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Babenhausen

21.11.2020

So reagieren die Babenhauser auf die neue Sicherheitswacht

Die Sicherheitswachten ergänzen die Polizeiarbeit. Ein Ersatz für die Polizei können und sollen sie aber nicht sein. Weitere Informationen dazu online unter www.sicherheitswacht.bayern.de.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Seit dem Sommer ist in Babenhausen eine Sicherheitswacht unterwegs. Welche Erfahrungen die vier Ehrenamtlichen gesammelt haben und welche erste Bilanz die Polizei zieht.

Man erkennt sie an den dunkelblauen Jacken mit Schriftzug, Bayern-Wappen und reflektierenden Streifen an den Ärmeln: die Sicherheitswacht. Seit August ist eine solche auch in Babenhausen unterwegs. Manche beäugten die Einführung kritisch: Warum braucht’s das im 5600-Einwohner-Ort Babenhausen, fragten sie nach den Hintergründen (wir berichteten). Wie reagieren die Bürger nun auf die vier Ehrenamtlichen, die in den Straßen nach dem Rechten sehen?

Rund 200 Einsatzstunden sind bereits zusammengekommen, sagt Jochen Glaser, der die Sicherheitswachten im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Memmingen betreut. Zwei bis drei Mal pro Woche seien die Ehrenamtlichen in Zweiergruppen auf Streife, meist abends, nach der Arbeit, und an Wochenenden.

Die Reaktionen seien bisher durchweg positiv gewesen, berichtet Silvi Mestwerdt, welche die einzige Frau in der neuen Sicherheitswacht ist. „Es gab sogar Jugendliche, die von sich aus auf uns zugegangen sind und nach den Corona-Regeln gefragt haben; was darf ich gerade und was nicht?“ Dass sich Gespräche entwickeln, komme sehr häufig vor, egal mit welchen Altersgruppen. Ihr Kollege Josef Knoll ergänzt, dass Interesse, aber auch Informationsbedarf sei da. „Wir wurden schon gefragt, ob wir eine Bürgerwehr oder so etwas sind“, sagt er. „Dann erzähle ich von der Arbeit und dass wir an die Polizei angegliedert sind.“ Knoll erzählt, ihm sei da eine Formulierung im Kopf geblieben: Die Sicherheitswachten sind „zusätzliche Augen und Ohren“ der Polizei. Gleichzeitig bestehen sie, wenn man so will, aus ganz normalen Bürgern.

Dieser Umstand – das zeigt zumindest die Erfahrung der vier Ehrenamtlichen – schafft eine Verbindung zu den Leuten. Manche trauen sich laut Mestwerdt nicht, die Polizei über vermeintliche Lappalien zu informieren. Die Hemmschwelle, mit der Sicherheitswacht zu reden, sei niedriger. Zum Beispiel bei einer Beschwerde über Falschparker, die die Ehrenamtlichen dann weitergeben. „Manche denken auch, wir verteilen Strafzettel oder verwechseln uns mit dem Ordnungsamt“, sagt der Dritte im Bunde, André Jacobi.

Die Ehrenamtlichen der „Siwa“, wie die Polizei die Sicherheitswacht abkürzt, sind im ganzen Markt unterwegs. Es gibt aber „Hotspots“, die sie häufiger aufsuchen: Treffpunkte wie den Badeweiher, die Kneippanlage oder den Bauhof. Radim Tatka von der örtlichen Polizeidienststelle erklärt, dass sein Kollege und er sehr oft am Bauhof waren, als sie noch ihren Streifenwagen dort parkten. Nun, da das nicht mehr der Fall sei, schaue die Sicherheitswacht regelmäßig vorbei. Sie weise Gruppen, die bisweilen abends am Bauhof zusammenkommen, darauf hin, leiser zu sein, um Beschwerden wegen Ruhestörung vorzubeugen.

Sicherheitswacht und Polizei tauschen sich regelmäßig aus

Generell tauschen sich Sicherheitswacht und Polizeidienststelle regelmäßig aus. Einerseits schreiben die Ehrenamtlichen Berichte über ihre Einsätze und teilen mit, was ihnen dabei auffiel. Andererseits darf die Sicherheitswacht den Polizeifunk mithören, um bei Vorfällen im Ort rasch reagieren zu können. Außerdem weist die Dienststelle sie auf besondere Vorkommnisse hin. „Unsere Tür steht immer offen“, sagt Radim Tatka. Laut Jochen Glaser von der PI bekomme man durch den Kontakt auch „ein Feeling, wie die Sicherheitswacht im Ort ankommt.“

Wie berichtet, hatten die Kommunalpolitiker vor der Einführung mitunter die Hoffnung auf weniger Vandalismus-Fälle. Hat sich diese erfüllt? „Verhinderter Vandalismus lässt sich nicht in Zahlen fassen“, erklärt Glaser. Und ganz aus der Welt schaffen könnten ihn wohl leider weder die Sicherheitswacht noch die Polizei. Tatkas Einschätzung: „Das Thema Vandalismus herrscht in Babenhausen momentan nicht vor“. Ein Zusammenhang mit der Präsenz der Sicherheitswacht lasse sich nicht belegen. Es sei aber denkbar, dass der eine oder andere den Eindruck hat, er könnte eher ertappt werden.

Was Silvi Mestwerdt, André Jacobi, Josef Knoll und Ayhan Celik an ihrem Ehrenamt gefällt, ist das „gute Gefühl“, den Bürgern und der Polizei helfen zu können. Egal, ob es darum ging, Erste Hilfe für einen gestürzten Fahrradfahrer zu leisten, bei einer Vermisstensuche zu unterstützen oder schlichtweg zu vermeiden, dass Leute leere Flaschen an Ort und Stelle liegen lassen. „Die beste Werbung für die Siwa ist die Siwa selbst“, findet Polizist Tatka. Und so haben sich schon zwei neue Anwärter auf das Ehrenamt gemeldet, die die Ausbildung beginnen möchten. Aktuell gibt es im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, der das Allgäu und die Kreise Neu-Ulm und Günzburg umfasst, mehr als ein Dutzend Sicherheitswachten, so auch in Vöhringen, Senden und Neu-Ulm.

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