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Nordholz

29.07.2019

Sagen aus Nordholz: Als Krötenplagen noch als Strafe Gottes galten

In Nordholz ging es unter anderem um Kröten.

Der Heimatverein Markt Buch will, dass alte Legenden aus der Region nicht in Vergessenheit geraten. Was bei einer Wanderung bei Nordholz zu erfahren war.

Den Kleinen unter den Besuchern wurde ein Hinweis mit auf die Tour gegeben: Man passe ja auf die Kröten auf, die um den Nordholzer Schlossberg anzutreffen sind. Und tatsächlich zeigte sich hier und da ein scheues Exemplar, über den Weg hüpfend, dem Weiher zueilend; eher niedlich als bedrohlich.

In früherer Zeit empfanden die Menschen die Invasionen der Amphibien hingegen als eine Heimsuchung Gottes. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass daraus im Laufe der Jahre Erzählungen gesammelt wurden, die letztendlich in Sagen mündeten. Diese neu zu entdecken, ihnen auf den Grund zu gehen, war das Ziel des Heimatvereins Markt Buch, der kürzlich zu einer „Sagenwanderung“ um Nordholz aufgebrochen war.

Wie eine Krötenplage eine geizige Müllerin ereilte

Knapp vierzig Zuhörer waren bei zunächst unsicherer Wetterlage gekommen, um Geschichten über den Schlossberg und mehr über die Auswirkungen frevelhaften Verhaltens zu erfahren. Dabei war die Exkursion zweigeteilt: Während der Erste Vorsitzende Ralph Manhalter die historische Seite der Herrschaftsverhältnisse beleuchtete, widmete sich seine Stellvertreterin Corinna Eberhardt dem mythologischen Part. Dabei ist es schon auffallend, dass in einem so kleinen Ort eine so vielseitige Sagenwelt entstehen konnte, stellte Manhalter zu Beginn der Tour fest. Die Kröten waren während der Wanderung stets der Dreh- und Angelpunkt aller Erzählungen, die Strafe Gottes für ein frevelhaftes Vergehen. Sei es, dass der Einsiedler Arnik nach der Auflösung des Klosters Roggenburg eine Behausung im Wald errichtete, die von übermütigem Jungvolk zerstört wurde; sei es, dass eine geizige Müllerin armen Bettlern das Stück Brot verwehrte: Der Zorn des Allerhöchsten ließ nie lange auf sich warten. Zu Tausenden und Abertausenden sollen die Kröten die Übeltäter heimgesucht haben.

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In jeder Legende steckt ein wahrer Kern

In einer Zeit, in der auf Naturphänomene keine Antwort gefunden werden konnte, kam den Betroffenen und den Beobachtern schnell das Übersinnliche, das Göttliche in den Sinn. Getrieben vom Wunsch nach Gerechtigkeit stellte das Volk die Ereignisse in einen höheren Zusammenhang. Nahezu alles wurde sakralisiert; die Aufklärung hatte - insbesondere auf dem Land - noch nicht Fuß gefasst. Umso wunderbarer hören sich die alten Erzählungen heute an. Man spürt direkt die Sorgen und Nöte der damaligen bäuerlichen Einwohnerschaft im Kampf mit Naturgewalt und Obrigkeit.

Den Initiatoren des Heimatvereins war bei dieser Führung vor allem daran gelegen, die alten Geschichten vor dem Aussterben zu bewahren. Noch existieren Sammlungen, in denen sie nachgelesen werden können. Aber wer kann sagen, ob sich die nachfolgenden Generationen noch daran erinnern werden, ob die Sagen und Legenden auch Eingang in das digitale Zeitalter finden können?

Vor allem die Kinder lauschten gebannt, konnten sie doch am Ende des gut eineinhalbstündigen Spaziergangs an einem kleinen Quiz teilnehmen und ihre Aufmerksamkeit unter Beweis stellen. Dass in jeder Sage auch immer ein Stückchen Wahrheit steckt, zeigt etwa die Geschichte des Einsiedlers zu Zeiten der Roggenburger Säkularisation. Dass dieser Arnik wirklich existierte, lässt sich zweifelsfrei nachweisen. Und die Kröten selbst: Als Bedrohung werden sie allerdings schon lange nicht mehr wahrgenommen. Man sammle sie bestenfalls ein und werfe sie zurück in den Weiher, wie eine Anwohnerin ganz gelassen mitteilte. (man)

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