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Kriminalität

08.11.2017

Tatort: Bahnhof

Am Bahnhof in Illertissen gibt es immer wieder Arbeit für die Polizei. Kürzlich wurde ein Vorfall, bei dem angeblich zwei Männer eine Frau geschlagen haben, am Neu-Ulmer Amtsgericht verhandelt.
Bild: Franziska Wolfinger

Rund um das Gebäude in Illertissen gibt es immer wieder Arbeit für die Polizei. Dort kommt es häufig zu Auseinandersetzungen. Ein Streit landete nun vor Gericht

Zwei Männer haben einer Frau am Illertisser Bahnhof ins Gesicht geschlagen, einer der beiden sogar mit der Faust. Die Frau ging bewusstlos zu Boden. So soll sich der Streit laut Anklage zugetragen haben, der nun am Neu-Ulmer Amtsgericht verhandelt wurde.

Der Bahnhof in Illertissen tauchte im vergangenen Jahr häufiger als Tatort im Polizeibericht auf. Erst vor wenigen Wochen gab es wieder einen Vorfall. Betrunkene pöbelten vorbeigehende Passanten an. Eine Polizeistreife verwies die alkoholisierten Personen des Platzes und konnte so wohl weiteren Ärger verhindern. Jürgen Salzmann, Pressesprecher der Illertisser Polizeiinspektion, sagt: „Bahnhöfe sind immer ein Anziehungspunkt für gewisse Leute, denen es langweilig ist.“ Die Bahnreisenden selbst machten in der Regel keine Probleme.

Auch die Gruppe Jugendlicher, die Zeugen des am Amtsgericht verhandelten Falls waren, nutzen den Bahnhof regelmäßig als Treffpunkt für ihre Clique. Die Teenager wollten bei dem Streit, zu dem es im April dieses Jahres gekommen war, dazwischen gehen. Ein 14- und ein 17-Jähriger sagten bei dem Prozess aus. Beide verstrickten sich bei ihrer Befragung aber in diverse Widersprüche. Was sie erzählten, unterschied sich deutlich von dem, was sie bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatten.

Zum Bahnhof als Kriminalitätsschwerpunkt sagt Pressesprecher Salzmann weiter, je größer der Bahnhof sei und je mehr Angebote, wie Kneipen oder Kioske, es gebe, desto mehr Leute hielten sich dort auf. So war auch bei dem besagten Fall der Kiosk Tatort. Dort trafen damals die beiden Angeklagten und die Geschädigte betrunken aufeinander. Angefangen hatte der Streit wohl, weil sich die 43-jährige Ex-Lebensgefährtin eines der beiden Angeklagten zu den Männern an den Tisch setzte.

Dass Auseinandersetzungen aus zufälligen Zusammentreffen heraus entstehen, sei ebenfalls typisch für Konflikte im öffentlichen Raum, insbesondere am Bahnhof, erklärt Salzmann. Weiter sagt er, schwere Kriminalität, wie etwa massive Sexualdelikte, habe es in der vergangenen Zeit am Bahnhof Illertissen glücklicherweise nicht gegeben. Ziel der Polizei sei es, Konflikte möglichst frühzeitig zu unterbrechen. Die Streifen in Illertissen seien deshalb mit am häufigsten am Bahnhof unterwegs. Weil es bei Polizei und Stadt immer wieder Beschwerden über Vorkommnisse gebe, zeigten die Beamten dort derzeit verstärkt Präsenz, sagt Salzmann.

Damit rechtzeitiges Eingreifen möglich ist, sei außerdem wichtig, dass Bürger gleich die Polizei rufen, wenn etwas nicht ganz richtig zu sein scheint. „Wer die Nummer der örtlichen Polizei nicht parat hat, kann gerne auch die 110 wählen“, sagt Salzmann. Ärger müsse niemand befürchten, auch wenn sich hinterher herausstellt, dass der beobachtete Vorfall doch harmlos war.

Wie der angebliche Angriff auf die Frau in Illertissen tatsächlich abgelaufen ist, konnte Richterin Gabriele Buck nicht mehr rekonstruieren. Nicht nur wiedersprachen sich die jugendlichen Zeugen, auch konnte sich die Geschädigte nicht erinnern, wie sie überhaupt bewusstlos wurde. Während der 50-jährige Angeklagte der Frau von Anfang an boshafte Absichten unterstellte, belastete diese zumindest ihren ehemaligen Lebensgefährten in ihrer Aussage nicht. Laut dem 50-Jährigen wolle die Frau ihren Ex bloß ins Gefängnis bringen. Dort hält er sich aber derzeit ohnehin schon auf: Er sitzt gerade die sieben Monate ab, zu denen ihn Richterin Buck bei seinem vorangegangenen Besuch vor Gericht verurteilt hatte. Der 48-Jährige ist unter anderem wegen Beleidigung, Falschaussage und Körperverletzung vorbestraft. Er räumte auch ein, in der Vergangenheit schon gegen das Opfer gewalttätig geworden zu sein: „Ich habe sie schon geschlagen, das geb’ ich zu. Aber nicht an diesem Tag.“ Weil auch keiner der Zeugen einen Schlag gesehen hatte, sprach die Richterin den Mann diesmal frei.

Dass der zweite Angeklagte zugeschlagen hatte, sah das Gericht aber als bewiesen an. Er wurde zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Der Mann kündigte an, das Urteil nicht zu akzeptieren. Er sei unschuldig und wolle deshalb in Berufung gehen, sagte er im Gerichtssaal.

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