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Memmingen

06.12.2019

Schlepperdemo: Tausende Landwirte protestieren in Memmingen

Mehr als 4000 Landwirte nahmen am Donnerstagabend in Memmingen an einer Protestaktion teil. Sie kamen mit etwa 3000 Traktoren in die Maustadt, schätzt die Polizei.
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Mehr als 4000 Landwirte nahmen am Donnerstagabend in Memmingen an einer Protestaktion teil. Sie kamen mit etwa 3000 Traktoren in die Maustadt, schätzt die Polizei.

Zur Schlepperdemo nach Memmingen kommen Landwirte mit etwa 3000 Traktoren. Das große Verkehrschaos bleibt aber aus.

Tausende Traktoren sind am Donnerstagabend in Memmingen Reifen an Reifen, Dreieckskupplung an Anhängemaul gestanden. Rote, graue und blaue Schlepper – aber vor allem grüne und vor allem mit roten Felgen. Die Bauernbewegung „Land schafft Verbindung“ hatte zu einer Protestveranstaltung eingeladen, um auf die Missstände in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Mehr als 4000 Menschen in etwa 3000 Schleppern folgen dem Aufruf, schätzt die Polizei.

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Die ersten Traktoren kommen gegen 15 Uhr in der Stadt an. Für die Mitglieder der Feuerwehr ist das das Startsignal, den Tiroler Ring zu sperren. Den dürfen in Richtung Süden fortan nur noch Traktoren befahren, keine Autos mehr.

Zur Feierabendzeit ist es dadurch ungewohnt leer auf einer der meistbefahrenen Straßen Memmingens. Mal rattert ein einsamer Fendt vorbei, mal eine ganze Kolonne von Traktoren lautstark hupend. Teilweise hängen Schilder an den Frontladern. „Wir haben genug“ steht darauf – oder mit Bezug auf die Klimaaktivisten von Fridays for Future: „no Farmers, no Food, no Future“. Immer neue Verordnungen und Regelungen machen Landwirtschaft unrentabel, wenn nicht sogar unmöglich, beklagen die Landwirte.

Schlepperdemo: Tausende Landwirte protestieren in Memmingen

Obstbauer Michael Katzenmaier ist mit seinem Schmalspurtraktor – dass Fahrzeug ist so gebaut, dass es auf Plantagen zwischen Obstbäumen durchpasst – aus Friedrichshafen angereist. Mit etwa 20 Traktoren seien sie am Bodensee gestartet, viereinhalb Stunden später und in einer Kolonne von etwa 150 Fahrzeugen kamen sie in Memmingen an. „Dann haben wir noch eine Stunde gebraucht, bis wir einen Parkplatz hatten“, sagt er. Als Obstbauer sei er auf Pflanzenschutzmittel angewiesen, für die jedch immer strengere Auflagen gelten – deshalb sei er heute da, erklärt er.

Mit Schildern und grünen Kreuzen machten die Landwirte auf die Probleme ihrer Branche aufmerksam.
Bild: Ralf Lienert

Am frühen Abend zieht Nebel im Memminger Süden auf. Die Luft riecht nach dem Diesel der zahlreichen Traktoren, die inzwischen auf den gefrorenen Wiesen entlang des Tiroler Rings stehen. Aber noch immer rollen weitere Mitstreiter mit in ihren großen Maschinen zur Baywa. Dort haben die Organisatoren eine kleine Bühne aufgebaut. Für die Demonstranten gibt es dort Bier und Bratwurst, einige haben Glühwein eingepackt.

Man warte noch auf die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, verkündet ein Sprecher der Bewegung. „Die traut sich eh nicht“, raunt ein Zuhörer. Keine drei Minuten später steht die CSU-Politikerin auf der Bühne. Sie verstehe die Probleme, sagt sie. „Man tut so als wären Ställe aus Playmobil, bei denen man heute was hin- und morgen was wegbauen kann.“ Verhaltener Applaus. Richtig laut wird es allerdings, als die Ministerin verkündet, dass an diesem Abend tatsächlich 3000 Schlepper nach Memmingen gekommen sind.

Vor einer Woche gingen die Veranstalter noch von etwa 300 Fahrzeugen aus, vor einem Tag von immerhin 1500. Eine große Herausforderung für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Stadt. „Das geht nur, wenn man an einem Strang zieht“, sagt Jochen Glaser von der Polizei. Mit dem Ablauf ist er zufrieden. „Die Anfahrtswege waren zwar dicht, aber der Verkehr ist nicht zusammengebrochen.“

Lesen Sie außerdem: Bauernproteste: In fünf Stunden mit dem Traktor nach München

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