aber diesmal war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt er.

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