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Geschichte

07.07.2017

Schloss-Brunnen steht nun im Dorf

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3 Bilder
Das Freiherrnwappen der Familie von Ponickau an den Brunnenwänden.

Im Zuge der Straßenrenovierung findet sich in Osterberg Platz für das historische Stück. Der Gartenbauverein löst damit ein 22 Jahre altes Versprechen ein

Jahrelang fristete er ein ungewisses Dasein in einer Ecke der gemeindlichen Kläranlage – der gusseiserne Brunnen aus dem Jahr 1875, der einst auf dem Schlosshof in Osterberg stand. Nun bekommt das Erinnerungsstück an glänzende Feste, die oft im Beisein des ganzen Dorfes gefeiert wurden, nach 22 Jahren mitten im Ort auf öffentlichem Grund einen würdigen Platz.

Denn das war die Bedingung, unter der das Auktionshaus Nagel in Stuttgart im Jahr 1995 bei der Versteigerung des Schlossinventars den Brunnen letztlich dem Gartenbauverein Osterberg-Weiler geschenkt hat. Inge Magel, die Vorsitzende, und ihr Stellvertreter Winfried Käufler waren einer Meinung, „der Brunnen soll im Ort bleiben“. „Im Versteigerungskatalog war er mit 5000 D-Mark aufgeführt“, so Magel, „aber im Vorstand waren nur 2500 D-Mark bewilligt worden.“ Die Vorsitzende konnte an der Versteigerung nicht teilnehmen und hatte ihren Mann, Bürgermeister Ferdinand Magel, dazu bevollmächtigt. Er bewies Verhandlungsgeschick und erwarb den Brunnen für 2500 D-Mark für den Verein. Mit dem Auktionshaus war zu reden, die verbleibenden Kosten trug es selbst. Aber es folgte noch eine Überraschung: Das Auktionshaus hatte offenbar gute Geschäfte gemacht und wollte den Brunnen dem Verein ganz und gar schenken – vorausgesetzt, es erhalte eine Spendenbescheinigung und der Brunnen werde für die Allgemeinheit auf öffentlichem Grund aufgestellt. Der Schriftverkehr mit der Gemeinde als Vermittlerin für Rücküberweisung von 2500 D-Mark und Quittung liegt Inge Magel noch vor. Mangels angemessener Aufstellmöglichkeit wurde der zerlegte Brunnen in der Kläranlage zwischengelagert, wohlwissend um den Auftrag, für ihn einen würdigen Platz zu finden.

Die Suche dauerte, bis im Zuge der Hauptstraßenrenovierung die Insel an der Abbiegung nach Babenhausen weichen musste. Dadurch wurde der Bürgersteig beim ehemaligen Raiffeisengebäude um einen beträchtlichen Seitenstreifen breiter. Wie Zweiter Bürgermeister Alexander Hruschka sagt, sei die so gewonnene öffentliche Fläche in den Leitungs- und Kanalbau mit einbezogen worden, sodass ein Brunnen angeschlossen werden kann.

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Zwischenzeitlich hatte aber auch die Raiffeisenfiliale geschlossen und das Gebäude samt dahinter liegendem Platz wurde von der Gemeinde gekauft. Damit hat die Kommune unerwartet weiteren Gestaltungsraum gewonnen – und in den Augen einiger Bürger auch einen alternativen, sogar besseren Standort für den Schloss-Brunnen. Bürgermeister Rainer Schmalle hält dagegen, dass der Platz nicht erschlossen ist. Ein mittendrin stehender Brunnen würde zudem die Nutzung, etwa für das Sommerfest der Musiker, schmälern. Schmalle: „Da die Gemeinde von Landratsamt und Bürgern zum strikten Sparen angehalten wurde, widmen wir uns den Pflichtaufgaben.“ Nur die Materialkosten werden bezahlt. Zudem respektiere er die Entscheidung des Gartenbauvereins als Eigentümer, dessen Vorstand den Platz an der Straßenecke favorisiere und das Aufstellen ehrenamtlich bewerkstellige. Vorsitzender Manfred Weiser sagt: „Mir gefällt der Standort so oder so besser, der Brunnen bekommt einen prominenten Platz und ist von allen Seiten zu sehen.“ Es sollen auch eine Linde und eine Bank dazukommen, so Weiser. Zur Straße hin gebe es eine Abgrenzung mit Pflanzen.

Inzwischen ist der Brunnen aufwendig renoviert worden. Dabei konnten Manfred Weiser und Josef Kehrer als die Hauptakteure auf die Unterstützung weiterer Helfer zählen. Mit Bulldog und Anhänger transportierte Josef Weh das gute Stück nach Weiler in die Scheune von Helmut Bürzle, wo ihn dieser mit Kunststoff auskleidete. Es waren Löcher zu stopfen, Schweißarbeiten zu verrichten und die Außenseite einheitlich anthrazit-grau zu streichen. Christoph Buschhüter hat die Betonfundamente gesetzt, engagiert haben sich auch Rainer Möst und Bernhard Kehrer. Heinrich Feiler kümmert sich um die Trinkwasserzufuhr vom alten Bankgebäude und neuen Rathaus. Hruschka wird den Wasserfluss über eine sogenannte intelligente Schaltung regeln. Weiser hat einen passenden Wasserspeier besorgt, denn das Original war im Versteigerungskatalog nicht aufgeführt. Inge Magel besitzt alte Aufnahmen, sodass eventuell einmal eine Reproduktion denkbar ist.

Für den Brunnen dürfte es nicht der erste Umzug sein, denn Magel kennt Bilder, die ihn einmal vor dem Amtshaus des Schlosses und dann direkt im Schlosshof zeigen. Mit dem heutigen Standort hat sich Osterberg ein Stück Historie ins Dorf geholt, denn seit Verkauf des Schlosses im Jahr 1997 ist es nicht mehr zugänglich wie zu Zeiten des Baron Dieter von Malsen-Ponickau.

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