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Babenhausen/Egg

04.04.2019

Sexualdelikte im Unterallgäu: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat nach den Verbrechen in Egg und Babenhausen Anklage erhoben.
Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Plus Nach den drei Sexualdelikten in Babenhausen und Egg sitzt der Angeschuldigte weiterhin in Untersuchungshaft. Was dem Mann vorgeworfen wird.

Vor einem Vierteljahr haben drei schreckliche Ereignisse die Region erschüttert: Ein Mann verging sich in Egg an der Günz und in Babenhausen an drei Frauen. Ein zu diesem Zeitpunkt 25-jähriger Eritreer sitzt seither in Untersuchungshaft. Nun hat die Staatsanwaltschaft Memmingen Anklage erhoben. Dem Mann werden zwei Vergewaltigungen mit Körperverletzung und eine sexuelle Nötigung mit gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt.

Was im Dezember geschehen ist: An einem Montagabend verging sich ein Fahrradfahrer an einer Spaziergängerin, die auf einem Weg bei Egg mit ihrem Hund unterwegs war. Er flüchtete. Die Polizei leitete nach eigenen Angaben umfangreiche Fahndungsmaßnahmen ein, die jedoch zunächst erfolglos blieben. Mit einer Pressemitteilung zu dem Vorfall ging die Polizei zwei Tage später, am Mittwochnachmittag, an die Öffentlichkeit. Noch am selben Abend ereigneten sich zwei weitere sexuelle Übergriffe wenige Kilometer vom ersten Tatort entfernt: am Babenhauser Rothdachweiher, in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern. Eine Frau, die ebenfalls mit einem Hund Gassi ging, wurde von einem Mann in deren Auto gedrängt. Dort kam es zum sexuellen Übergriff. Das Opfer konnte sich befreien und nach Hause fahren, wo es die Polizei verständigte. Der Peiniger flüchtete.

Kurze Zeit später erreichte die Polizei ein weiterer Notruf: Ein Mann teilte mit, eine verletzte Frau gefunden zu haben. Wie sich herausstellte, hatte ein Mann die dritte Frau in eine Umkleidekabine am Ufer des Weihers gezerrt. Sie wehrte sich mit einer Schere, die sie zufällig dabei hatte. Auch sie selbst erlitt dabei schwere Verletzungen. Als ein unbeteiligter Mann hinzukam, rannte der Angreifer davon. Die Polizei nahm noch am selben Abend den 25 Jahre alten Eritreer fest, der in allen drei Fällen als dringend tatverdächtig galt. Er sitzt seither in einer Justizvollzugsanstalt und äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Er hat einen Pflichtverteidiger.

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Die Polizei sicherte an den Tatorten umfangreich Spuren, zum Beispiel DNA. Diese wurden in den vergangenen Monaten ausgewertet, auch mithilfe des Landeskriminalamts. „Der Tatverdacht hat sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft erhärtet“, sagt jetzt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen gegenüber unserer Redaktion. Dass in der Anklage nun von zwei statt drei Vergewaltigungen die Rede ist – wie es anfangs vonseiten der Polizei hieß –, erklärt er so: Die Ermittlungen hätten ergeben, dass es sich in einem Fall aus Sicht der Staatsanwaltschaft um den Versuch einer Vergewaltigung gehandelt habe. Wie berichtet, hatte die Polizei nach den Taten von drei Vergewaltigungen im juristischen Sinn gesprochen. „Zur Erfüllung dieses Tatbestands muss nicht zwingend der Beischlaf vollzogen werden“, erklärte Christian Eckel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West.

Was geschieht mit der Umkleidekabine am Weiher?

Wie es weitergeht, nachdem die Anklageschrift an die Beteiligten zugestellt wurde? Dem Sprecher der Staatsanwaltschaft zufolge wird ein psychiatrisches Gutachten über den Angeschuldigten erstellt. Es gehe dabei um die Frage, ob es Einschränkungen in dessen Schuldfähigkeit geben könnte. „Dieses Gutachten wird das Gericht abwarten“, so der Sprecher weiter. Danach werde dieses entscheiden, wann die Anklage eröffnet und zur Hauptverhandlung zugelassen wird – ein üblicher juristischer Vorgang. „Wann der Termin für die Verhandlung am Landgericht angesetzt wird, kann man noch nicht absehen“, sagt der Staatsanwalt. Es könne durchaus sein, dass es noch etwas dauert, bis der Prozess stattfindet.

Gewiss ist eines: Die Marktgemeinde Babenhausen wird das Umkleidehäuschen am Badeweiher, einer der Tatorte, abreißen lassen. Wie Bürgermeister Otto Göppel gegenüber unserer Redaktion berichtet, sei dies auch von einzelnen Anwohnern angeregt worden. Auch vor dem Hintergrund, dass sich nun, bei wärmerem Wetter, wieder mehr Leute am See aufhalten werden. Neue Umkleiden, aus Holz und in Schneckenform, sollen entstehen. An deren Bau beteilige sich die Praxisklasse der Mittelschule.

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