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Vöhringen

28.10.2015

Schwäbisch ist seine Passion

Textbuch lesen gehört mit zu den Aufgaben von Edmund Klingler, der seit gut einem Dutzend Jahren den Verein MundArt-Theater in Illerzell leitet.
Bild: Ursula Katharina Balken

Seit gut zwölf Jahren leitet Edmund Klingler die Illerzeller Theatergruppe MundArt. Er ist nicht nur Vereinsmanager und „Mädchen für alles“ – sondern will auch etwas für die Sprache tun.

Alle Jahre wieder freuen sich die treuen Theaterfans auf den November. Denn dann ist Theaterzeit im Illerzeller Gasthaus Zum Brückle. In mehreren Einaktern werden „d’ Leut‘“ auf die Schippe genommen. Dann amüsiert sich das Publikum im Saal, wo kein Platz mehr bleibt, über den Pfarrer, der es mit der Wahrheit mal nicht ganz so genau nimmt, über die Frauen, die der Putzteufel plagt, und über das unerschöpfliche Thema Männer. Aber was so locker, leicht und höchst amüsant über die Bühne geht, ist das Ergebnis harter Probenarbeit, die im Grunde schon im Sommer beginnt.

Edmund Klingler wurde es durchaus nicht an der Wiege gesungen, dass er einmal einen Theaterverein leiten würde, wenngleich das Theaterspiel schon immer eine stille Leidenschaft von ihm war. Besucher können sich von seinem Talent auch bei den heurigen Theatertagen überzeugen. Zu sehen sein wird er als Bürgermeister, der Streit mit seinem mit allen Wassern gewaschenen Amtsboten hat. „Die besten Ideen kommen mir beim Angeln, da sitze ich mit Hans-Peter Span in einem Boot und wir sinnieren, was bringen wir als Nächstes auf die Bühne.“

Klingler ist gelernter Heizungsbauer, brachte es auf dem zweiten Bildungsweg zum Techniker, absolvierte Meisterausbildungen und kann sich jetzt Betriebswirt des Handwerks nennen. Seit 1981 arbeitet der jetzt 60-Jährige bei den Wieland-Werken, die er als seine „Arbeitsheimat“ bezeichnet. Seine Aufgabe ist seit 2003, Kunden in Bayern und Baden-Württemberg zu betreuen, vornehmlich im kaufmännisch-technischen Bereich. Dabei kommt ihm seine Ausbildung als Heizungsbauer zugute. Er weiß bei den Kunden, wovon er spricht.

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Klingler ist ein Ur-Zellemer, „auf dem Sofa bei der Oma geboren“, sagt er und lacht. Zum Theaterspielen kam er mehr durch Zufall. Eine gute Bekannte sprach ihn an, ob man nicht mal zusammen einen Sketch à la Hannes und der Bürgermeister spielen könne, den Sendungen aus dem Fernsehen nachempfunden. Da war Edmund Klingler gleich dabei. „Das hat mir so viel Freude bereitet, dass ich dem Angebot von Hans-Peter Span, der sich im Illerzeller Theater schon immer stark engagiert hat, nicht widerstehen konnte.“ Klingler trat der Gruppe im Jahr 2000 bei. 1998 war das MundArt-Theater offiziell gegründet worden. Drei Jahre später war Klingler Vorsitzender.

Fragt man ihn, was seine speziellen Aufgaben sind, antwortet er trocken: „Ich bin Mädchen für alles.“ Er liest Textbücher, seine Stimme hat Gewicht, wenn es um die Auswahl der Stücke geht – was meist in Teamarbeit geschieht –, er hat die Jugendarbeit im Blick, die vor Ort von Nici Habres und Ute Hieber geleitet wird, und ist über die jugendliche Truppe „Bühnenwusel“ mehr als erfreut. „Es geht ja nicht nur um einen selbst und darum, den Zuschauern Spaß zu bereiten. Uns ist es auch ein Anliegen, unsere schwäbische Sprache zu erhalten. Das ist schließlich ein Stück Kultur.“

Ausgewählt werden die Stücke nach bestimmten Kriterien. Es müssen lustige Einakter sein, ein wenig Klamauk ist erlaubt. „Aber wir müssen für die Aufführungsrechte Tantiemen bezahlen“, sagt Klingler. Da geht es dann um die Zuschauerzahlen und die Zahl der Aufführungen. „Es gibt bewährte Verlage, auf die wir bei der Stoffsuche immer wieder zurückgreifen können.“ Über den Eintrittspreis werden die Requisiten, Tantiemen und die jeweiligen Musikgruppen finanziert. Meist gibt es für die Musik ein Bier oder auch zwei, ein Essen und ein kleines Honorar in bar. Als Beispiel, wie viel eine Aufführung kosten kann, nennt Klingler die Jugendbühne „Bühnenwusel“. Da fielen für eine Aufführung an die 1000 Euro an. „Da hilft dann der Hauptverein, weil das auch Nachwuchsförderung ist.“

Der Kartenvorverkauf läuft nach einem bestimmten Ritual, „das ist notwendig, weil sonst die, die zuerst anstanden, die besten Plätze hatten“. Seit 2012 gibt es nummerierte Plätze. „Bei uns wurden sogar Unterschriften gesammelt, die Kartenvergabe anders zu regeln.“ Deshalb gibt es nun ein Wochenende im Gasthaus, weit vor den Aufführungsterminen, an dem Karten verkauft werden. Seit 2012 geht das ganz entspannt zu. Und selbstverständlich gehört Edmund Klingler zu den Verkäufern. 90 Prozent der Karten gehen an zwei Tagen an die Zuschauer, der Rest ist dann noch bei der VR-Bank zu haben.

Edmund Klingler ist nicht nur Manager, er steht auch selbst auf der Bühne. Dem Auftritt fiebert er entgegen. „Klar, ich hab‘ auch Lampenfieber. Aber wenn die ersten Sätze ohne Versprecher über die Lippen kommen, dann hat man so ein prickelndes Gefühl und gibt dann alles. Man spürt, wenn der Funken im Publikum angekommen ist. Dann wird alles gut.“

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