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Kollegs-Festhalle

27.01.2014

Strahlende Spielfreude und technische Brillanz

Am Ende eines faszinierenden Konzertes stellte sich das „Philharmonia Quartett“ mit den Pultsolisten der Berliner Philharmoniker auf der Kollegsbühne der Kamera, nachdem während der Darbietungen nicht fotografiert werden durfte. Unser Bild zeigt von links: Neithard Resa (Viola), Christian Stadelmann (Zweite Violine), Daniel Stabrawa (Erste Violine) und Dietmar Schwalke (Violoncello).
Bild: Wilhelm Schmid

Das Philharmonia Quartett aus Berlin liefert einen Auftritt der Extra-Klasse

Illertissen Man muss es ihm lassen: Wenn Fritz Unglert beim „Freundeskreis Kultur im Schloss“ das Publikum zu einem „sensationellen Abend“ begrüßt, dann hat er einfach recht. Ein Paradebeispiel dafür erlebten die Zuhörer am Samstag in der sehr gut besetzten Kollegs-Festhalle. Schon der als „Vorprogramm“ titulierte Auftritt eines Streichquartetts der Biberacher Bruno-Frey-Musikschule hatte dieses Prädikat verdient, denn wo sonst hört man vier junge Leute zwischen zwölf und 14 Jahren, die den Allegrosatz aus Joseph Haydns „Quintenquartett“ Opus 76 Nr. 2 so engagiert und blitzsauber musizieren?

Der Freundeskreis blieb damit seiner Linie treu, junge Talente zu fördern, und so hatten Paula Kuss, Maria Böhle, Daniel und Tobias Klessinger mit ihrem Lehrer Günther Luderer schon vor dem Konzert von einer Workshop-Stunde mit den Stars des Abends profitiert. Der begeisterte Beifall war gerade am Verklingen, als diese die Bühne übernahmen. Das „Philharmonia Quartett“, bestehend aus vier Pultsolisten der Berliner Philharmoniker, gastierte im Rahmen seiner Deutschlandtournee und hatte ein exquisites Programm vorbereitet.

Am Beginn stand Joseph Haydns „Reiterquartett“ Opus 74 Nr. 3, und sofort wurde deutlich, dass es hier etwas Besonderes zu hören gab: Von den ersten Mazurka-ähnlichen Allegro-Takten über das Largo, oft als eines der schönsten der gesamten Klassik bezeichnet, und ein ländlerisch anmutendes Menuett bis zur Wiederkehr des „Reiter-Themas“ am Ende des vierten Satzes spannte sich ein grandioser Bogen, der geradezu strahlte von Spielfreude, hoch differenziertem Ausdruck und ganz selbstverständlich scheinender technischer Brillanz.

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Daniel Stabrawa als Primarius, Christian Stadelmann, Zweite Violine, Neithart Resa, Viola, und Dietmar Schwalke, Violoncello, haben es auch keineswegs nötig, sich wie Fernseh-Stargeiger zu produzieren; sie stellen sich voll und ganz in den Dienst der Musik und erzielen gerade damit ihre Welterfolge. Selten werden die Besucher ein solches Maß an atemloser Spannung im Konzertsaal erlebt haben, wie dies hier der Fall war. Ebenso zog das folgende Streichquartett in a-Moll, Opus 13, von Felix Mendelssohn Bartholdy das gesamte Publikum in seinen Bann. Die Interpretation des Philharmonia Quartetts war dem hohen kompositorischen Rang des Mendelssohn-Frühwerks – es wird oft als sein Nachruf auf Beethoven gesehen – durchaus ebenbürtig.

Nach der Pause musste dem Abschluss dieser bereits höchst respektablen Perlenkette aus wertvollen Kompositionen und faszinierenden Interpretationen definitiv das Prädikat „sensationell“ zuerkannt werden: Giuseppe Verdi, der große Dramatiker, hat ein einziges Streichquartett komponiert, und warum das in e-Moll gehaltene Werk so extrem selten im Konzertsaal zu hören ist, wurde schnell deutlich, als die vier Sätze – Allegro, Andantino, Prestissimo, Scherzo-Fuga – erklangen. Ein Höchstmaß an technischem Können wird verlangt, das sich wohl nur wenige Quartette live auf der Bühne zutrauen. Die vier Herren aus Berlin taten dies mit wohltuender Unaufgeregtheit, worin gerade der Schlüssel zum Erfolg lag.

Es würde zu weit führen, die Leistung jedes Einzelnen zu würdigen, deshalb nur ein Beispiel: Die Violoncello-Kantilene im Trio des dritten Satzes gehört wohl zum Schönsten, was je für dieses Instrument geschrieben wurde und die Interpretation durch Dietmar Schwalke wurde diesem Anspruch auf begeisternde Weise gerecht. Sowohl die virtuosen Spitzenanforderungen als auch das wunderbar klangfreudige Musizieren in echter Verdi-Opernmanier lösten beim Publikum Faszination aus, die sich dann in anhaltend-begeistertem Applaus entlud. Das Menuett aus Haydns „Lerchenquartett“ als Dank dafür schloss mit seinem markanten Rhythmus den Kreis zum einleitenden „Reiterquartett“ und um den Beifallssturm zu beruhigen, gab es das „Adagio cantabile“ aus demselben Werk als zweite Zugabe, womit ein denkwürdiger Konzertabend sein Ende fand.

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