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Dattenhausen

21.02.2020

Rückschnitt: Bund Naturschutz spricht von „Baummassaker“

Die Methusalem-Baumgruppe bei Dattenhausen ist Anfang dieser Woche massiv gestutzt worden. Viel zu massiv, wie der Geschäftsführer des Bund Naturschutz im Landkreis, Bernd Kurus-Nägele, kritisiert.
Bild: Zita Schmid

Plus Bernd Kurus-Nägele vom Bund Naturschutz ist entsetzt über den Rückschnitt der Methusalem-Bäume. Eigentlich hätte die Gruppe ein Naturdenkmal werden sollen.

Bernd Kurus-Nägele spricht von einem „Baummassaker“: Der Geschäftsführer des Bund Naturschutz im Landkreis Neu-Ulm ist entsetzt darüber, was diese Woche am Methusalem-Baumenseble in Dattenhausen passiert ist. Der Naturschützer glaubt, dass die 180 Jahre alte Eiche trotz der jüngsten Sturmschäden hätte gerettet werden können.

Wie berichtet, war bereits seit Längerem ein Rückschnitt an der Baumgruppe geplant gewesen. Die beiden Buchen, die neben der mächtigen Eiche im Gebiet des Staatswaldreviers Filzingen gruppiert waren, waren durch gefährliche Baumpilze stark geschädigt. Der ursprüngliche Plan der Forstexperten lautete, die beiden erkrankten Bäume schrittweise zurückzuschneiden, damit die Eiche sich langsam daran gewöhnen könnte, frei zu stehen. Doch dann kam Sturm „Sabine“ und machte die Pläne zunichte: Der Wind entwurzelte eine der beiden mächtigen Buchen. Und auch der vorgesehene Rückschnitt an der Krone der Eiche musste stärker ausfallen als angenommen – durch den Wegfall der Nachbarbäume wurde die jetzt frei stehende Krone zur Gefahr für die vorbei führende Straße und eine Gasleitung. „So konnten wir leider an der ursprünglichen Zielsetzung nicht mehr festhalten“, so Revierleiter Karl Wagner gegenüber unserer Zeitung.

Ein "Baummassaker" an der 180 Jahre alten Eiche

Mit einem Schreiben an Forstbetriebsleiterin Linda Madl vom Forstbetrieb Weißenhorn hat nun die Bund Naturschutz Kreisgruppe auf die Aktion reagiert. Die Kreisgruppe protestiere „auf das Schärfste gegen das von Ihnen und Ihrem Revierförster, Herrn Wagner, durchgeführte „Baummassaker“ an der 180-jährigen Eiche in Dattenhausen“, heißt es darin. Bernd Kurus-Nägele verweist dabei auf ein nach seinen Worten fachlich abgesichertes Ultraschallgutachten zum Gesundheitszustand und zur Standsicherheit der Eiche. Dieses bringe eindeutig eine positive Erhaltungsprognose für die Eiche zum Ausdruck. Der Kreisgeschäftsführer sagt, dass die Kreisgruppe das Gutachten auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hatte, um gegenüber den Bayerischen Staatsforsten nachzuweisen, dass der außergewöhnliche Baum in jedem Fall zu erhalten sei.

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Bund Naturschutz wollte die Patenschaft übernehmen

„Weiterhin hatte der Bund Naturschutz bereits beim Landratsamt Neu-Ulm beantragt die Eiche als Naturdenkmal auszuweisen“, heißt es in dem Schreiben. Zudem habe der Bund Naturschutz angeboten, die Baum-Patenschaft für das Ensemble zu übernehmen. „Das hätte bedeutet, dass der Bund Naturschutz die Organisation und Durchführung der Pflege der Bäume und auch die Verantwortung im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht weitestmöglich übernimmt. Dieses Angebot haben Sie zurückgewiesen“, kritisiert Kurus-Nägele.

So sah das komplette Birket-Methusalem-Ensemble noch vor wenigen Wochen aus.
Bild: Zita Schmid

Durch ihr hohes Alter von 180 Jahren und ihre umfangreichen Kronen mit vielfältigen Lebensraummöglichkeiten hätten die Bäume einen sehr hohen Biotop- und Erhaltungswert, sagt der Naturschützer. Es klinge fast wie Hohn, wenn der Revierleiter angesichts des „jämmerlich aussehenden, verbliebenen Torsos des einst stattlichen Baumes davon spricht, dass hier Lebensraum entstünde“, schreibt der Kreisgeschäftsführer. Der ursprünglich vorhandene, existente Lebensraum für Vögel, Kleinsäuger und Insekten in der mächtigen Baumkrone sei um ein 1000-faches höher gewesen.

Gutachter wurde nicht informiert

Kurus-Nägele räumt ein: „Der Sturmwurf der mittleren Buche war bedauerlich. Dies hätte aber nicht zwangsläufig bedeuten müssen, die Eiche zu zerstören. Hat nicht die Eichenkrone auch nach dem Fall der Buche dem Windereignis standgehalten? Dies war doch der beste Beweis für die dokumentierten Inhalte zur Standsicherheit des Baumes im vorliegenden Gutachten.“ Aus Sicht des Bunds Naturschutz wäre es korrekt gewesen, mit dem Baumgutachter Rücksprache zu nehmen, wie jetzt aufgrund der veränderten Situation zu verfahren sei. Doch Gutachter Christian Knaus sei überhaupt nicht kontaktiert worden, sagt Kurus-Nägele. „Er hätte nach wie vor zum Erhalt des Baumes geraten und die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen (geringfügige Kronenreduktion, Einsetzen von Starkastsicherungsgurten) zügig umsetzen lassen“, ist er sich sicher.

Dass die Verantwortlichen mit „Gefahr im Verzug“ argumentierten sei ein „Totschlagargument“, der radikale Rückschnitt eine „mehr als fragwürdige Entscheidung zum angeblichen Wohle der Allgemeinheit“.

Bernd Kurus-Nägele ist sichtlich erschüttert von der Aktion: „Altbäume wie diese monumentale Eiche haben leider keine Lobby die Ihnen ein gesichertes Dasein ermöglicht. Ehrfurcht vor dem Alter eines 180-jährigen Baumriesen, der auch ein ehrwürdiges Lebewesen ist, scheint bei den Bayerischen Staatsforsten derzeit offensichtlich nicht an vorderer Stelle zu stehen.“ Was bei den Methusalem-Bäumen passiert sei, ist laut dem Geschäftsführer des Bund Naturschutz „ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen dieses Baummassakers“.

Mehr zu dem Baumensemble lesen Sie hier:

Methusalem wurde gestutzt

Im Wald besteht derzeit Lebensgefahr

Sturm "Sabine" macht vor Methusalem nicht halt

Ein Revier mit lebendigen Schätzen

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