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Illertissen

24.05.2019

Schulhofschlägerei in Illertissen: Das sagen die Eltern eines Jugendlichen

Nach der Schulfhofschlägerei in Illertissen melden sich Angehörige zu Wort. Zwei Buben wurden schwer verletzt.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Was der Vater eines beteiligten 16-Jährigen nach der heftigen Prügelei an der Illertisser Mittelschule bedauert - und was er abstreitet.

Heftig sei es zugegangen, sagt der Mann mit dem dunkeln Haar. Mehrmals sei auf seinen am Boden liegenden Sohn eingeschlagen und eingetreten worden. Die Folgen: unter anderem ein Nasenbruch, Prellungen, Gehirnerschütterung sowie eine Knieverletzung. Seitdem müsse der Teenager eine Brille tragen, weil sein Sehvermögen eingeschränkt sei, so der Vater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er ist immer noch sichtlich schockiert von der Attacke auf seinen 16-jährigen Sohn, der blutüberströmt auf dem Pausenhof gelegen sei. Hier die Vorgeschichte: Polizei ermittelt nach Schulhofschlägerei in Illertissen

Wie berichtet, hatten sich Ende März mehrere Buben auf dem Areal der Illertisser Erhard-Vöhlin-Mittelschule geprügelt. Zwei Jungen wurden schwer verletzt – einer davon ist der Sohn des Mannes, der sich nun an unsere Redaktion gewandt hat. Sechs Kinder und Jugendliche waren in die Schlägerei verwickelt. Später mussten vier Beteiligte die Schule verlassen. Das entschied der Disziplinarausschuss. Die Hintergründe kennen nach wie vor nur die Jungen – allerdings sprach etwa Flüchtlingshelferin Christl Zepp aus Altenstadt von einem „ethnischen Konflikt“ zwischen Kurden und Türken.

Das stimme so aber nicht, betont nun der Vater des Teenagers, der nach der Prügelei fünf Tage im Krankenhaus behandelt werden musste. Es seien türkischstämmige Deutsche und syrische Flüchtlinge sowie ein osteuropäischer Migrant an der Schlägerei beteiligt gewesen, sagt er. Die syrischen Buben hätten die beiden Zehntklässler provoziert, so habe sich alles hochgeschaukelt. Dann sei einer der Migranten ausgerastet und habe auf seinen 16-jährigen Sohn eingeschlagen. Von den Beleidigungen, die auf Seiten der türkischstämmigen Jugendlichen gefallen sein sollen, wisse er nichts. Er spricht jedoch von schiefen Blicken, die sich die Jungs zuvor zugeworfen haben sollen, und Pöbeleien.

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Entschuldigt habe sich keiner bei ihm oder seinem Sohn. „Man hätte mich aufsuchen können, um zu klären, was da vorgefallen ist“, sagt er. Doch niemand sei auf seine Familie zugekommen. Auch nicht Christl Zepp. Sie betreut teilweise die beteiligten Siebtklässler und deren Familien. Dass sie sich nicht gemeldet habe, bedauere der Mann. Die Buben müssten doch zu ihren Fehlern stehen.

Keiner habe sich bei dem Schwerverletzten entschuldigt

Zepp indes sagt, dass sich ein Angehöriger entschuldigt habe. Und sie bestätigt, dass es sich um syrische Buben handelt, die „aber Wert auf ihre kurdische Abstammung legen“. Deswegen spreche sie von Kurden.

Die Flüchtlingshelferin hat Widerspruch gegen die Entscheidung der Schule eingelegt, welche die vier Siebtklässler der Einrichtung verwiesen hatte. Sie könne nicht nachvollziehen, dass zwei der Jungen wieder nach Vöhringen geschickt wurden – von dieser Schule seien sie schließlich gekommen. Und Zepp sprach von Ungerechtigkeit, weil die Zehntklässler bisher nicht belangt worden seien.

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Thomas Pelikan, Rektor der Vöhringer Uli-Wieland-Mittelschule, stellt sich hingegen hinter die Entschluss seiner Illertisser Amtskollegin. „Entscheidungen im Disziplinarausschuss werden nach eigenen Erfahrungen erst nach sorgfältiger Klärung der Sachlage und intensiven Diskussionen gefällt“, teilt er mit. Es sei nicht angebracht, der Illertisser Schulleitung Ungerechtigkeit vorzuwerfen. Außerdem könne nie ausgeschlossen werden, dass es an einer Schule, die rund 400 Kinder und Jugendliche besuchen, zu Auseinandersetzungen kommen kann. Das Ausmaß dieser Schlägerei sei natürlich ein Einzelfall. Der Rektor hebt aber auch hervor, dass die Bildungseinrichtungen einiges unternehmen, damit solche Dinge nicht passieren. „Dieses Positive muss man genauso im Blick behalten.“ Pelikan sei sich sicher, dass sich alle an der Illertisser Mittelschule verantwortlichen Tätigen darum kümmern, dass Meinungsverschiedenheiten friedlich gelöst werden.

Laut Polizei war es kein Konflikt zwischen Kurden und Türken

Im Illertisser Fall half jedoch auch das gute Zureden einer Lehrkraft nichts gegen die wenig später ausartende Schlägerei. Ermittelt wird laut Alexander Kurfürst, Sprecher der Illertisser Polizeiinspektion, wegen gefährlicher Körperverletzung. „Die Qualität der Tat ist unbestritten.“ Ein Konflikt, der so heftig ausgetragen wird, sei keine normale Schulhofschlägerei mehr. Aber Kurfürst betont noch ein anderen Aspekt: Jenen, dass es sich nicht um einen ethnischen Konflikt gehandelt habe. „Wir gehen davon aus, dass es eine längere Geschichte ist, die hinter den Personengruppen steckt.“ Da habe sich etwas aufgestaut. „Was sie dazu geführt hat, dass so auf die Spitze zu treiben, ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Es habe aber nichts mit einem Streit zwischen Türken und Kurden zu tun. Klar sei auch, dass beide Seiten zur Eskalation beigetragen haben. Eine Waffe wurde laut Kurfürst nicht eingesetzt. Das hatte der Vater des schwer verletzten Buben behauptet. Das könnte Sie auch interessieren: Der Wolf aus dem Illertal ist ein Hund

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