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Illertissen

13.12.2020

So kommen Familien gut durch die Weihnachtsferien

Die Situation am Ende dieses Corona-Jahres ist in vielen Familien angespannt. Die Erziehungsberatung gibt Tipps, wie Eltern und Kinder die Weihnachtsferien gemeinsam meistern können.
Bild: Andreas Gebert/dpa

Plus Eltern sind erschöpft und niedergeschlagen, Kinder haben Ängste wegen des Coronavirus. Experten geben Tipps, wie die Weihnachtsferien dennoch schön werden.

Das bevorstehende Fest der Familie wird dieses Jahr definitiv anders werden. Ausgedehnte Verwandtschaftsbesuche, der Skiurlaub und andere lieb gewonnene Traditionen werden nicht möglich sein. Und im Moment sieht es auch ganz danach aus, dass Corona und die dadurch bedingten strengen Beschränkungen bis weit ins neue Jahr 2021 andauern werden. „Wir alle leben in einer permanenten Unsicherheit und in einem anhaltenden Anspannungszustand“, sagt Rainer Kehm von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Neu-Ulm und Illertissen. „Das führt natürlich gerade bei Eltern zu einer gewissen Ermüdung und Erschöpfung. Niedergeschlagenheit, negative Gefühle oder gar Ängste machen sich breit.“

Auch immer mehr Kinder entwickeln Ängste in Bezug auf das Coronavirus – vor allem durch das, was ihnen durch die Medien, aber auch durch die Gesellschaft vermittelt wird. Gerade bei Kindern kann leicht der Eindruck entstehen: Wenn ich etwas falsch mache, müssen Oma oder Opa sterben. „Da lastet ein unglaublicher Druck auf den Kindern“, so der KJF Erziehungsberater. Darum sei es besonders wichtig, dass Eltern gegenüber ihren Kindern Verhaltensregeln wie das Tragen der Maske oder die geltenden Kontaktbeschränkungen zu Weihnachten mit Logik und der Wahrheit begründen und dabei nicht mit Angst arbeiten.

Ängste der Kinder sollten nicht klein geredet werden

„Für Kinder ist es eine Entlastung, wenn sie über ihre Ängste, etwa davor, dass ihre Großeltern oder Freunde krank werden könnten, oder davor, dass sie gar niemanden mehr zum Spielen treffen dürfen, sprechen dürfen und auch gehört werden“, sagt Rainer Kehm. Ein Kleinreden der Sorgen der Kinder mit Kommentaren wie „Das ist doch nicht so schlimm“ sollten Eltern vermeiden. Die bessere Lösung sei es, das Kind quasi durch seine Emotionen zu „coachen“ und diese gemeinsam auszuhalten. Zum Beispiel mit einer simplen Reaktion wie dieser, die Verständnis für die Gefühle des Kindes signalisiert: „Ja, das verstehe ich, dass du traurig bist, weil du die Großeltern dieses Weihnachten nicht sehen kannst.“ Erst danach sollte, wenn überhaupt möglich, eine Lösung gesucht und auch das Kind in die realistische Lösungssuche mit einbezogen werden. Zum Beispiel: ein Videotelefonat zu machen oder etwas zu basteln und einen Brief zu schicken.

„Ob Kinder oder Erwachsene – wir alle müssen nach wie vor unglaublich flexibel sein und akzeptieren lernen, dass wir in unserem Alltag zu einer neuen Normalität finden müssen, um psychisch stabil und gesund bleiben zu können“, erklärt der Erziehungsberater. Zu der Illusion, dass alles einmal wieder so wird, wie es vor Corona war oder dass der aktuelle Zustand zu einem bestimmten Stichtag einfach vorbei ist, sollten sich Erwachsene nicht hinreißen lassen, so Rainer Kehm. Der Tipp des Erziehungsberaters, wie das gelingen kann: Den eigenen Planungszeitraum deutlich verkürzen auf den Bereich, den man realistisch überblicken kann – etwa eine Woche. Gedanken, die sich auf Ereignisse oder Pläne danach beziehen, sollte man bewusst zurückstellen.

Tipp der Experten: Auf das Positive konzentrieren

Außerdem hilft es, sich immer wieder auf das zu konzentrieren, was gut klappt, was auch Positives in der Situation steckt. „Manche Familien haben sich inzwischen gut in dieser neuen Normalität eingerichtet und erleben zum Beispiel mehr Ruhe im Alltag“, berichtet Rainer Kehm. Außerdem spüren viele, dass es sowohl beruflich als auch privat guttut, Neues auszuprobieren oder um die Ecke zu denken, um neue Lösungen zu finden. Da macht man im Moment eben den Fitnesskurs via Livestream des Sportstudios. Und auch Weihnachten wird zwar anders, aber es wird das Fest der Familie bleiben.

Die Experten der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung helfen, wenn Eltern allein nicht mehr weiterkommen. Die Beratungen finden unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen persönlich sowie auf Wunsch natürlich auch telefonisch oder online statt, sie sind kostenlos und unterliegen der Schweigepflicht. Kontakt: KJF Kinder- und Jugendhilfe Neu-Ulm und Illertissen, Marlene-Dietrich-Straße 3, 89231 Neu-Ulm, Telefon 0731/76050, E-Mail eb.neu-ulm@kjf-kjh.de. Außenstelle Illertissen, Ulmer Straße 20, Telefon 07303 901810, E-Mail eb.illertissen@kjf-kjh.de. www.kjf-kinder-jugendhilfe.de/erziehungsberatung. Zusätzlich kann auch die anonyme Onlineberatung unter https://bke-beratung.de genutzt werden. (az)

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