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Babenhausen

16.01.2020

So ist der Flexibus im Raum Babenhausen gestartet

Seit rund zwei Monaten rollt der Flexibus im Raum Babenhausen-Boos, seit gut einem Jahr rund um Mindelheim.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivbild)

Plus Seit mehr als einem Jahr ist der Flexibus im Unterallgäu unterwegs, seit zwei Monaten im Raum Babenhausen. Wie das Resümee der Verantwortlichen ausfällt – und was Hoffnung macht.

Seit zwei Monaten ist der Flexibus im Raum Babenhausen-Boos unterwegs. Mit dem Start ist Busunternehmer Josef Brandner zufrieden. Bislang sei die prognostizierte Zahl der Fahrgäste – 700 bis 800 im Monat – zwar längst nicht erreicht. Zumindest aber zu einem Viertel, was für ein neues Angebot erfolgversprechend sei. „Die Kurve zeigt nach oben. Wir stellen eine Steigerung der Fahrgastzahlen fest“, berichtet er und verweist auch auf positive Rückmeldungen vonseiten der Passagiere, die sich bestenfalls herumsprechen. Dass weitere Bürger den Rufbus nutzen, wird nämlich erforderlich sein: Das Angebot muss sich lohnen, insbesondere aus unternehmerischer Sicht. „Wir machen das nicht aus dem Selbstzweck heraus“, sagt Brandner. „Wir brauchen schon ein gewisses Grundaufkommen, um den neu eingeschlagenen Mobilitätsweg sichern zu können.“

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Wie kann das Unterallgäu mobiler werden? Ein Jahr ist es nun her, da schien im Landkreis zumindest eine Teillösung dieses Problems nah. Zauberwort: Flexibus. Landrat Hans-Joachim Weirather sprach gar von einer „neuen Ära im öffentlichen Personen-Nahverkehr des Landkreises“. Doch die anfängliche Begeisterung ist inzwischen der Realität gewichen. Die Zahlen nach einem Jahr Flexibus rund um Mindelheim, Pfaffenhausen und Kirchheim sind ernüchternd.

Anfängliche Begeisterung ist der Realität gewichen

„Die Erwartungen haben sich noch nicht erfüllt“, resümiert Josef Brandner. Er hat das Flexibus-System erfunden und deckt mit seinem Busunternehmen BBS unter anderem die Gemeinden Breitenbrunn, Eppishausen, Kirchheim, Oberrieden und Pfaffenhausen mit Ortsteilen und Weilern ab. Vor dem Start waren die Planer in diesem Bereich von rund 700 Fahrgästen im Monat ausgegangen. Bislang nehmen das Angebot im Schnitt aber nur 400 bis 450 Menschen monatlich wahr. „Das ist im Vergleich zu anderen Rufbus-Systemen im Landkreis zwar deutlich besser“, sagt Brandner. „Trotzdem können wir mit den Zahlen nicht zufrieden sein.“ Er rechnet damit, dass sein Unternehmen mit dem Flexibus im vergangenen Jahr einen fünfstelligen Verlust gemacht hat. Wie rentabel das Projekt für ihn ist, hängt direkt mit der Zahl der Fahrgäste zusammen. Erst bei 700 Fahrgästen monatlich wäre der Flexibus für ihn kostendeckend.

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Auch das Wabensystem rund um Mindelheim ist nicht so ausgelastet wie erhofft: Im ersten Jahr nutzten knapp 8000 Menschen den Flexibus. Kostendeckend sei das Projekt auch dort nicht, heißt es vom zuständigen Busunternehmen Steber.

Ein erklärtes Ziel des Projekts Flexibus war und ist es, gerade älteren Menschen Zugang zu den drei Grundpfeilern „Einkaufen, Besorgen, Versorgen“ zu verschaffen, wie Brandner erklärt. Die Zahlen aus allen Gebieten Schwabens, in denen bislang ein Flexibus unterwegs ist, sprechen dafür: Demnach haben 70 Prozent der Nutzer keinen Zugriff auf ein Auto, 45 Prozent nicht einmal einen Führerschein. Diese Nutzer sind nach Brandners Erfahrung tatsächlich meist ältere Menschen.

Doch gerade sie stehen oft vor einem Problem, wenn sie den Flexibus nutzen wollen: die Abhängigkeit von den Waben und anderen Verkehrssystemen. Ein Beispiel: Wer in Oberschönegg wohnt, kann nur innerhalb des Gebiets Babenhausen-Boos fahren. Will derjenige nach Memmingen, muss er umsteigen auf andere Verkehrsmittel.

Das klingt zunächst wenig verlockend, vor allem für Menschen im hohen Alter oder mit Behinderung. Doch genau für sie bedeutet das System laut Brandner einen „Quantensprung: Viele hatten vor dem Flexibus gar keine Möglichkeit, eigenständig zu den Knotenpunkten in der Region zu kommen.“ Ohnehin sei es nie darum gegangen, den ÖPNV insgesamt zu ersetzen. „Die Systeme sollen sich nicht gegenseitig kannibalisieren. Der Flexibus soll die Anschlussmobilität verbessern, also die Leute unkompliziert ins bayern- und deutschlandweite Verkehrsnetz bringen, und das 365 Tage im Jahr“, sagt Brandner. Auch deshalb wolle man am Konzept, pro Wabensystem maximal zwei Zentren zu etablieren, festhalten.

Flexibus: Testphase läuft bis 2023

Solche Zentren sind Babenhausen und Boos. Laut Brandner nutzen die Menschen im Norden dieses Gebiets das Angebot mehr als im Süden. „Das war auch zu erwarten.“ Ein Beispiel: Im kleinen Ort Hörlis seien bereits 20 Personen mitgefahren, nach Brandners Worten „eine erfreuliche Zahl“.

Helmut Höld, ÖPNV-Beauftragter des Landkreises, wirbt für den Flexibus, fordert aber ein Umdenken – gerade im Hinblick auf klimafreundliche Verkehrsmittel. „Wir brauchen eine größere Bereitschaft für ökologisches Fahren“, sagt er. „Wer sauber unterwegs sein will, muss auch bereit sein, etwas von seiner Zeit herzugeben.“ Er rechne damit, dass Fahrten mit dem ÖPNV, zu dem der Flexibus zählt, durchschnittlich doppelt so lange dauern wie individuelle mit dem Auto.

Laut Brandner ist es möglich, innerhalb der Testphase, die bis 2023 läuft, Fahrtkosten zu erhöhen und die Fahrzeiten zu verkürzen. Er halte dies jedoch für den falschen Weg. „Wenn es aber so bleibt, wie es ist, kommt irgendwann die Existenzfrage.“ Noch ist es laut Brandner lange nicht so weit. Die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Verlauf könne auch Triebfeder für Verbesserungen sein. So wolle er Leute besser informieren und aktiver auf Seniorengruppen zugehen. Auch ÖPNV-Beauftragter Höld ist optimistisch – gerade mit Hinblick auf Erfolge in den Regionen Krumbach und Günzburg, wo das System „nicht mehr wegzudenken“ sei: „Jedes neue Projekt braucht eine Anlaufphase, das ist ganz normal.“

Vorschläge für Verbesserungen kommen auch von Bürgern selbst, etwa bezüglich zusätzlicher Haltestellen. Zum Start im November hieß es, dass im Gebiet Babenhausen-Boos bei Bedarf 319 Stellen angefahren werden (Lesen Sie dazu auch: Jetzt fährt der Flexibus auch durch Babenhausen und Boos). Unlängst hatte Brandner, Kontakt mit Babenhausen, da weitere in Klosterbeuren angeregt worden waren.

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