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Vöhringen

08.03.2018

Sie schlagen bis heute tiefe Töne an

Die Fahnenweihe im Jahr 1899 war ein großes Ereignis für den Männergesangverein Illerberg-Thal. Mittlerweile können die Sänger auf eine 125-jährige Geschichte blicken.
Bild: Foto: Männergesangverein

Vor 125 Jahren wurde der Männergesangverein Illerberg-Thal gegründet. Sängerinnen gibt es in der Gruppe bis heute nicht – dafür eine Frau am Taktstock.

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Der Männergesangverein Illerberg-Thal feiert in diesem Jahr Geburtstag: Die Chorgemeinschaft wird 125 Jahre alt. Wenn auch der offizielle Festakt im Herbst stattfindet, so ist das Jahresprogramm des MGV ganz auf das Jubiläum abgestimmt. Bereits am Sonntag, 11. März, 15 Uhr, geht es mit einem Kirchenkonzert in der St.-Martinskirche in Illerberg los.

Aus der Taufe gehoben wurde der Männergesangverein im Jahr 1893. Ganz neu war das Thema Gesang zu dieser Zeit aber nicht: Seit 1890 bestand eine Sängergesellschaft Illerberg. Initiator war Erster Gesangslehrer Felix Lamprecht, der 20 Männer leitete. Der Verein hatte auf Anhieb außerdem 36 passive Mitglieder. Die Aufnahmegebühr betrug damals 50 Pfennige, der Quartalsbeitrag lag bei 30 Pfennigen. Vorsitzender war Leo Unsöld, Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Thal. Die erste Generalversammlung fand in der Wirtschaft Kast statt, heute die Speisemeisterei Burgthalschenke.

Das erste Vereinsjahr begann geschäftig. Vier Monate nach der Gründung gab es einen Ausflug nach Bellenberg. Am Martinstag wurde bereits ein Gesangsabend veranstaltet und der Ausflug nach Wullenstetten stand am Stephanstag an. Die Chronik vermerkt, „dass die vorgetragenen Lieder auf allseitig Wohlgefallen stießen“. Auch im Neu-Ulmer Anzeiger sei das Konzert „rührend vermerkt worden“, heißt es in den Niederschriften.

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Der Chor mit Lamprecht an der Spitze war in der Umgebung offenbar begehrt. „Alljährlich wurde ein Faschingsball mit Theater und humorigen Einlagen durchgeführt.“ Die Altvorderen verstanden sich auf das Einhalten von Traditionen. Man war zu Festen wie Weihnachten mit Bauernwagen in der Nachbarschaft unterwegs und wurde nicht wenig von den Zuhörern um die Kunst des Gesanges beneidet. Als 1896/97 eine Viehseuche Illerberg und Thal heimsuchte, erlahmte der Probenbesuch. Die Landwirte, die es in den beiden selbstständigen Orten gab, hatte zu dieser Zeit andere Sorgen, als sich dem Gesang zu widmen.

Im Jahr 1898 sollte eine Vereinsfahne angeschafft werden. Um diese zu finanzieren, gingen die Sänger von Haustür zu Haustür und sammelten Geld. 350 Mark kamen zusammen, so dass die Fahne zum Preis von 420 Mark bezahlt werden konnte. Die Weihe der Fahne wurde für das ganze Dorf zum festlichen Ereignis. Pate stand der Vöhringer Liederkranz, mit dem man heute noch enge Kontakte pflegt.

Der Verein entwickelte sich über die Jahre stetig weiter. Unter Dirigent und Lehrer Anton Vonay fand 1907 etwa ein Sängerwettstreit zwischen den Gemeinden Bellenberg, Illerzell und Vöhringen statt. Aus diesen Treffen erwuchs die Veranstaltungsreihe Singen im kleinen Illergau. Zwischen den Kriegen wurden bei Veranstaltungen Eintrittspreise von einer Mark verlangt, um die „Lustbarkeitssteuer“ entrichten zu können. Frauen aufzunehmen, um damit einen gemischten Chor ins Leben zur rufen, scheitere allerdings am Veto der Männer.

Ein Treppenwitz in der Geschichte des Chors – denn seit dem Jahr 2003 steht Hannelore Lux am Dirigentenpult. Das sei wohl am Anfang für die Männerschar gewöhnungsbedürftig gewesen, sagt sie und geht im Gespräch auch auf ein aktuelles Problem ein, das vor allem Männerchöre haben. „Bundesweit ist die Zahl der Sängerinnen und Sänger rückläufig, wenngleich die Zahl der Chöre gleichbleibend ist“, so Lux. Männer seien dabei noch schwerer zum Singen zu bewegen, als Frauen. Dieser Trend mache sich bereits in Schulchören bemerkbar. Wenn das Polster an Musikern im MGV auch noch gut sei, müsse man „neue, jüngere Sänger gewinnen“.

Chöre könnten nur dann überleben, wenn sie sich nicht nur in der Tradition verfingen, wie Lux sagt. „Man muss sich modernem Liedgut öffnen ohne das Bewährte gänzlich über Bord zu werfen. Ein bisschen Show gehört außerdem dazu.“ Mit dem 8-Zylinder-Ensemble werde ausschließlich moderne Liedliteratur gesungen. Der Männerchor trage Volkslieder ebenso vor wie Operettenmelodien, Evergreens oder Schlager, die ins Ohr gehen. Der gemischte Jugendchor Stimmwerk, der 2001 von Stefanie Bilmayer aus der Taufe gehoben wurde, hat mittlerweile zwölf Mitglieder. Musikalische Leiterin ist heute Maria Masnicakova.

„Wir sind breit aufgestellt“, sagt Lux, die gemeinsam mit dem Vorsitzenden Siegfried Mensch auf Vielseitigkeit setzt. Der Beifall nach Konzerten gibt ihnen recht.

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