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30.07.2010

Sprintkönigin Verena Sailer: Der Startschuss fiel in Illertissen

Schon als Siebenjährige wurde Verena Allgäuer Meisterin. Foto: Sailer
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Schon als Siebenjährige wurde Verena Allgäuer Meisterin. Foto: Sailer
Bild: Sailer

Illertissen/Barcelona "Es ist so unglaublich", beschreibt Verena Sailer ihren Sieg beim 100-Meter-Lauf, als die IZ sie gestern auf dem Weg zur Pressekonferenz in Barcelona am Handy erreicht. "Ich konnte lange nicht einschlafen, mir sind die ganze Zeit die Bilder durch den Kopf gegangen", erzählt sie weiter. Verena Sailer ist in Illertissen aufgewachsen. In der Vöhlinstadt und im benachbarten Vöhringen hat sie ihre Liebe zum Sprint entdeckt. Und sie wurde immer schneller.

"Ich wollte diesen Sieg unbedingt"

Am Donnerstagabend hat sie die versammelte europäische Konkurrenz abgehängt und in 11,10 Sekunden das geschafft, was seit 20 Jahren keiner deutschen Sprinterin mehr gelungen ist: eine EM-Goldmedaille in der Königsdisziplin. Zuletzt stand die frühere DDR-Läuferin Kathrin Krabbe bei der EM 1990 ganz oben auf dem Treppchen. "Beim Start denke ich an gar nichts, mein Kopf ist vollkommen leer", so Sailer. Die Französin Veronique Mang, die ihr bis zum Ziel knapp auf den Fersen blieb, hat sie schon wahrgenommen. "Ich musste gut dagegenhalten, aber ich wollte den Sieg unbedingt", beschreibt sie den Lauf. Und sie wurde belohnt - ein Höhepunkt ihrer Karriere.

Angefangen hat alles in Illertissen. Hier wurde Verena Sailer 1985 geboren und hier fiebern noch immer alte Förderer und Weggefährten mit, wenn sie an den Start geht. Und das sind einige, denn schon als fünfjähriges Mädel brachte sie ihre Mutter ins Kunstturnen. "Bei ihrer ersten Trainerin hat sie Körperbeherrschung gelernt", erzählt Hannelore Sailer, die stolze Mutter, gestern am Telefon. Das harte Training habe ihr gut getan, auch mental. "Schon damals hat sich abgezeichnet, dass sie einmal Profisportlerin werden könnte", erinnert sich Hannelore Sailer.

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Und auch Ulrike Notz, besagte Trainerin, war schon früh von Verenas sportlichem Talent überzeugt: "Sie war schon immer so flink und zartgliedrig." Mit fünf Jahren sei sie mit der Mannschaft sogar bayerische Meisterin im Kunstturnen geworden. Für die deutsche oder gar internationale Spitze hätte es aber wohl nicht gereicht. Stattdessen habe sich bei gelegentlichen Stippvisiten in die Leichtathletik gezeigt, dass sie dort ihre Stärken hat. "Ich habe ihr dann nahegelegt, sich ganz auf die Leichtathletik zu fokussieren", so Notz.

Mutter Hannelore hat diesen Schritt ebenfalls unterstützt: "Verena hat vier bis sechs Mal in der Woche Turntraining gehabt und das jeweils drei Stunden." Das sei neben der Schule einfach zu viel gewesen. Darum habe sie den Umzug nach Vöhringen auch genutzt, um ganz zur Leichtathletik zu wechseln. Dort seien die Trainingseinheiten weniger gewesen.

Siegfried Reinhard hat sie unter seine Fittiche genommen

Beim SC Vöhringen nahm sie dann Siegfried Reinhard unter seine Fittiche. "Sie war wirklich hervorragend, schon als Elfjährige konnte man ihr Talent erkennen." Doch zunächst habe sie sich nicht auf das Sprinten spezialisiert. "In diesem jungen Alter trainieren die Mädchen vielseitig", so Reinhard. Auch beim Weit- und Hochsprung sei Verena gut gewesen.

Nach zwei sportlich erfolgreichen Jahren zog die Familie dann nach Kempten. "Ich habe zu ihr gesagt, dass sie unbedingt weitermachen muss", so Reinhard. Doch am Anfang fiel ihr der Wechsel schwer, sie konnte nicht richtig Fuß fassen. "In Vöhringen hatte sie doch eine ziemlich homogene Truppe und gute Freunde", erklärt Reinhard. Erst als ihr jetziger Trainer, Valerij Baur, angefangen habe, sie zu fördern, sei es bergauf gegangen. Der gleichen Meinung ist Adolf Klein, ehemaliger Vorsitzender des Bayerischen Leichtathletik-Verband-Kreises Allgäu aus Jedesheim: "Ich habe ihre Karriere stets beobachtet. Und Valerij Baur hat sie dorthin gebracht, wo sie heute steht."

So denkt auch Hannelore Sailer über ihre rasante Tochter: "Bei den beiden hat es von Anfang an gepasst." Verena sei bei Baur und dessen Frau, die Physiotherapeutin ist, wie in einer Familie aufgehoben. "Er ist einer der Gründe dafür, dass es am Donnerstag geklappt hat", sagt die Mutter. Der Vater von Verena Sailer, Erwin Sailer, wohnt noch in Illertissen. Er war gestern für eine Stellungnahme leider nicht zu erreichen.

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