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Landkreis Neu-Ulm

29.01.2021

Sie machen den Weg frei: So herausfordernd ist der Job der Winterdienstler

Hubertus Haug ist Einsatzleiter im Kreisbauhof in Unterroth. Wenn er Frühschicht hat, dann beginnt sein Arbeitstag schon um 2.30 Uhr.
Foto: Alexander Kaya

Plus Die Mitarbeiter im Winterdienst sind im Einsatz, wenn alle anderen noch schlafen. Einblicke in eine Aufgabe, die eine gute Organisation erfordert.

Das Tauwetter verschafft ihnen gerade eine Verschnaufpause. Zuletzt aber gab es viel zu tun für die Winterdienste in der Region, die unsere Straßen von Schnee und Eis befreien. Wir haben die Gelegenheit genutzt und nachgefragt: Wie gehen die Verantwortlichen und die Fahrer, die in den Räumfahrzeugen sitzen, bei ihrer Tätigkeit vor? Mit welchen Schwierigkeiten haben sie bei widrigen Witterungsbedingungen zu kämpfen?

Kreisstraßen: Man merke derzeit zwar, dass wegen Corona und verstärktem Homeoffice deutlich weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind, sagt Hubertus Haug, Einsatzleiter am Kreisbauhof in Unterroth. „Aber das heißt nicht, dass wir nur die halbe Arbeit machen.“ Wenn er Frühdienst hat und die Bedingungen so sind, dass mit glatten Straßen zu rechnen ist, dann ist für Haug die Nacht schon sehr früh zu Ende: Er fängt um 2.30 Uhr an und fährt mit dem Auto hinaus, um die kritischen Stellen zu begutachten. Schneefall oder nasse Straßen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt setzen die Maschinerie in Gang: Dann schickt Haug einen Fahrer mit dem landkreiseigenen Streuwagen hinaus und informiert die vier Unternehmen, die im Auftrag des staatlichen Bauamts Krumbach im südlichen Landkreis Neu-Ulm und in Teilen der angrenzenden Landkreise Günzburg und Unterallgäu Staats- und Kreisstraßen räumen. Sie haben feste Routen, gearbeitet wird in Schichten. Bei Bedarf fährt der Einsatzleiter selbst mit dem Räumfahrzeug los, das im Kreisbauhof stationiert ist. Die Einrichtung selbst hat fünf Mitarbeiter.

Der Leiter des städtischen Bauhofs Illertissen, Michael Kienast und sein Team betreuen im Winterdienst rund 60 Kilometer Straße in der Vöhlinstadt und den Ortsteilen.
Foto: Alexander Kaya

Die Straße zwischen Dietershofen und Meßhofen ist Haug zufolge eine der ersten Stellen in seinem Gebiet, wo es glatt wird. „Und wenn es schneit, dann als Erstes in Osterberg“, erzählt er. Schon einige Male hat der 29-Jährige auf seinen Runden kritische Situationen erlebt, sie seien aber glücklicherweise glimpflich ausgegangen, sagt Haug. Einmal rutschte er mit dem Streuwagen in einen Straßengraben, die Bergung war etwas aufwendiger. Doch nicht nur glatte Straßen machen den Fahrern zu schaffen. Mit Schneepflug und Aufbau zum Salzstreuen ist der Lastwagen länger und breiter, dadurch eben auch unübersichtlicher.

Den Winterdienst überholen? Keine gute Idee!

Haug richtet deshalb eine Bitte an die Autofahrer: Beim Fahren mindestens 20 Meter Abstand zu einem Räumfahrzeug halten und das eigene Auto am Straßenrand so parken, dass der Winterdienst genug Platz hat. In engen Straßen oder bei Gegenverkehr lasse es sich häufig nicht vermeiden, dass der Streuwagen Schnee und Matsch auf Gehwege werfe. Und es erschwere ihre Arbeit zusätzlich, wenn Anwohner Schnee auf die Straße schaufeln, sagt Haug.

Die weiße Pracht gehöre eben nun mal zum Winter dazu, sagt Haug. Er hat eine pragmatische Sichtweise, die in seinem Job wohl ratsam ist: „So, wie’s kommt, kommt’s. Wir haben das Wetter nicht in der Hand.“

Autobahnen: Für den Winterdienst auf den Autobahnen ist eine andere Stelle zuständig: die Autobahnmeisterei. „Dieses Jahr haben wir mal wieder richtig Winter“, sagt Thomas Lilge, Leiter der Einrichtung in Vöhringen. Er ist mit seinem Team dafür verantwortlich, die A7 von der Anschlussstelle Altenstadt bis zum Autobahnkreuz Ulm-Elchingen schnee- und eisfrei zu halten. Dazu kommen noch Abschnitte der Bundesstraßen B28, B10 und B30. Allein in diesem Winter hat der Räumdienst an der Autobahn bislang 1100 Tonnen Salz dafür verbraucht. Vergangenen Winter waren es insgesamt ein paar Hundert Tonnen weniger. „Heuer war es bis jetzt sehr viel. Wir waren fast jeden Tag draußen“, sagt Lilge.

Dabei gelten für die Autobahn besondere Anforderungen: Die Straße müsse an 24 Stunden, sieben Tage die Woche frei und sicher befahrbar sein, sagt der Leiter der Autobahnmeisterei Vöhringen. Im Winter gibt es dafür einen Schichtdienst, der auch nachts die Fahrbahnen kontrolliert und gegebenenfalls streut und frei räumt. Die Wetterlage haben Lilge und seine Kollegen dabei stets im Blick.

Die „Wetterfrösche“ checken nachts Schnee und Eis

Ortsstraßen: In Illertissen kümmert sich der städtische Bauhof um den Winterdienst. Rund 60 Kilometer Straße in der Vöhlinstadt und den Ortsteilen habe sein Team zu betreuen, sagt Leiter Michael Kienast. Und das erfordert ein ausgeklügeltes System – auch, wenn mancher Bürger dies auf den ersten Blick vielleicht nicht erkennen mag. Denn es vergeht wohl kein Winter ohne Beschwerden darüber, dass diese oder jene Seitenstraße zu spät oder nicht gründlich genug geräumt werde, bedauert Kienast und wirbt um etwas mehr Verständnis.

Mitarbeiter des Illertisser Bauhofs überprüfen die Ausrüstung für den Winterdienst.
Foto: Alexander Kaya

Um Einblick in den „super Job“ der Winterdienstler zu geben, legt er im Gespräch mit unserer Redaktion eine große Karte vom Illertisser Stadtgebiet und zwei dicke Ordner voller Listen und Routenpläne auf den Tisch. „Einen Prioritätenplan zu erstellen ist nicht ohne“, sagt Kienast. Welche Straßen sind wichtig für den Pendlerverkehr? An welchem viel befahrenen Gefälle könnten Autos beim Bremsen ins Rutschen geraten? Wo müssen Rettungsfahrzeuge freie Bahn haben? Und überhaupt: Wie das Ganze sinnvoll und lückenlos kombinieren? Nicht zu vergessen sind wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten, die gut erreichbar sein müssen, ob im Auto oder zu Fuß – und das schon möglichst früh am Morgen.

„Früh“ ist hier wörtlich zu nehmen: „Die Wetterfrösche, so nennen wir sie, stehen schon gegen drei Uhr auf und beurteilen, wie das Wetter ist und wie es sein wird“, sagt Kienast. Danach richte sich der Bedarf an Fahrern und Fahrzeugen. „Die Mitarbeiter sind in Bereitschaft“, sagt Kienast. Sie werden also aus dem Bett geläutet, wenn die Schneelage es erfordert, um die ausgearbeiteten Routen dann in einer gewissen Zeit abzufahren. „Da ist die Freizeit sehr begrenzt im Winter“, sagt Kienast. Denn sind die Straßen mit Priorität Eins erst einmal abgefahren, sind Anliegerstraßen an der Reihe. Auch dort macht sich heuer das Homeoffice bemerkbar: Es parken schlichtweg mehr Autos am Straßenrand.

Angesichts dieser Fülle an Aufgaben sei den fleißigen Mitarbeitern im Winterdienst so ein bisschen Tauwetter vergönnt.

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