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Premiere

18.07.2011

Schlaukopf Wickie erobert die Freilichtbühne

Glücklich zurück: Die Bürger von Flake empfangen die tapferen Wikinger in schrillem Rampenlicht. In der Mitte mit grünem Rock Halvar, links von ihm Sohn Wickie. Vor sich haben sie Paddel und Schilder von ihrer Reise abgelegt.
Bild: Foto: lor

Mitreißende Comic-Inszenierung der Schwabenbühne

Illertissen „Lass mich nachdenken“, sagt Wickie, fasst sich mal links an die Nase und mal rechts, gleichzeitig ertönt ein Jingle und der Geistesblitz stellt sich mit akustischer und visueller Untermalung ein: „Ich glaub, hab’s“, ruft Wickie und erklärt den Männern von Flake die rettende Idee. Mit dem Stück „Mein Freund Wickie“ (Josef Göhlen) hat die Jugend der Schwabenbühne einige der Abenteuer – bekannt aus der Zeichentrickserie – unter Regie von Antonio Lallo und Assistenz von Ralf Ziesche effektvoll in Szene gesetzt. Bühnenbild und Kostümentwurf sind von Nina Lallo, genäht hat Uschi Kreis. Die Premiere war ausverkauft, das Publikum begeistert.

Am liebsten wollte Wickie im heimatlichen Flake bleiben bei seiner Drachenfliegerei, erzählt Spielgefährtin Ylvi eingangs. Gleich darauf folgt Wickies rasanter Auftritt auf einem bunten Holzfahrrad, dann der Start des mit sieben Wikingern besetzten Handelsschiffes, und der Zuschauer sieht sich schon mitten im Geschehen. Denn die Männer mit Wickies Vater Halvar an der Spitze geraten in Gefangenschaft und schicken eine Brieftaube los, um Wickie zu Hilfe zu holen. Tatsächlich hat der kleine Schlaukopf die zündende Idee: Da die feindlichen Isländer alle Bäume beseitigt hatten, damit die Wikinger ihr Schiff nicht ins Meer rollen und ablegen können, werden Drachen gebastelt und es gelingt ihnen der Abflug. Beim Landemanöver sehen sie sich heftigen Windstürmen ausgesetzt, doch Wickie lockt – „put, put, put“ – einen Vogel herbei, um ihm ein Seil zuzuwerfen und landen zu können. Für so viel Einfallsreichtum gibt es Szenenapplaus, der Wickie und die „ehrlichen Händler“ von einem Abenteuer zum nächsten begleitet. In Russland beim selbstherrlichen König Torkel angelangt, bekommen sie keinen Einlass, sondern von den Burgzinnen einen gut gefüllten Nachttopf über ihre Köpfe ausgeleert. Dann der gefräßige bulgarische König, den sie listreich mit einem „Superpatentspeisenaufwärmer“ austricksen. „Ich liebe wallendes Fett“ erklärt dieser und merkt zu spät, dass er gefangen genommen wird. Schließlich nochmals die isländische Königin Thora, die Wickie ebenfalls bei ihrer Selbstgefälligkeit packt, dreifache Windstärke verspricht, aber Juck- und Niespulver in den riesigen Blasebalg schüttet.

Wikingergeschrei kontra Gedankenblitze

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Wieder glücklich zu Hause in Flake, werden sie für ihren Wagemut gelobt, der nicht zuletzt auf den Einfallsreichtum des kleinen Wickie zurückzuführen ist. Darauf ist der bärbeißige Vater mit seiner wilden Haarpracht mächtig stolz. Im Gegensatz zum jeweils furchterregenden Wikingergeschrei „ho, ho, ho“ setzt der zierliche Häuptlingssohn lieber seinen Denkapparat in Bewegung. Wie ein Leitfaden durchziehen seine Gedankenblitze – „ich glaub, mir fällt da etwas ein“ – das Bühnengeschehen, wobei die vom Feuerknall aufsteigenden Dampfwolken an Sprechblasen erinnern und somit die Comic-Szenerie bildhaft ergänzen. Vieles beim Bühnenbild ist zweidimensional gehalten, insbesondere das, samt bewaffneter Insassen genial konzipierte mobile Wikingerschiff mit Trommler als Galionsfigur und Heck.

Seine Inszenierung lebe vom „jugendlichen Charme der Darsteller“, hatte Regisseur Lallo gesagt. Doch er verhilft ihnen dazu, den Charme auszuspielen zwischen einer zweidimensionalen Welt mit grellen Farben und Aussagen, die in Sprechblasen passen, und der anderen des traditionellen Theaters, wo es gilt, Charaktere auszuspielen, die durch alle Effekte hindurchscheinen.

Auf tolle Licht- und Toneffekte darf sich der Besucher somit freuen, wofür Wolfgang Tupeit, Manfred Trunk und Harald Obst mit kopfbeweglichen Scheinwerfern und eigenen Wikinger-Songs sorgen. Auf schauspielerische ebenso. Etwa, wenn Gorm wiederholt ruft „ich bin entzückt“ und dabei einen Luftsprung macht. Nicht zuletzt aber Wickie selbst, der gestenreich zeigt, dass mit Köpfchen mehr zu erreichen ist als mit Gewalt.

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