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Illereichen

29.06.2017

Retter auf vier Pfoten

Königspudel Donnatella hat die Vermisste gefunden. Bei einer Übung im Wald bei Illereichen spielte Yvonne Schöllhorn das Opfer, das gesucht werden musste.
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Königspudel Donnatella hat die Vermisste gefunden. Bei einer Übung im Wald bei Illereichen spielte Yvonne Schöllhorn das Opfer, das gesucht werden musste.
Bild: Zita Schmid

Im Wald bei Illereichen trainiert eine Hundestaffel für den Ernstfall. Die Ehrenamtlichen erklären, worauf es bei der Suche nach Vermissten ankommt.

Labrador Nelly weiß, was sie zu tun hat. Nach kurzem Kommando läuft die Hündin los, alleine in den Wald hinein. Bald darauf bellt sie bereits. Nelly hat die Vermisste gefunden. Helga Kühnl hat sich im Wald versteckt und wurde von dem Rettungshund innerhalb kurzer Zeit aufgespürt. Nun sitzt Nelly in gebührendem Abstand vor der Gesuchten und verkündet durch ihr Bellen lautstark, dass und wo sie fündig wurde.

„Dieser Abstand zur gefundenen Person ist wichtig“, sagt Thomas Kluge. Der Kellmünzer ist Ausbilder in der Rettungshundestaffel (RHS) Oberallgäu, die kürzlich im Wald bei Illereichen für den Ernstfall trainiert hat. Denn für die Hunde ist das Suchen und Finden von Menschen ein Spiel, das sie in jahrelanger Ausbildung gelernt haben und das sie regelmäßig üben. Vor dem Hintergrund, dass das Opfer verletzt sein könnte oder Angst vor Hunden hat, müsse sich der Rettungshund gegenüber dem Opfer immer neutral verhalten und einen bestimmten Abstand einhalten, sagt Kluge.

Nellys Bellen hört erst auf, als Frauchen Ramona Olbrich am Fundort eintrifft. Die 25-Jährige hat schon als Jugendliche mit 17 Jahren in die ehrenamtliche Arbeit der RHS hineingeschnuppert und war zunächst als Helferin noch ohne eigenen Hund tätig. Doch die Freude an der Arbeit mit den Tieren, verbunden mit der Hilfe am Menschen, habe sie nicht losgelassen. Nun sind sie und Nelly ein eingespieltes Team und die erste Rettungshundeprüfung haben sie bereits absolviert.

Während Nelly ihren „Fund“ durch Bellen anzeigt, laufen andere Hunde zu ihrem Hundeführer zurück, werden angeleint und führen anschließend auf direktem Weg zur gesuchten Person. Doch wie immer es dem vierbeinigen Retter beigebracht wurde, ganz wichtig sei das Lob und die Belohnung hinterher. Denn, egal ob Ernstfall oder Übung, der Hund müsse Spaß an dem Suchspiel haben.

Beim abendlichen Training im Wald bei Illereichen kamen insgesamt sechs Rettungshunde einzeln zum Einsatz. Ihr wichtigstes Einsatzgerät war dabei ihre feine Nase. „Mehrere Hundert Meter gegen den Wind kann der Hund eine menschliche Witterung aufnehmen“, sagt Ausbilder Kluge. So hielten Labrador Nelly, später dann auch Königspudel Donatella oder der belgische Schäferhund Abby, die alle als Flächenhunde ausgebildet sind, bei der Suche ihre Nase eher oben, um die gesuchte Person riechen zu können.

Der Bayerische Gebirgsschweißhund Ben dagegen hatte bei seinem Einsatz die Nase zum großen Teil unten. Er ist ein sogenannter Mantrailer, ein Personenspürhund. Während Flächenhunde auch die menschliche Witterung etwa von unbeteiligten Spaziergängern oder Joggern aufnehmen können, sucht der Mantrailer eine ganz bestimmte Person. Dazu braucht er einen Geruchsträger mit dessen Individualgeruch. Yvonne Schöllhorn hält ihrem Ben so das Handy von Roland Kühnl vor die Nase. Dieser hat sich weit entfernt vom Trainings-Treffpunkt versteckt. Geführt an der Leine beginnt Ben die Suche. Es seien die winzigen Hautschuppen der jeweiligen Person, die der Hund als Fährte aufnimmt, sagt Kluge. Denn jeder Mensch verliere pro Minute Tausende Hautschuppen. Mantrailer seien so in der Lage, den Trail – den gelaufenen Weg – eines Vermissten auch noch nach mehreren Tagen nachzulaufen. Bei Einsätzen spielt allerdings auch die Witterung eine große Rolle. Ungünstig sei es etwa, wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt oder Luftverwirbelungen die Witterung nach oben absaugten.

An diesem Abend ist es schwül und gewittrig. Allgemein keine guten Bedingungen, sagt Kluge. Mit seinem ausgezeichneten Geruchssinn schafft Ben es trotzdem, den Gesuchten aufzuspüren.

Kontakt Zum Training der Rettungshundestaffel sind Interessierte willkommen. Nähere Auskunft gibt Thomas Kluge unter Telefon: 0170/7056725 oder per E-Mail an kluge.th@web.de, Betreff: Rettungshunde.

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