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Illertissen

19.06.2018

Sieben für ein ganzes Orchester

Die „Kammersolisten XXL“ transportierten in die Festhalle des Kollegs den Klang eines ganzen Orchesters.
Bild: Regina Langhans

Als die „Kammersolisten XXL“ haben die Mitglieder des Ensembles im Kollegihr Publikum nicht enttäuscht. Was das Ungewöhnliche in ihrer Besetzung ausmacht.

Die nicht alltägliche Besetzung eines Ensembles weckt Erwartungen auf ungewöhnliche Musik. So waren rund 300 neugierige Freunde von „Kultur im Schloss“ in die Festhalle des Kollegs in Illertissen gekommen, um die mit sieben Musikern verhältnismäßig große Gruppe – daher ihr Name Kammersolisten XXL – spielen zu hören. Sie wurden nicht enttäuscht.

Aufgeführt wurde Originalliteratur und ein Arrangement, wobei die gebotene Klangfülle überraschte und begeisterte. Denn auf der Bühne saßen Isabelle van Keulen an der Violine, Elisabeth Kufferath an der Viola, Gustav Rivinius am Violoncello und am Kontrabass Rüdiger Ludwig. Die Register der Bläser waren besetzt mit Klarinette (Till Renner), Fagott (Bence Boganyi) und Horn (Jens Plücker).

Nur im Quintett – ohne Viola und Violoncello – überraschten sie zuerst mit dem von Franz Hasenoehrl arrangierten Stück „Till Eulenspiegels lustige Streiche“, eine Komposition von Richard Strauss (1864 – 1949). Dieser hatte sich von den „Streichen“ zu einem amüsanten Orchesterwerk inspirieren lassen – welches nun mit witzig-spritzigem Spiel luftig und virtuos vorgetragen wurde. Allein die Formation hatte etwas Schelmisches, auf der einen Seite Geige und Kontrabass als das höchste und tiefste Streichinstrument und in der Bläservariante ihnen gegenüber Klarinette und Fagott. Die Mitte der im Halbkreis Sitzenden nahm das Horn ein. Seine Musik hatte was von Eulenspiegels schalkhaftem Dazwischenfunken: Etwa, indem die Klarinette den führenden Passagen der Geige kichernd nachzueifern schien.

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Die Führung im Ensemble hatte ohne Zweifel Isabelle van Keulen, wenngleich jedem Solisten eine führende Funktion für seine Stimme innerhalb des Ensembles zukam. An Solopartien gewöhnt, erreichten sie im Zusammenspiel als Septett das Klangvolumen eines kleinen Orchesters. Ihm gegenüber hatten sie aber den Vorteil, flexibler und sehr unmittelbar aufeinander eingehen zu können.

Jeder Solist brachte sein Instrument zum Strahlen

Dies war beim „Septett für Bläser und Streicher in B-Dur von Franz Adolf Berwald (1796 – 1868) schön herauszuhören. Geige und Klarinette spielten sich die Themen zu oder knüpften untereinander Kontakt. Gemeinsamen Passagen verlieh das Ensemble Brillanz durch Klangreinheit und homogenes Zusammenspiel. Der schwedische Komponist verbindet in seinem Werk klassizistische Melodik mit romantischen Modulationen, wobei jeder Musiker gleichermaßen stark gefordert war.

Den Höhepunkt und fulminanten Ausklang bildete das Septett in Es-Dur von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827). Es zählt zu seinen populärsten Werken und beanspruchte die zweite Hälfte des Abends. Obgleich wichtige musikalische Impulse von der Geige ausgingen, waren doch alle anderen solistisch oder im Duett zu hören. Sehr apart klang das Zusammenspiel von Geige und Bratsche. Jeder Solist wusste sein Instrument zum Strahlen zu bringen, sei es der goldene Klang des Horns, die warmen tiefen Töne von Fagott und Kontrabass, das Jubilieren der Geige und Klarinette sowie Bratsche und Cello, die kunstvoll viele Stimmlagen abdecken können.

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