Altenstadt

08.05.2014

Singende Steine

So werden Klangsteine gespielt: Durch Reiben auf der polierten Oberfläche des Steins fängt dieser an zu klingen.
Bild: Frieder Horlacher

Bei Steinmetz Stölzle ist am Samstag ein besonderes Konzert zu hören

Wenn jemand von Klangsteinen noch nie etwas gehört hat, verwundert das nicht. In China, Korea, Indien oder Vietnam werden sie schon lange als Meditationswerkzeug und Instrument verwendet. In unseren Breiten finden sie erst nach und nach Liebhaber.

Einer davon ist der Steinmetz Harald Stölzle aus Altenstadt, der in seinem Produktionsbetrieb neben Grabmälern und Arbeitsplatten auch die Klangsteine anfertigt. „Man kann nur bestimmte Steinarten als Klangsteine zuschneiden, nur solche, die homogen genug sind, also wenig unterschiedliche Mineralien besitzen“, erklärt Stölzle. Eine solche Steinsorte nennt sich Schwedisch Schwarz und ist eine dunkle Art von Granit.

Um die Steine korrekt zu schneiden, sodass sie dann auch gespielt werden können, braucht man Betriebe von einer bestimmten Größe mit den nötigen Werkzeugen. „Von diesen Betrieben gibt es in Deutschland nicht viele“, so Stölzle. Die Steine verfügen über ein eigenes Temperament, ist sich der Altenstadter Steinmetz sicher. „Einmal haben wir einen Klangstein transportiert. Wegen der Erschütterungen auf dem Weg hat er etwa 50 Prozent seiner Leistung verloren“, erinnert sich Stölzle. „Außerdem müssen die Steine erst eingespielt werden, wie eine Geige. Wenn sie zu großen Schwankungen ausgesetzt sind, etwa von Temperatur oder Feuchtigkeit, dann leidet der Klang ebenfalls.“

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Die Kunst, Steine so zu schneiden, dass sie sich als Instrument verwenden lassen, haben in Deutschland Elmar Daucher und nach ihm dessen Schüler Michael Scholl weiterentwickelt. Von Scholl stammt die Idee, kompaktere Steine zu verwenden. Ein ausreichendes Klangvolumen wird nach präzisen Bohrungen im Sockel des Instruments mittels einer quer liegenden, dickwandigen Röhre als Klangkörper erzeugt. Die Steine selbst gleichen eng aneinander stehende Säulen, die alle aus einem Block geschnitten sind. In Schwingung versetzt der Musiker die Steine, indem er mit feuchten Fingern über die Oberfläche reibt. Die Reibung versetzt, – richtig eingesetzt – die ganze Säule in Schwingungen. Stölzle macht das vor. Die Töne, die die Steine von sich geben, sind viel lauter als erwartet. Sie klingen leicht metallisch und trotzdem irgendwie warm. „Ich kann die Steine nicht richtig spielen“, meint Stölzle bescheiden.

Jemand der das kann, ist Michael Scholl. Am Samstag, 10. Mai, gibt Scholl um 16 Uhr ein Konzert, das er mit dem Titel „Mutterklang“ versehen hat, im Rahmen eines Tages der offenen Tür bei Steinmetz Stölzle in Altenstadt. Von 10 bis 16 Uhr öffnet das Natursteinwerk seine Tore für Besucher, im Anschluss findet das Konzert statt.

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