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Ulm

16.02.2018

Sie zielt mit dem Ulmer Gold-Garanten

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Laura Dahlmeier am Schießstand bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang und mit Goldmedaille. Sie verwendet ein Gewehr der Ulmer Firma Anschütz. 
Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Alle vier Jahre rückt die Waffenschmiede Anschütz in den Fokus. Bislang hielten sämtliche Medaillenträger im Biathlon ein Gewehr aus dem Donautal in den Händen.

Das olympische Gold-Triple verpasste Laura Dahlmeier um Millimeter bei den Winterspielen in Pyeongchang. Und trotzdem steht eine Ulmer Firma auch ein wenig mit auf dem Treppchen. Denn genauso wie Deutschlands Biathlon-Königin, die gestern Bronze errang, schießen Olympiasiegerin Hanna Öberg und Silbermedaillengewinnerin Anastasiya Kuzmina mit Anschütz-Gewehren.

Ausnahmsweise verfolgt Benjamin Wirthgen dieser Tage die Wettbewerbe vom Fernseher aus. Bei Weltcup-Rennen ist der bei Anschütz für Biathlon zuständige gelernte Büchsenmacher normalerweise mit seinem Service-Team vertreten. Falls mal was kaputt geht. Und das könne schnell passieren. Wirthgen kann Geschichten erzählen, wie er bei bei einem Weltcup-Rennen im tschechischen Hinterland direkt an der Strecke einen gebrochenen Gewehrschaft mit einem Besenstiel reparierte. „Mit dem Gewehr wurden später noch Weltcuprennen gewonnen“, sagt der gelernte Büchsenmacher.

In Korea müssen die Biathleten ohne ein Anschütz-Team auskommen. Die 8700 Kilometer bis nach Pyeongchang plus Anmietung von Hotelzimmern und Containern an der Strecke hätten das für Biathlon vorgesehene Budget des Mittelständlers gesprengt. „Unsere Waffen sind ja auch sehr zuverlässig“, sagt Wirthgen. Um die 95 Prozent aller Olympiabiathleten schießen mit Anschütz. Der Rest – fast ausschließlich die Russen – vertraut auf Gewehre der Ischmasch-Werke in Ischewsk. Wirthgen hat als ehemaliger Schütze der zweiten Bundesliga ein Gefühl für die Belange der Stars. Manche wollen einen speziellen Diopter (Visiereinrichtung) oder ein anderes Abzugszüngel. Laura Dahlmeier war zwar noch nicht bei Anschütz im Donautal zu Besuch, dafür gehen hier die Bundestrainer sämtlicher Nationen ein und aus. „Viel ist Kopfsache“, sagt Wirthgen. Und so hielten die Stars der Szene oft jahrelang an ihrer Lieblingswaffe fest, mit der sie ein gutes Gefühl haben. Der Franzose Martin Fourcade hingegen, der bei Olympia im Verfolgungsrennen über 12,5 Kilometer Gold abräumte, setzt erfolgreich auf Neues. Der Weltcup-Dominator ließ sich vor Pyeongchang ein Gewehr vom Typ 1827 F auf den Leib schneidern. Auch hier, so Wirthgen, sei viel Psychologie dabei. „Ich behaupte, dass man auch mit einem Anschütz-Gewehr von der Stange Olympiasieger werden kann.“

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Trotz aller Anschütz-Dominanz bei Olympia und in den Weltcups seien Biathlon-Gewehre ein Nischenmarkt. Die Zahl von gut 208 Anschütz-ausgestatteten Biathleten in Pyeongchang, die jeweils meist nur ein Gewehr dabei haben, verdeutlicht, wie klein der Markt ist. Die Ulmer Firma mit ihren gut 100 Mitarbeitern macht mit monatlich über 1000 produzierten Sport- und Jagdwaffen den Löwenanteil ihres Umsatzes.

Anschütz sei dennoch eine kleine Firma, aber als solche wendig genug, um sich auf dieses Spezialsegment zu konzentrieren, sagt Wirthgen. So werde jedes einzelne Gewehr in einer Kältekammer bei minus 20 Grad auf Zielgenauigkeit getestet. Und nicht nur die Modelle der Stars, sondern auch jene im Jugendbereich. Die Dominanz von Anschütz im Biathlon-Sport hänge mit einer Erfindung zusammen: Dem patentierten Fortner-Geradezug-Repetierverschluss. Peter Fortner ist ein Büchsenmacher aus Rohrdorf, dessen Erfindung seit 1984 exklusiv in Anschütz-Gewehren verbaut wird. Man muss wohl Büchsenmacher sein, um den Vorteil zu verstehen, wenn Wirthgen von Vorteilen einer axialen Verschlussführung zur Laufachse und extrem kurzer Schussentwicklungszeit spricht. Fakt sei: Mit keinem anderen Gewehr lassen sich die Aufenthalte am Schießstand derart kurz gestalten. Die Doppel-Gold-Biathlon-Königin Dahlmeier würde sicherlich nicht wiedersprechen.

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