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Babenhausen

20.07.2020

Schlossareal: Was die Babenhauser von Graf Fugger wissen wollen

Im Brauereihof des Schlossareals informierten sich 200 Besucher über die Pläne für das Babenhauser Wahrzeichen. Reinhold Jungwirth, Leiter der Kita Guter Hirte, Bürgermeister Otto Göppel, Alexander Graf Fugger und Architekt Christian Brückner (vorne von links) standen Rede und Antwort.
Bild: Rebekka Jakob

Plus Das fürstliche Haus stellt den Bürgern seine Pläne für das Schlossareal in Babenhausen vor. Alexander Graf Fugger spricht von einer Generationenaufgabe.

Fast war es wie bei einer Freiluft-Aufführung: Stuhlreihen im Brauereihof des Babenhauser Schlossgeländes vor der Rampe der ehemaligen Brauerei als improvisierter Bühne. Und vielleicht wird es auch in nicht allzu ferner Zukunft so sein, dass hier Theater und Konzerte zu erleben sein werden. Alexander Graf Fugger und Architekt Christian Brückner stellten den 200 Babenhausern, die sich die im Nu vergriffenen Tickets für den Abend gesichert hatten, die Planungen vor und standen offen Rede und Antwort. Der Wunsch des Grafen: „Wenn Sie heute Abend nach Hause gehen, können Sie sich hoffentlich vorstellen, wie wir hier eines Tages gemeinsam feiern können.“

Was kostet der Umbau des Schlossareals?

Brennend interessiert die Babenhauser natürlich, wie viel das ganze Vorhaben kosten wird – und welche finanziellen Risiken auf die Marktgemeinde zukommen könnten. Für das Langschloss seien bereits Fördermittel aus unterschiedlichen Töpfen des Denkmalschutzes zugesagt, so Alexander Graf Fugger. „Den Rest finanzieren wir als Bauherren selbst.“ Weitere 9,5 Millionen Euro sind, wie berichtet, für den Umbau der ehemaligen Ökonomiegebäude zur Kindertagesstätte vorgesehen. Durch hohe Zuschüsse und Förderungen sei der Bau aber wirtschaftlicher als ein Neubau auf der grünen Wiese – und damit auch das Niveau der Mietkosten für die Gemeinde geringer. Auf 40 Jahre laufe der Mietvertrag, so Bürgermeister Otto Göppel auf eine entsprechende Frage. „Ich bin mir sicher, dass sich danach mit dem Haus Fugger eine Vereinbarung für die Verlängerung schließen lassen wird.“

Wie ist der Zeitplan für das Schlossareal?

Wie schnell lässt sich das alles realisieren? Immerhin hatte Fugger von einer „Generationenaufgabe“ gesprochen, um die es hier gehe. „Das Gerüst am Langschloss steht innerhalb 48 Stunden.“ Heuer noch könne der erste Teil der Dachsanierung klappen. Für den Kindergarten sei alles startklar, die Abrissfirma „steht Gewehr bei Fuß“ um das ehemalige Sudhaus abzubrechen. Als Baubeginn wurde das Frühjahr 2021 angepeilt.

Wer trägt das Risiko - das fürstliche Haus oder die Marktgemeinde?

Eine klare Antwort lieferte Alexander Graf Fugger auf die Frage eines Babenhausers, wer denn das Risiko trage, wenn der Bau des Kindergartens teurer werde als geplant: „Ich. Ich trage das Risiko.“ Zwar seien Kita-Leiter Jungwirth und sein Team eng in die Gestaltung des Innenausbaus eingebunden, die Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde sei intensiv. „Aber am Ende sind wir als Bauherren und Vermieter für alle Punkte verantwortlich.“

Wird der Schlosspark zugänglicher gemacht?

Werden auch die Freiflächen und der Schlosspark künftig mehr für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht? Diese Frage interessierte eine Zuschauerin besonders. Ja, sagt Alexander Graf Fugger. Er könne sich vorstellen, das Areal künftig verstärkt für Veranstaltungen zu nutzen, beispielsweise wäre ein Weihnachtsmarkt möglich. Viel verändern soll sich dort nicht. „Mit der optischen Nähe zum Schloss und dem Park ist die Freifläche ein toller Bereich, den wir landschaftsarchitektonisch gar nicht besonders gestalten wollen.“

Muss für den Zehentstadel wirklich ein eigenes Vergabeverfahren sein?

Architekt Christian Brückner hatte mit viel Begeisterung die Herangehensweise geschildert, mit der er und sein Bruder gemeinsam mit ihrem Team Projekte wie das in Babenhausen angehen. Das Büro von Christian und Peter Brückner (Tirschenreuth und Würzburg) zeichnet für die Planungen von Langschloss und Kindergarten verantwortlich. Müsse man da wirklich für den Zehentstadel ein eigenes Vergabeverfahren starten – oder sei es nicht besser, alle Teile des Schlossareals aus einer Hand planen zu lassen? Rechtlich sei es nicht möglich, informierte Bürgermeister Otto Göppel. „Wir müssen die Ausschreibung machen.“ Er sei sich aber sicher, dass die Architekten Brückner an dem Wettbewerb teilnähmen – und damit auch diesen Auftrag erhalten könnten.

Wie wird das Langschloss künftig genutzt?

Der in Babenhausen lebende Künstler Adi Hösle wollte wissen, wie genau das Langschloss nach dem Umbau genutzt werden wird. Alexander Graf Fugger sprach die gewaltige Kubatur des Schlosses an, hinter der sich aber im Vergleich wenig nutzbare Fläche verbergen. „Da sind diese tollen Räume, der schöne Stuck, und dazwischen ein breiter, langer Gang.“ Für eine klassische Wohnnutzung seien die Räume nicht geeignet – allein schon durch das Fehlen von Balkonen. Dafür seien hier „spannende Büroräume“ möglich. Im Block der ehemaligen Brauerei kann sich das Haus Fugger mittelfristig ein Hotel und eine Gastronomie vorstellen. Entsteht da ein Interessenskonflikt zwischen Hotelgästen und den nebenan spielenden Kita-Kindern? Fugger findet: nein. „Kinderlärm hat eine positive Energie. Und wenn jemand das nicht mag, muss er eben ein anderes Hotel finden.“ Kita-Leiter Reinhold Jungwirth ergänzte seine eigenen Erfahrungen als Anwohner an der B300. „Mich stören Lkw um halb sechs mehr als die Nachbarschaft, die Fußball spielt.“

Werden die Babenhauser für das Projekt kämpfen?

Zuspruch kam aus den Reihen der Zuhörer auch für Grünen-Politikerin Claudia Roth: Sie hatte kürzlich in einem Interview mit unserer Redaktion angemahnt: "Babenhausen verkauft sich unter Wert"Damit habe die aus der Marktgemeinde stammende Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags absolut recht, meldete sich ein Babenhauser zu Wort. Er mache mit seiner Familie häufig Urlaub in Deutschland. „Überall, wo es ein Kloster, eine Burg, ein Schloss gibt, wird etwas daraus gemacht. Es gibt nur einen Ort in Deutschland, wo nichts draus gemacht wird – außer einer Postkarte beim Dilger.“ Der 58-Jährige erinnerte an das rote Fähnlein als Teil der Ortsgeschichte in den Bauernkriegen. „Sie haben für eine Sache gekämpft – das sollten die Babenhauser jetzt auch tun und für diese Sache kämpfen.“

Damit erntete er nicht nur Applaus aus der Zuhörerschaft – sondern auch die Sympathie von Alexander Graf Fugger. Der sagte nur so viel: „Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu.“ Informationen über das Haus Fugger gibt es hier.

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