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Landkreis Neu-Ulm

19.08.2020

Sommer am See: Diese Buchtipps geben unsere Redakteure

Nichts mehr zum Lesen? Redakteure geben Buch-Tipps.
Bild: Jens Kalaene, dpa

Plus Reisen ist aufgrund der aktuellen Situation immer noch schwierig. Warum also nicht an den See mit einer Lieblingslektüre? Unsere Redakteure geben Buchtipps.

Der Sommer ist bereits in vollem Gange. Die aktuelle Lage macht Wegfahren im Urlaub schwieriger. Warum also nicht statt ans Meer an den Badesee daheim um die Ecke? Dazu noch ein Buch und dem Abschalten steht nichts mehr im Wege. Sollten Ihnen die Lieblingslektüren ausgegangen sein. Die Redakteure der Illertisser und der Neu-Ulmer Zeitung haben folgende Buchtipps für Sie:

Die sieben Schwestern von Lucinda Riley

Großartig verkopfen will ich mich nicht, wenn ich am See liege. Zumal ich mich leicht ablenken lasse. Vom tropfnassen Kind, das am Handtuch vorbei hüpft oder vom Bedürfnis, dringend in ein Stück Wassermelone beißen zu müssen. Die See-Lektüre darf also leicht sein, unterhaltsam. Und sie soll in diesem seltsamen Corona-Jahr, in dem der Urlaub vor der Haustür stattfindet, zum In-die-Ferne-Schweifen einladen, zumindest gedanklich. Gefunden: „Die sieben Schwestern“, eine Romanreihe der in Irland geborenen Autorin Lucinda Riley. Aktuell sechs Schmöker, jeder davon einer der Schwestern gewidmet, die im Grunde gar keine sind.

Nach dem überraschenden Tod ihres Adoptivvaters bekommen sechs junge Frauen Koordinaten jener Orte in die Hände, an denen „Pa Salt“ sie als Babys gefunden hatte. Die charakterlich ganz unterschiedlichen Schwester begeben sich auf eine Spurensuche, kramen in der Vergangenheit, reisen um die Welt, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Im ersten Band etwa geht es um die älteste Schwester Maia, deren Wurzeln in Rio de Janeiro liegen (Hach, Brasilien!), im zweiten stellt Ally Nachforschungen an, die sie in den hohen Norden führen (Hach, Norwegen!).

Da es in jedem Roman zwei Handlungsstränge gibt, erfährt der Leser auch eine Menge über das Leben der Vorfahren, deren Heimatländer und Probleme mit einstigen gesellschaftlichen Konventionen. Und über allem steht die Frage: Was ist aus der siebten Schwester geworden, die der Adoptivvater nie mit nach Hause brachte? Der siebte Band der Reihe („The lost sister“) wird ihr gewidmet – er soll voraussichtlich im Herbst erscheinen. Gut, dass zuvor unser „Sommer am See“ zum Aufholen da ist. (stz)

Die sieben Schwestern von Lucinda Riley, Goldmann Verlag, etwa 20 Euro pro Band.

Das Leben ist eins der Härtesten

Die Gefährten dürfen nicht scheitern. Das Dunkle will besiegt sein und der Ring muss recyclinggerecht im Vulkanfeuer enden, damit auch der kleinste Held mit behaarten Füßen am Ende wie ein König strahlt! Stop. Es geht auch bescheidener: Eine Gemeinschaft von tollpatschigen Antihelden, Gefährten im Normaloformat, scheitert in Giulia Beckers „Das Leben ist eins der Härtesten“ durch die wahre, gewöhnlich-verrückte Welt. Mittelmaß statt Mittelerde, pathosbefreit – dafür aber ulkig, herzlich und allzu menschlich.

Silke – verschuldet, geschieden, vom reumütigen Ex-Mann verfolgt – ist die gute Seele der Bahnhofsmission in Borken und so etwas wie der liebe Frodo in dieser Geschichte. In Silkes Nachbarwohnung wohnt zwar kein Gandalf, dafür aber die starrköpfige, hochbetagte Frau Goebel, die einen irrsinnigen Faible für Papageien entwickelt. Willy-Martin wiederum hat sich vertindert: Seine Liebelei klebt jetzt wie Pech an ihm, die Frau hält ihn im Schwitzkasten und lässt ihren kalbsgroßen Hund auf sein Sofa sabbern. Der Gollum in der Runde, in dessen Brust zwei Seelen hausen, ist Renate. Erspäht ihr Blick einen Ring oder hübschen Tand beim Teleshopping, kann sie gar nicht anders: kaufen, kaufen, kaufen! Doch dieser Rausch ist Trauer-Arbeit. Ihr Malteser-Mischling „Mandarine Schatzi“ ist gestorben, erstickt in einer Punica-Flasche. Ein Auenland gibt es für diese vier Menschen nicht – aber einen Freizeit-Park namens „Tropical Island“. Und dorthin reisen die Gefährten.

Diese Figuren bewegen sich zwischen Unterkante Mittelschicht und Fensterblick Souterrain. Giulia Becker zeichnet sie mit Liebe, aber ohne sie schönzupinseln oder gar mit Mitleid abzukanzeln. Eine einsame Renate darf sich wie ein nervtötender Bulldozer benehmen – liebenswert bleibt sie trotzdem. Mit ihrem Erstlingsroman gewann Becker 2019 den Debütpreis der „lit.Cologne“. Zurecht. „Das Leben ist eins der Härtesten“ ist ein überdrehter und doch grundehrlicher Lach- und Tränenschmöker, also ideale Baggersee-Lektüre. Es muss ja nicht immer „Tropical Island“ sein. (veli)

Das Leben ist eins der Härtesten, erschienen bei Rowohlt, elf Euro.

Tschick: Zwei Jungs, ein geklauter Lada und lange Sommerferien

Freiheit schnuppern und in den Zauber ungeplanter Reisen eintauchen – Tschick (2010) von Wolfgang Herrndorf ist das perfekte Buch für den Urlaub daheim. Alles deutet für den Jugendlichen Maik auf einen tristen Sommer hin: Die Mutter ist auf Entzug, der Vater im Urlaub mit seiner schönen Assistentin und Maik – ist daheim. Ohne Freunde, ohne eine Einladung zur Party seiner Flamme, ohne Pläne. Bis Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, ein seltsamer Außenseiter aus der Schule, in Maiks Einsamkeit platzt. Damit nimmt der Sommer eine Wendung.

Eine Freundschaft, die zwei Jungen den Sommer rettet: Maik und Tschick reisen gemeinsam durch den Osten Deutschlands.
Bild: Christian Charisius, dpa (Symbolfoto)

In einem gestohlenen blauen Lada brettern die beiden 14-jährigen Jungen ohne Karten und Kompass durch den Osten Deutschlands. Das vage Ziel: die Walachei. Sie begegnen herzlich-schrulligen Menschen und erleben Verfolgungsjagden mit der Polizei. Herrndorf erzählt das Abenteuer der zwei Jungen in lebendiger Sprache, mit Humor und Tiefgang. Denn bei all dem Spaß, den Maik und Tschick bei ihrer Reise erleben – zwischen den Zeilen klingt auch ihre Einsamkeit mit, das Ringen um einen Platz in der Welt, der Wunsch nach Nähe und Freundschaft. Der Roman des deutschen Autors wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und 2016 verfilmt. (akas)

Tschick von Wolfgang Herrndorf, erschienen bei Rohwolt, zehn Euro.

Meteor: Spannende Geschichte in eisigen Gefilden

Dieses Buch zählt zwar nicht mehr zu den jüngsten, ist aber nach wie vor sehr spannend zu lesen und die Ausgangslage hat fast 17 Jahre nach Erscheinen des Thrillers noch immer eine große Brisanz. Ein weiterer Pluspunkt an heißen Sommertagen: Ein Großteil der Handlung spielt sich in der eiskalten Arktis ab. Das verschafft dem Leser eine willkommene Abkühlung, wenn er gedanklich mitten im Geschehen ist. Die Rede ist von „Meteor“ von Dan Brown. Der US-Autor ist auch bekannt für die Bestseller „Illuminati“ und „Sakrileg“.

Um was geht es in „Meteor“? Der Autor schildert eine sensationelle Entdeckung, welche die US-Raumfahrtbehörde Nasa mithilfe modernster Satelliten-Technologie im ewigen Eis der Arktis macht. Die Organisation steht politisch stark unter Druck, der Fund könnte daher auch ihren schärfsten Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. So erspähen die Forscher einen ungewöhnlich großen Meteoriten, der tief im Eis verborgen liegt und offenbar auch von einer außerirdischen Lebensform besiedelt wird. In einem Düsenjet wird Rachel Sexton, Mitarbeiterin des Geheimdienstes, an den Fundort geschickt. Kleiner Einschub: Allein diese Passage wird Lesern, die heuer gerne für eine Urlaubsreise in ein Flugzeug gestiegen wären, es aber wegen Corona nicht können oder wollen, besonders gut gefallen. Sextons Auftraggeber ist jedenfalls kein geringerer als der US-Präsident.

Es ist nicht nur spannend zu erfahren, was die Forscher über den Meteor herausfinden. Es gibt auch eine interessante menschliche Konstellation: So will der Vater der Protagonistin den Präsidenten bei der nächsten Wahl herausfordern. Obendrein würde er die Nasa am liebsten abschaffen. Doch im Hintergrund wirken noch andere Mächte. Plötzlich ist ein Wissenschaftler tot. Und auch Rachel Sexton fürchtet bald um ihr Leben. (jsn)

Meteor von Dan Brown, erschienen bei Bastei Lübbe, zwölf Euro.

Bretonische Spezialitäten gegen das Fernweh nach Carnac

Wem es diesen Sommer zu weit ist, um in die bretonische Partnerstadt Carnac zu reisen, kann zumindest etwas über die Bretagne lesen.
Bild: Regina Langhans (Archiv)

1206 Kilometer. So viel trennt Illertissen von seiner bretonischen Partnerstadt Carnac. Dieses Jahr scheint die Strecke sich gefühlt verdoppelt zu haben – denn im Corona-Sommer 2020 steht bereits fest, dass es die eigentlich in diesem September anstehende Bretonische Woche nicht geben wird. Und damit auch keine Leckereien von der französischen Westküste, die sonst im Gepäck der Gäste aus der Partnerstadt mit nach Illertissen reisen.

Doch es gibt einen kleinen Ersatz für entgangene Sardinen, Austern und Kuign Amann, den buttrigen Kuchen: die Bücher von Jean-Luc Bannalec alias Jörg Bong über seinen Kommissar Dupin. Das neueste, „Bretonische Spezialitäten“, ist gerade erschienen und spielt diesmal in der Gegend von St. Malo. Ein delikates Verbrechen gilt es hier zu lösen: Als Dupin in einer Pause durch die Markthallen der Altstadt schlendert, ereignet sich unmittelbar vor seinen Augen ein Mord.

Wer bei seiner Lektüre räumlich näher an Illertissens Partnerstadt ran möchte, dem seien die Bände drei und vier der Reihe ans Herz gelegt: „Bretonisches Gold“ spielt in den Salzgärten der Halbinsel Guérande, anderthalb Stunden Richtung Süden von Lannion entfernt. Den Veilchenduft des Fleur de Sel kann man förmlich riechen, wenn der Kommissar auf der Suche nach der befreundeten Journalistin Lilou Breval zwischen Salinen und tosendem Atlantik ermittelt. Und in „Bretonischer Stolz“ entdeckt eine eigensinnige alte Filmdiva an den Ufern des Bélon, wo die weltberühmten Austern gezüchtet werden, die Leiche eines Mannes. Kommissar Dupin muss sich auch mit dem Thema Sandraub auseinandersetzen – und das nur eine knappe Fahrstunde von Carnac entfernt.

Aber Vorsicht: Erfahrene Bretagne-Fahrer können bei der Lektüre der Krimis von Jean-Luc Bannalec durchaus Heimweh bekommen. Vielleicht sind deshalb eine gekühlte Flasche Cidre und ein paar duftige Crêpes im Strandgepäck eine gute Idee, um das Frankreich-Gefühl mit an den heimischen Baggersee zu nehmen. Yec’hed mat! (rjk)

Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec, Kiepenheuer und Witsch, 16 Euro.

Post: Kurzweiliger Briefwechsel

Zugegeben, diesem Buchtipp merkt man ein kleines bisschen an, dass er aus einer Redaktion kommt. „Post von Karlheinz“ wird aber auch Nicht-Journalisten amüsieren – versprochen! Auf rund 200 Seiten hat Hasnain Kazim, bis 2019 Türkei-Korrespondent für den Spiegel, eine Auswahl von sehr speziellen Leserbriefen und seine Antworten darauf veröffentlicht.

Hasnain Kazim setzt Fremdenhass Humor entgegen.
Bild: Can Merey, dpa

Kazim ist der Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, schlug zunächst die Offizierslaufbahn bei der Marine ein, bevor er Journalist wurde. Als solcher zieht er nicht selten die Wut ganz bestimmter Leser auf sich, von „echten Deutschen“ nämlich. Das verrät der Untertitel des Buches: „Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“. Gekonnt entlarvt Kazim dabei die unstimmigen Argumente der Hassbriefeschreiber. Und das auf eine Art und Weise, die dem Leser immer wieder Lachtränen in die Augen treibt.

Dabei ist das Buch mehr als nur Unterhaltung. Wer sich darauf einlässt, kann auch eine wertvolle Lektion für das eigene Leben lernen: Es kann sich lohnen, Streits und Auseinandersetzungen mit solchen „richtigen Deutschen“, die Hass und Hetze verbreiten, nicht aus dem Weg zu gehen. Kazim schreibt: „Wenn wir schweigen, beginnen wir, den Hass zu akzeptieren. Also, reden wir!“ Reden, aber ohne sich in wenig zielführenden Diskussionen mit Extremisten zu verlieren.

Humor ist Kazims Waffe gegen Nazis und Islamisten. Und sein Buch „Post von Karlheinz“ ist weit mehr als bloßes An-den-Pranger-Stellen der Internet-Kommentatoren und Leserbriefschreiber. Kazim teilt auch seine Gedanken, die er sich als vielfach Betroffener in den vergangenen Jahren über Ausgrenzung und Rassismus gemacht hat. Es ist ein Aufruf an die Menschen, nicht zur schweigenden Mehrheit zu werden, die durch ihr Nicht-Reden die Hetzer stützt. (fwo)

Post von Karlheinz von Hasnain Kazim, erschienen bei Penguin Books, zehn Euro.

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