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Weißenhorn/Illertissen

14.05.2017

Schwabengilde feiert mit Promi und Professor

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Hohe Auszeichnungen bei der Schwabengilde: Meisterin Maria Störk ernannte Arno Eustachio (Zweiter von Rechts) und Peter Semmlin zu Ehren-Poeten. Mit dabei war Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel – er ist das einzige noch lebende Gründungsmitglied der Matzenhofer Poeten.
Bild: Regina Langhans

Die Matzenhofer Poeten begehen ihr 40-jähriges Bestehen. Dabei widmeten sie sich ganz ihrer Heimatsprache.

Der Festakt im Historischen Stadttheater in Weißenhorn hat eine Stunde gedauert – der Sektempfang der Matzehofer Schwabengilde anlässlich ihres 40 Geburtstags vorab und das „Schwätzle bei Butterbrezga“ und Drehorgelklang (Sofie Blum) danach mindestens doppelt so lang. Schließlich ist den Poeten am Gebrauch der schwäbischen Sprache gelegen. Und den pflegten sie in stilvollem Ambiente, teils in festlicher Tracht, etwa mit dem prominenten und einzigen noch lebenden Gründungsmitglied, Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel. Und auch mit Professor Wolf von der Philologisch-historischen Fakultät der Universität Augsburg.

Als Waigel – gebürtig aus Oberrohr bei Krumbach – vor 40 Jahren in Matzenhofen mit zwölf weiteren Mundartfreunden die Gilde gründete, habe er sich anschließend gedacht: „Mei, noch so ein Verein, hat das jetzt sein müssen…“ Heute bemisst er den Stellenwert seiner Heimatsprache aus dem Blickwinkel des weitgereisten Politikers. Seine Laudatio begann er mit einer häufig gehörten Begrüßung: „Bischd au do?“, was für den Schwaben über die reine Feststellung hinaus so viel heiße wie: „Wo warst du, wie geht es dir, was machst du?“ Am Beispiel von Anekdoten stellte er die Besonderheiten der schwäbischen Sprache und ihrer Vertreter dar. Schwierig sei einmal gewesen, einer Frau beim Regeln ihrer letzten Dinge zu helfen. Seine Frage nach dem Vermögen wurde beantwortet mit „it viel“ und als er sich erkundigte, ob sie noch laufen könne, hieß es: „nemme weit“.

Als Waigel auf einem Staatsbesuch in Israel war, machte ihn die Aussprache eines Begleiters stutzig. Auf Nachfrage erfuhr er, dass dieser direkt aus dem Nachbarort seines Heimatorts stammte, wobei der Schwabe ungläubig gefragt habe: „Ja, hert ma des?“ Waigel wusste Verbindungen zu Literatur und Geschichte aufzuzeigen, darunter die originelle Geschichte von den Krumbacher Sautreibern. Ihnen verdanke die Stadt ihren Ruf vom „Klein-Paris“, denn die Viehzüchter sollen ihre Tiere bis nach Paris geschafft haben, wo die Nachfrage nach Lebensmitteln immer groß war. „Vor ihrer Rückkehr“, so Waigel, „haben die Bauern für ihre Frauen Kleider, Hüte und Bänder eingekauft, welche dann in Krumbach getragen wurden“.

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Professor Wolf, zugleich Vorsitzender des Vereins Literaturschloss Edelstetten, äußerte respektvoll gegenüber den Gastgebern: „Wir als die Jüngeren sind dankbar dafür, mit der Schwabengilde kooperieren zu dürfen.“ Sie zeige, dass die schwäbische Mundartdichtung seit dem in Weißenhorn geborenen Barockschriftsteller und Prämonstratenser Sebastian Sailer (1714 bis 1777) eine Erfolgsgeschichte ist. „Dessen ,Schwäbische Schöpfung‘ wurde von Dichtern wie Wolfgang Goethe geschätzt.“ Wolf zitierte auch den 1927 in Wasserburg am Bodensee geborenen zeitgenössischen Dichter Martin Walser, der „die Mundart als die Goldwährung der deutschen Sprache“ bezeichnet habe. Daher sollen die Matzenhofer in den Digitalen Literaturatlas von Bayerisch Schwaben aufgenommen werden, mit einem Link zum neuen Poetenweg. Für den Dialektforscher stehen Mundart und moderne Formate wie „Poetry Slam“ als Dichterwettstreit nicht im Widerspruch. Bürgermeister Wolfgang Fendt ergänzte: „Wo ich mitreden kann, ist meine Heimat, darauf gründe ich mein Selbstverständnis.“ Er nannte die Matzenhofer Gilde eine „Hüterin des Schwäbischen“.

Als Gildemeisterin erinnerte Maria Störck an das Ziel, „der schwäbischen Kultur mit ihrer Sprache und Musik eine Plattform zu geben“. Für verdienstvolle Arbeit im Vorstand ernannte sie Peter Semmlin aus Illertissen und Arno Eustachio zu Ehren-Poeten. Semmlin, der die Urkunden gemalt hat, bedankte sich standesgemäß: „Kaum oinr hält des für v’rkehrt, wenn ma ean mol b’sonders ehrt..., (doch) ’s gäb Andre, moint ma no galant, dia des viel mehr v’rdeanat hant.“

Bei dem fest gab es viele humorvollen Gedichte und schwäbischen Witz zu erleben, wobei Werner Weltle als geübter Theatermusiker am Klavier umrahmte und auch singend zum Akkordeon griff. Zum krönenden Abschluss maßen sich Weltle und Dichterkollege German Schwehr in einem köstlich anzuhörenden Wortgefecht: „Ob ebber ebbes g’sait hott ...“

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