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Illertissen

29.05.2020

Sanierung oder Neubau: Das Kolleg wird zur Rechenaufgabe

Rechenaufgaben an einer Tafel im Kolleg in Illertissen: Fast genauso kompliziert ist die Frage, was Sanierung oder Neubau des Gymnasiums kosten würden. Im Stadtrat wurden jetzt die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorgestellt.
Bild: Alexander Kaya

Plus Zahlen für Neubau oder Sanierung des Gymnasiums Illertissen liegen auf dem Tisch. Beide Varianten verlangen gewaltige Summen. Für die Stadträte geht es aber um mehr.

Es wurde hörbar nach Luft geschnappt in der Historischen Schranne. Denn die Zahlen, die Planer Erhard Stäblein vom Ulmer Büro Gruoner und Partner für das Illertisser Kolleg vorgestellt hat, sind gewaltig. Gemeinsam mit seinen Kollegen hatte Stäblein die Gebäudeteile der Schule auf Herz und Nieren überprüft und aufgelistet, was eine Sanierung des Gebäudes nach den aktuellen Vorgaben für den Unterricht, den Brandschutz und die energetischen Voraussetzungen kosten würde – und ausgerechnet, wie viel für einen entsprechenden Neubau aufgebracht werden müsste. Am Ende standen zwei sehr große Zahlen – fast gleich groß und gleich erschreckend hoch.

Damit aus dem Schrecken über die Zahlen keine ausufernde Diskussion um das Für und Wider von Sanierung und Neubau wird, hatte Bürgermeister Jürgen Eisen eingangs klargemacht: „Es geht hier nur um die Machbarkeitsstudie.“ Was am Ende mit dem Kolleg geschehen wird, sei nicht Gegenstand der aktuellen Stadtratssitzung. Schließlich warteten noch sehr viele weitere Punkte im öffentlichen und nicht öffentlichen Teil auf die Ratsmitglieder. „Bitte keine Grundsatzdiskussionen“, schickte Eisen voraus. Ganz geklappt hat das nicht. Denn das Kolleg ist nun nicht irgendein Gebäude für die Illertisser und seine Zukunft so oder so eine teure Angelegenheit.

Das markante Äußere des Brüderbaus würde sich bei einer Sanierung verändern – denn auch eine energetische Sanierung müsste erfolgen.
Bild: Franziska Wolfinger

In seiner 68 Seiten starken Studie listete Stäblein auf, in welchem Zustand sich die Gebäudeteile befinden – vom 1923 bis 1930 errichteten Brüderbau über die 1950 erfolgte Erweiterung mit der Turnhalle, die 1981 und 1982 zur Aula und Festhalle umgestaltet wurde, bis hin zur 2010 ergänzten Mensa. Auch die 1981 gebaute Turnhalle nahmen die Planer mit ins Visier. Denn auch die könnte nach 40 Jahren eine Erneuerung gebrauchen – sie alleine würde bereits mit sechs bis acht Millionen Euro zu Buche schlagen.

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In den Kosten für die Sanierung, die Stäblein zusammengetragen hat, ist die Sporthalle allerdings noch nicht enthalten. Und auch ein großer Teil der bestehenden Räume der Schule wären bei einer Sanierung gar nicht berücksichtigt, sagte Stäblein. Denn: „Etwa ein Drittel des Gebäudes ist eigentlich nicht nutzbar“, so der Experte. Gerade bei den ehemaligen Wohnräumen der Brüder seien Anforderungen wie eine Mindesthöhe der Decke von drei Metern nicht erfüllbar. „Je weiter nach oben wir kommen, desto schlechter wird es“, schilderte Stäblein dem Stadtrat. Diese „nicht nutzbaren“ Raumvolumen im Dachgeschoss und Souterrain des Brüderbaus seien ein nicht unerheblicher Kostenfaktor für den Betrieb der Anlage.

Allein fünf Millionen kostet ein Schulcontainer für die Bauzeit

Große Schwierigkeiten ergeben sich aus Sicht des Planers auch durch die fehlende Barrierefreiheit, die weitere Räume nicht nutzbar erscheinen lassen. „Das ist tatsächlich eine Katastrophe.“ Nach den Berechnungen des Büros fehlen für den Unterrichtsbetrieb des Gymnasiums bis zu 3200 Quadratmeter Fläche – diese müssten im Fall einer Sanierung durch einen Anbau geschaffen werden. Das Problem: Die Schule würde dadurch noch weiter zergliedert, Wege dürften noch länger werden. Diesen Anbau eingerechnet, kommt Stäblein auf eine Summe von 62,3 Millionen Euro, die für die Sanierung fällig wären. Fünf Millionen Euro für Schulcontainer, in welchen der Unterricht während der mehrjährigen Bauphase übergangsweise stattfinden könnte, sind dabei mit einberechnet.

Ein solcher Container wäre bei einem Neubau nicht notwendig – der Unterricht könnte bis zum Einzug in ein neues Schulhaus noch in den alten Klassenzimmern stattfinden, dafür steht der Abbruch des Brüderbaus mit 1,6 Millionen Euro mit auf der Rechnung. Gesamtkosten von 64 Millionen Euro sieht Erhard Stäblein deshalb als realistisch an – zumindest nach den derzeit gültigen Preisen. Wie sich die Baukosten in den kommenden Jahren entwickeln, weiß niemand – und egal in welcher Variante wird es noch Jahre dauern, bis die ersten Arbeiten beginnen.

Der Planer hat eine klare Meinung

Stäblein gab im Stadtrat eine klare Empfehlung ab. „Eine Sanierung lässt sich schwer – aus meiner Sicht eigentlich überhaupt nicht – darstellen.“ Denn zu den möglichen steigenden Baukosten könnten weitere Unwägbarkeiten und unliebsame Überraschungen kommen, die im Laufe einer Sanierung zutage treten.

Dass etwas passieren muss, machte Bürgermeister Jürgen Eisen nochmals deutlich: Das größte Gymnasium des Landkreises sei mittlerweile das einzige, das noch nicht generalsaniert wurde. Leisten könne sich die Stadt als Besitzer des Gebäudes das Projekt alleine keinesfalls – deswegen sind auch der Landkreis und das Schulwerk als Geldgeber gefragt. Vor allem aber muss zunächst eine Aussage der Regierung von Schwaben zu den Fördermitteln her. Anhand der Studie des Büros Gruoner und Partner, die in Augsburg vorgelegt wurde, soll die Regierung nun äußern, ob nur eine Sanierung oder auch ein Neubau förderfähig wäre. Erst dann können Stadtrat und Kreistag sinnvoll entscheiden, wie es weitergehen soll für das Kolleg.

Wie wichtig den Fraktionen im Illertisser Stadtrat das Gymnasium ist, zeigten die Nachfragen und Wortmeldungen aller Parteien. Helga Sonntag (Grüne/ÖDP/AB) brachte es in ihrem Statement auf den Punkt: „Das ist nicht irgendein Gebäude. Das ist ein markantes Stück von Illertissen.“

Mehr über die Schulen in Illertissen lesen Sie hier:

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