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Landkreis Neu-Ulm

17.12.2020

Sind die Kapazitäten der Corona-Impfzentren im Kreis Neu-Ulm zu knapp?

Die ersten Impfzentren (hier ein Bild aus Weißenhorn) sind betriebsbereit. Jetzt wartet das Land auf den Impfstoff.
Bild: Alexander Kaya

Plus Die Freien Wähler halten die genannten Zahlen zu den Corona-Impfungen im Kreis Neu-Ulm für inakzeptabel und haken nach. Landrat Freudenberger nimmt dazu Stellung.

Aufmerksame Leser haben schon nach dem ersten Bericht über das betriebsbereite Impfzentrum in Weißenhorn Vergleiche gezogen und nachgerechnet. Das hat auch die Kreistagsfraktion der Freien Wähler getan und bei Landrat Thorsten Freudenberger nachgehakt. Dazu haben Jürgen Bischof und Wolfgang Schrapp eine Modellkalkulation aufgestellt, der zufolge eine weitreichende Durchimpfung der Bevölkerung des Landkreises Neu-Ulm erst Ende 2022 erreicht wäre.

Schrapp und Bischof verweisen in einer E-Mail an den Landrat auf die angestrebten Zahlen für das Impfzentrum auf dem Ulmer Messegelände. Dort sollen 1500 Personen pro Tag an sieben Tagen in der Woche geimpft werden, was 10.500 Impfungen pro Woche entspricht. Um zwei Drittel der 125.000 Einwohner der Stadt Ulm jeweils wie vorgesehen zweimal zu impfen, seien somit 16 Wochen erforderlich.

Rein rechnerisch wären zwei Drittel der Bevölkerung des Kreises Neu-Ulm erst Ende 2022 geimpft

Der Landkreis Neu-Ulm plant wie berichtet anfangs mit mindestens 385 Impfungen pro Tag in den drei Zentren in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen sowie durch mobile Teams, bei fünf Betriebstagen in der Woche. Selbst bei einer etwas höher angesetzten Kapazität der drei mobilen Impfteams würden sich pro Tag 460 Impfungen und damit 2300 Impfungen pro Woche ergeben, schreiben die Kreisräte aus Weißenhorn und Bellenberg. „Um zwei Drittel der 175.000 Einwohner des Landkreises Neu-Ulm jeweils zweimal zu impfen, wären somit 101 Wochen erforderlich.“

Dies würde bedeuten, führen Bischof und Schrapp weiter aus, dass die Impfungen im Kreis Neu-Ulm sechsmal so lange dauern wie in Ulm und dass eine Durchimpfung damit erst Ende des Jahres 2022 erreicht wäre. „Dies halten wir für vollkommen inakzeptabel“, betonen sie.

In seiner Antwort per E-Mail, die unserer Redaktion ebenfalls vorliegt, verweist Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) auf unterschiedliche Strategien der Bundesländer bei der Impfung. Und bezüglich der Anzahl an Impfungen sei eine rein mathematische Betrachtung nicht aussagekräftig, da limitierende Faktoren wie die Anzahl der gelieferten Impfdosen sowie die Haltbarkeitsdauer variieren, lässt Freudenberger über seine persönliche Referentin mitteilen.

Baden-Württemberg verfolgt eine andere Strategie als Bayern

In Baden-Württemberg, so schildert es der Landrat, werden zunächst neun zentrale Impfzentren entstehen. Damit decke das Impfzentrum in Ulm eine deutlich größere Anzahl an Einwohnern ab, die teilweise wohl recht weite Anfahrtswege haben werden. Erst in einem weiteren Schritt seien Impfzentren in Landkreisen geplant. Die bayerische Staatsregierung hingegen verfolgt von Anfang an einen dezentralen Ansatz. „Unser Ziel, eine maximale Anfahrt von zehn bis 15 Minuten für alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Neu-Ulm zu ermöglichen, konnte erreicht werden“, betont Freudenberger.

Darüber hinaus sei zu berücksichtigen, dass Impfungen nach und nach auch durch die niedergelassenen Ärzte erfolgen sollen. „Zunächst wollen wir gut starten und sehen uns insbesondere durch den hohen Digitalisierungsgrad unserer Zentren gut gewappnet“, heißt es in der Stellungnahme weiter. „Dennoch werden wir die Entwicklungen genau beobachten und bei Bedarf nachsteuern.“ Eine Ausweitung der Kapazitäten ist laut Landratsamt in allen drei Impfzentren möglich.

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