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Freizeit

21.05.2016

Runde zwei der Rennfahrer-Karriere

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Sven Barth (35, oben) beim Besuch in der IZ-Redaktion. In seiner Freizeit fährt der Ingenieur Autorennen als Semi-Profi. Er startet für das RWT-Racing-Team mit einer Corvette in der Tourenwagen-Serie „GT Masters“. Seit einem Jahr wohnt er mit seiner Lebensgefährtin in Betlinshausen und schätzt die Lage zwischen Allgäu und Ulm.

Ingenieur Sven Barth startet als Rennfahrer in der „GT Masters“ und wohnt seit einem Jahr in Betlinshausen. Warum er den ganz großen Sprung nur knapp verpasst hat

Als der Termin mit dem Betlinshauser Neubürger im Kalender steht, wartet vor der Tür der Illertisser Zeitung ein mächtiger Bentley. Zufall. Der Mann, der hätte am Steuer vermutet werden können, kommt zielstrebigen Schrittes und mit einem Laptop unter dem Arm über den Marktplatz gelaufen. Sven Barth fährt privat keinen Bentley, könnte so eine Nobelkarosse aber locker und verdammt schnell bewegen – vor allem im sogenannten Renntrimm mit über 600 PS. Etliche Wochenenden pro Jahr liegt der 35-Jährige mit Bentleys im Clinch. Er selbst sitzt dann in einer Corvette mit etwa gleich vielen Pferdestärken und startet in der Rennserie „GT Masters“ auf Strecken wie Hockenheim- oder Nürburgring, Spielberg (Red-Bull-Ring) oder Spa.

Barth befindet sich in der zweiten Runde seiner Karriere. Er arbeitet seit einiger Zeit hauptberuflich als Projekt-Ingenieur bei einer Firma für Umwelttechnologien in Staig und steigt nur noch in der Freizeit ins Cockpit. Nach einer Rennsport-Pause zwischen 2005 und 2013, so erzählt er, habe er noch mal wissen wollen, ob er mit den Kollegen noch mithalten könne. Vor 2005 war das offenbar kein Problem. Der junge Sven Barth schaffte das locker. Er stammt aus einer Handballer-Familie, aber das machte ihm keinen Spaß. Als ihn sein Vater mal in ein Kart setzte und Slalom fahren ließ, wusste der Neunjährige: „Das mag ich machen.“ Und Talent hatte er.

Durch die Junior-Klassen ist Barth durchgestürmt, war deutscher Formel-3-Vizemeister und gewann gleich sein zweites Rennen in der Formel Renault Weltserie. Es war 2004 das Rahmenrennen für die Formel 1 in Monaco. Barth stand mit dem Siegerpokal in der Fürstenloge. Ein klein wenig hatte er zu der Zeit auch schon den Fuß in der Tür zur Formel 1.

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Ein Bankkaufmann wollte mit Arrows-Boliden ein deutsches Formel-1-Team als AG auf die Beine stellen und Sven Barth ließ sich verpflichten. Doch das Ganze entpuppte sich als Luftnummer. Kein Cockpit in der Königsklasse. Auch nicht, nach Testfahrten beim Toyota-F1-Team, bei dem unter anderem Ralf Schumacher fuhr. „Die haben gesagt, sie würden mich gerne noch eine Saison in der GP-2, der Klasse darunter, fahren sehen. Aber woher sollte ich das Geld holen?“ Eine GP-2-Saison koste zwischen einer und zwei Millionen Euro. Der junge Sven Barth hatte es nur mit Talent und ohne Millionensponsor für die Verhältnisse im Motorrennsport ungewöhnlich weit gebracht. Doch an dieser Stelle stoppte die Karriere.

„Das Glück hat nicht mitgespielt“, beschreibt er heute den Umstand, der ihn letztlich wohl nach Betlinshausen geführt hat. Barth hatte eine „solide“ Berufsausbildung nie aus den Augen verloren. Nach dem Abitur studierte der junge Mann aus Weinheim an der Bergstraße Verfahrenstechnik, wurde Ingenieur und heuerte schließlich in Staig an. Weil es ihm und seiner Lebensgefährtin in der Gegend so gut gefällt, machten sie sich auf die Suche nach einer festen Bleibe und erwarben schließlich vor einem Jahr ein Haus in Betlinshausen. Eine „Supersache“ nennt Barth den Wohnort. Er sei beruflich viel im Außendienst unterwegs, schätze deshalb die Nähe zur Autobahn. Als begeisterter Skifahrer freut er sich über den kurzen Weg ins Allgäu.

Seine Urlaubstage und die Wochenenden der Sommermonate verbringt er seit 2013 wieder auf Rennstecken. Nicht mit Nobelkarossen, sondern mit Wohnwagen im Schlepptau tuckert er zu den Rennstrecken, wo er dann in die 600-PS-Corvette umsteigt. Rennfahren, so versichert er, ist höchste Konzentration gepaart mit körperlicher Anstrengung. Wer es nicht kenne, unterschätze das gerne. Barth war immer sportlich, sagt er. Er muss nicht Fitnessfanatiker sein, um ein GT-Masters“-Wochenende oder ein 24 Stunden-Rennen durchzustehen. Neuerdings nimmt ihn die Partnerin montags mit zum Aqua-Spinning im Nautilla. „Dazu ein bisschen Fitness, das reicht.“

Kennengelernt hat sich das Paar in Barths zweiter Rennfahrerkarriere, als er nach der Pause zum RWT-Team von Gerd Beisel aus Eberbach im Odenwald kam. Beisel ist sein angehender Schwiegervater. In der „GT-Masters hat Barth 2014 ein Rennen gewonnen. Das wird heuer nicht möglich sein. „Wir haben das älteste Auto im Feld“, sagt der Betlinshauser und hofft, auf Speed-Strecken wie dem Red-Bull-Ring in die Top Ten fahren zu können. Er hat in dem Schweizer Remo Lips einen sogenannten Gentleman-Driver als Partner. Für die Kombination Profi (Silber-Lizenz) und Amateur (Bronze) gibt es eine Trophy-Wertung. Fünf Fahrzeuge gehen darin an den Start. „Wir führen die Gruppe nach zwei Rennen an und hoffen, die Trophy auch gewinnen zu können“, so Barths Ziel. Das nächste Rennen findet zusammen mit der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) am ersten Juniwochenende auf dem Lausitzring statt.

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