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Memmingen

24.02.2015

Rumäne soll Schwule zur Prostitution gezwungen haben

Ein 38-Jähriger steht seit Dienstag wegen des Verdachts des Menschenhandels vor dem Landgericht Memmingen.
Bild: Symbolbild: Alexander Kaya

Ein 38-Jähriger lockte Männer angeblich mit falschen Job-Versprechungen nach Neu-Ulm. Doch am Ende ging es um bezahlten Sex. Einblicke in eine Szene, die im Verborgenen blüht.

Seit gestern muss sich vor dem Landgericht Memmingen ein 38 Jahre alter Rumäne verantworten, dem die Staatsanwaltschaft unter anderem gewerbsmäßigen Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und Zuhälterei zur Last legt. Laut Anklage soll Gheorghe B. zwischen 2010 und 2014 über einschlägige Schwulenseiten im Internet Kontakt zu Landsleuten aufgenommen, sie anschließend mit falschen Job-Versprechungen nach Neu-Ulm gelockt und sie dort an homosexuelle Freier vermittelt haben, wobei er den Liebeslohn einstrich. Dabei soll er teilweise massiven Druck auf die der deutschen Sprache nicht mächtigen und weitgehend mittellosen Rumänen ausgeübt haben, um sie gefügig zu machen.

Der nach eigener Darstellung bisexuelle Angeklagte, der als „Escort-Service“ mit Gleichgeschlechtlichen sich ein Zubrot zu Hartz-IV verdiente, bestritt, die Männer mit falschen Versprechungen nach Deutschland geholt zu haben, und ließ gegen Ende des Prozesstages von seiner Verteidigerin Ulrike Mangold ausrichten, er sei Opfer eines „Komplotts“. Eigentliches Ziel seiner Internet-Chats sei es gewesen, gleichgesinnte Partner zu finden, um mit ihnen eine „Beziehung“ aufzubauen. Mindestens in einem Fall wurde er aber übel aufs Kreuz gelegt. Romulus S. habe ihm ein Bild von sich geschickt, auf dem ein „gutaussehender, großer, dunkelhaariger Mann“ abgebildet war. Als der Angeklagte dann nach Neu-Ulm kam, sei vor ihm ein „dicker, kleiner Mann“ gestanden. Auch in den anderen Fällen seien keine falschen Versprechungen gemacht worden, damit die Rumänen an die Donau kamen. Zwei sollen bereits als Stricher gearbeitet haben, ein anderer habe Gheorghe B. gebeten, ein Profil mit Nacktfotos auf die Schwulen-Plattform zu stellen – mutmaßlich, um ebenfalls als männliche Prostituierte arbeiten zu können.

Nach Deutschland kam der Beschuldigte 2009 durch einen Deutsch-Rumänen, den er in besagten Homo-Netzwerk kennengelernt hatte. Der ehemalige Schauspieler, der damals in Wiblingen lebte, hat dem Angeklagten nach dessen Einlassung sozusagen die Tür in die Schwulenszene in der Doppelstadt aufgemacht und ihm spätere Kunden verschafft. Kurz nach seiner Ankunft sei in der Wohnung des Wiblinger Mannes eine Gruppensex-Party gestiegen, bei der er erste Kontakte knüpfte.

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Einige Aussagen der angeblich angelockten Männer waren für das Gericht nicht ganz unproblematisch. Der erste deutsche Freund des Angeklagten blieb trotz Zerwürfnis mit dem Angeklagten bis zu dessen Verhaftung im Mai 2014 in Verbindung – weil der 62-Jährige offenbar stets Lust auf junge Stricher hatte. Der Mann, der sich selbst als „Helfernatur“ bezeichnete, ließ seine Unterstützung des Angeklagten durch sexuelle Dienstleistungen vergelten. Für die drei Raten für ein Anwaltshonorar musste ihm der Angeklagte drei Mal zu Willen sein. Die Zeugenvernehmung von Romulus S. wurde abgebrochen, nachdem die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein dem Mann attestiert hatte: „Sie lügen wie gedruckt.“ Dieser Ansicht war auch die Staatsanwältin, die ankündigte, ein Verfahren wegen Falschaussage einzuleiten.

Nach dem ersten Verhandlungstag kann möglicherweise der Vorwurf des Menschenhandels nicht mehr aufrechterhalten werden, der der Zuhälterei durchaus. Mehrere Zeugen berichteten, dass sie sich auf Anweisung des Angeklagten mit Freiern einlassen mussten – den Dirnenlohn aber nie zu Gesicht bekamen. Bei Verweigerung habe er sie aus der Wohnung geworfen.

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