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Memmingen

10.09.2019

Sollen Frauen beim Ausfischen in Memmingen mitmachen?

Nur Männer im Stadtbach: Dieses Bild soll der Vergangenheit angehören, findet eine Memminger und klagt gegen den Verein.
Bild: Karl-josef Hildenbrand, dpa

Ein Mitglied erhebt Diskriminierungsvorwürfe gegen den Memminger Fischertagsverein. Es wird wohl einen Prozess am Amtsgericht geben.

Ob Frauen in Zukunft am Fischertag in den Stadtbach jucken dürfen, bleibt erst einmal weiter unklar. Ein weibliches Vereinsmitglied hatte im Frühjahr beim Amtsgericht Memmingen eine entsprechende Zivilklage eingereicht. „Vor November kommt es auf keinen Fall zu einer Verhandlung“, sagte Amtsgerichtsdirektor Reiner Egger auf Anfrage unserer Redaktion.

Klägerin will wissen: Ist das Frauen-Verbot rechtmäßig?

„Umfangreiche Schriftsätze“ seien diesbezüglich momentan noch unterwegs – zwischen der Klägerin beziehungsweise ihrer Anwältin sowie dem Vorstand des Fischertagsvereins und dem Gericht. Laut Egger will die Klägerin juristisch geklärt haben, ob das Frauen-Verbot in der Fischertagsgruppe der Stadtbachfischer rechtmäßig ist. Laut Vereinssatzung obliegt das Ausfischen ausschließlich männlichen Vereinsmitgliedern. Nachdem die Klägerin zweimal in der Delegiertenversammlung als höchstem Entscheidungsgremium des Vereins mit Anträgen auf Frauenzulassung mit deutlicher Mehrheit gescheitert war, will sie nun eine juristische Klärung. Das Amtsgericht soll auf Basis des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes und Artikel 3 des Grundgesetzes prüfen, ob aus Gleichstellungsgründen auch Frauen in den Stadtbach jucken dürfen.

„Es ist bedauerlich, dass der Vorstand nicht selbst erkennen kann, dass er seiner Pflicht nicht genügt, alle Mitglieder gleichzubehandeln, sondern Mitglieder allein wegen ihres Geschlechts benachteiligt“, erklärte die Berliner Anwältin Susann Bräcklein für ihre Mandantin bereits im Juli. „Im satzungsmäßigen Zweck hat er sich selbst dem Nutzen der Allgemeinheit verpflichtet. Zur Allgemeinheit gehören eben nicht nur Männer, sondern auch Frauen sowie Zugang zu und Teilhabe an allen Gruppen und Veranstaltungen, Ritualen et cetera“, so die Juristin.

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Anwältin: Verein beruft sich auf falsch aufgefasste Tradition

Dem Vorstand wolle offenbar nicht einleuchten, dass die Grundrechte auch für gemeinnützige Vereine wie den Fischertagsverein gelten. Das sei aber ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. „Der Vorstand beruft sich zwar unentwegt auf eine Tradition. Gerade der Blick in die Geschichte zeigt aber, dass Frauen und Mädchen durchaus rege am Ausfischen beteiligt waren“, verweist Bräcklein auf einen Artikel im „Spiegelschwab“. Und betont: „Auch Frauen sind traditionsbewusst.“ Es gebe keine zwingenden Gründe, Frauen und Mädchen vom Ausfischen auszuschließen. „Es müssen nicht alle Memmingerinnen am Ausfischen teilnehmen. Nur die, die wollen.“

Die Anwältin fordert: „Der Vorstand sollte unverzüglich die Satzungsänderung empfehlen, bevor ein Gericht die Unwirksamkeit der geschlechtsdiskriminierenden Satzungsregelung feststellt und Entschädigungszahlungen ausurteilt, wie sie die europäischen Vorgaben fordern, um von zukünftigen Diskriminierungen abzuhalten.“

Auf derlei Forderungen reagiert der Vorstand des Fischertagsvereins gelassen. „Wir glauben, dass wir eine gute Argumentation haben, warum die Satzung aus unserer Sicht stimmig ist“, erklärt Vorsitzender Michael Ruppert. Seine Ausführungen hat der Verein über einen Anwalt dem Gericht zukommen lassen. „Jetzt müssen die Juristen entscheiden“, so Ruppert. Er hoffe, dass ein Urteil zugunsten des Vereins ausfalle. Und dass Klarheit noch vor dem Wallenstein-Fest im kommenden Jahr besteht. (arz)

Die Vorgeschichte zur Klage und mehr zum traditionellen Ausfischen in Memmingen lesen Sie hier: Frau kämpft dafür, "Stadtbachfischer" zu werden

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