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24.11.2012

Sie steigt den anderen aufs Dach

Dachdecker-Meisterin Stephanie Schrapp mag ihren Beruf und ist sich nicht zu schade, zweimal zu laufen, um Dinge intelligent anstatt mit Muskelkraft zu lösen.
Bild: Langhans

Als Buchbinder- und Dachdeckermeisterin ist Stephanie Schrapp im Kollegenkreis anerkannt. Und manchmal ist sie doch noch das „Mädel“

Bellenberg Buchbindermeisterin zu werden und auf Dachdeckermeisterin umzusatteln, das könnte Stoff für zwei Geschichten geben. Tut es aber nicht bei Stephanie Schrapp aus Bellenberg. Die Biografie der agilen sportlichen 29-Jährigen hat keinen Knick, vielmehr zeugt sie von Begeisterungsfähigkeit oder auch dem sich Stellen einer Herausforderung. „Buchbindermeisterin wollte ich selbst werden“, erinnert sie sich, „und Dachdeckermeisterin bin ich geworden, weil es mir Karl Malafa zugetraut hat“.

Dann erzählt sie, wie der Dachdeckermeister Malafa der Firma Schrapp und Salzgeber, der ihr Vater Wolfgang Schrapp angehört, eines Tages im lockeren Ton zu ihr gesagt habe: „Magst du es nicht auch einmal probieren?“ „Ja wenn du meinst, dass ich das kann“, habe sie überrascht geantwortet.

Als Kind wollte sie gerne Zimmermann werden und im Ferien-Job hatte sie Aushilfsarbeiten auf dem Bau übernommen. Als geschickte Turnerin „musste“ sie da schon mal Übungen auf dem Gerüst „vorführen“, doch nach der Realschule wollte die 16-Jährige auf eigenen Füßen stehen.

Sie steigt den anderen aufs Dach

Stephanie Schrapp hatte ihren Industriemeister gemacht und war bereits zur erfolgreichen Abteilungsleiterin einer Buchbinderei aufgestiegen, als Malafa ihr diesen Floh ins Ohr setzte. Er hatte etwas angestoßen, was sie nicht mehr losließ. Sie sprach mit ihrem Vater, ob er sich die Tochter als Dachdeckerin vorstellen könnte. Als es auch Zuspruch von dieser Seite gab, klärte sie die Regularien mit ihm ab, die sie für notwendig befand, wenn der eigene Vater zugleich auch der Chef ist. „Wir haben das so festgelegt, dass immer der Meister mein Ansprechpartner war.“ Malafa begleitete sie fortan auf ihrem neuen Berufsweg.

Mit jungen Lehrlingen Schulbank gedrückt

Stephanie Schrapp, die inzwischen eine Familie gegründet und Sohn Maximilian zur Welt gebracht hatte, fing als 25-Jährige nochmals von vorne an. Sie besuchte mit viel Jüngeren die Berufsschule und hatte, da ihr Lehrzeitverkürzung gewährt wurde, auch auf dem Bau jede Menge zu lernen.

Dass sie dabei als Dachdeckerlehrling von den männlichen Kollegen nicht ernst genommen worden wäre, ist ihr nicht in Erinnerung. „Natürlich gab es die üblichen Späße, die keinem Azubi erspart bleiben“, lacht sie. Dazu gehöre, im Zeitalter von Aufzügen Lehrlinge die Dachplatten mit Muskelkraft nach oben befördern zu lassen. „Die Kollegen haben mir links und rechts ein Paket unter die Arme geschoben, damit kletterte ich dann hoch.“

Waren die Mutproben bestanden, kam nichts mehr nach. Dass sie einer Arbeit ausweicht, weil sie eine Frau ist, war ihr niemals in den Sinn gekommen. „Wenn ich nicht alles auf einmal tragen konnte, bin ich eben schneller und öfter gelaufen.“ Gezählt habe, dass die Dinge zur rechten Zeit fertig geworden sind. Sie weiß aber auch, dass sie nach manch anstrengenden Tagen abends gerade noch das Duschen geschafft habe, „mehr war dann nicht mehr drin“. Dankbar ist sie ihrem Partner Andreas Alraum, der alles mitgetragen hat und für die Meisterschule vorübergehend sogar mit nach Waldkirchen umgezogen ist.

Wieder zurück im heimatlichen Betrieb, arbeitet sie inzwischen je zur Hälfte draußen als Bauleiterin und als Juniorchefin drinnen im Büro. Eine gute Aufteilung, wie sie findet. Denn nach längerer Schreibtischarbeit und Telefoniererei gelte in der Firma der Standardspruch: „Bin ich froh, wenn ich wieder auf den Bau komme, da habe ich meine Ruhe.“ Was Stephanie Schrapp an ihrem Handwerk schätzt, ist der offene Umgang: „Dachdecker sind ehrliche Leute, wird einer mal Seckel genannt, dann gilt das für den Moment, nachher ist es aber auch wieder gut.“ Noch eines ist ihr als Frau unter Männern aufgefallen. „Bei aller geleisteten Arbeit rutscht es den Kollegen manchmal raus und sie sagen einfach ach Mädel“, schmunzelt die Doppel-Meisterin.

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