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Babenhausen

06.08.2019

Technikmuseum: Niemand soll sagen „Was war nochmal ein Walkman?“

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4 Bilder
Michael Mayr (links) und Werner Schönwälder verbinden die Schüler per Funk mit der weiten Welt und löten zusammen mit ihnen kleine elektronische oder mechanische Schalteinrichtungen.
Bild: Fritz Settele

Eine Umfrage hat ergeben, dass Jugendliche viele alte Geräte nicht mehr kennen. Dem widersprechen die Ehrenamtlichen des Babenhauser Technikmuseums – aus gutem Grund.

Die Hälfte der Jugendlichen weiß mit einem Walkman „so gar nichts anzufangen“. Bei der Diskette sieht es noch schlechter aus. So lautet das Ergebnis einer Umfrage von Bitkom Research, die unsere Zeitung vor Kurzem auf der Seite Digitales veröffentlicht hat. Immerhin rund jeder dritte Befragte wusste demnach, was Telefone mit Wählscheibe und Faxgeräte sind. Das Fazit lautete dennoch: Vielen Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren sind wichtige Technologien und Geräte aus vergangenen Jahrzehnten kein Begriff mehr. Eine Nachricht, die Susanne Huber, Leiterin des Museums für Technik und Kommunikation (MTK) in Babenhausen, nicht so stehen lassen will.

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Ihrer Ansicht nach gilt diese Aussage für die Babenhauser Jugendlichen nämlich keineswegs. Die meisten von ihnen könnten die beschriebenen Geräte während eines Museumsbesuchs im Keller des Schulzentrums im wahrsten Sinne des Wortes noch „begreifen“. Dort sind Exponate wie ein Wählscheibentelefon ausgestellt und dürfen sogar bedient werden. Ob Kindergartenkinder oder Schüler: Der Besuch des MTK gehört für viele praktisch zum Pflichtprogramm.

Schüler können mehr über Amateurfunkanlage erfahren

Es ist schon erstaunlich, was die Museumsmacher alles zusammengetragen haben. Die Sparte Kommunikation widmet sich der Lehmtafel ebenso wie dem Internet, der Schreibmaschine oder dem Laserdrucker. Ein altes Trichtergrammophon ist im Bereich Schall und Magnetismus vorhanden, auch alte Spulentonbänder. Von der Apfelbatterie bis zum Dynamo reicht die Sparte Elektrizität. Die Besucher können aber auch alte Fotoapparate und Videoaufnahmegeräte bestaunen.

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Alle diese Themen werden im MINT-Unterricht – das steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – an der Anton-Fugger-Realschule Babenhausen vermittelt. Sie ist eine von sechs schwäbischen MINT21-Projektschulen in Bayern. Im Museum bringen die Ehrenamtlichen Susanne Huber, Werner Schönwälder und Michael Mayr die Inhalte anhand praktischer Anwendungen näher. So verbinden beispielsweise Schönwälder und Mayr Babenhausen über eine Amateurfunkanlage mit der weiten Welt und fertigen mit Schülern Lötarbeiten an. Diese reichen von einfachen Morsegeräten bis zu kleinen Musikorgeln. Unterstützt wird das Team um Susanne Huber von Siggi Müller, der sich dem Bereich Foto (vom Film bis zur Entwicklung) verschrieben hat, sowie von Johann Kreuzpointner, der sich in vielerlei Funktionen einbringt.

Fachoberlehrerin Manuela Wörz-Klug fungiert als Bindeglied zwischen Museum und Realschule. Sie streicht den hohen Stellenwert dieser Kooperation heraus, die sich in vielerlei Hinsicht positiv im Unterrichtsalltag bemerkbar mache. Das einstündige Pflichtfach MINT für alle Fünftklässler der Realschule stoße auf große Begeisterung, zumal keine Benotung stattfindet. Das belegen einerseits Feedback-Bögen („Nichts war nicht gut!“), andererseits die Tatsache, dass oftmals Schüler ihre Pause opfern, um länger im Museum sein zu können.

Susanne Huber (l.) zeigt einen Walkman, Johann Kreuzpointner ein Wählscheibentelefon, Manuela Wörz-Klug Disketten.
Bild: Fritz Settele

Doch auch die Grund- und Mittelschule nutzen diese Einrichtung. So hatte der ehemalige Mittelschulrektor Wolfgang Ostermann vor einigen Jahren einen Laufzettel entwickelt, um die Schüler noch besser mit den Exponaten vertraut zu machen. Zudem dienten diese als Grundlage für schulische Projektarbeiten. Günstig ist dabei die Lage des MTK im Keller des Schulzentrums – auch wenn der Historische Verein, dessen Unterabteilung das Museum ist, dies anfangs skeptisch beäugt hatte.

Die Basis für das Museum legte die Sammlung von Otto Löw, welche der Historische Verein nach dessen Tod erhielt. Die erste Ausstellungsvariante in der sogenannten „Kist“ in Babenhausen hieß noch „Mechanisch – Analog – Digital“ und stand unter dem Motto: „Vom Gestern für’s Morgen lernen!“. Gleichzeitig wurde die rasend schnelle Entwicklung insbesondere in Sachen Computer dokumentiert.

Dank zahlreicher Gerätespenden wächst das MTK Monat für Monat. Das wird nicht nur in den zwei Ausstellungsräumen sichtbar, sondern auch im inzwischen hinzugekommenen Lagerraum, in dem wertvolle Exponate darauf warten, präsentiert zu werden.

Radios und Aufzeichnungsgeräte aus mehreren Jahrzehnten schmücken diese Wand.
Bild: Fritz Settele

Kein Wunder also, dass das MTK anlässlich einer Fachtagung der Bayerischen Museums-Akademie im Textil- und Industriemuseum in Augsburg als „hervorragendes Beispiel für die Vernetzung von Schule und Museum bezeichnet wurde. Der Mindelheimer Kulturamtsleiter Christian Schedler zeigte sich nach einem mehrstündigen Besuch von der Sammlung und Präsentation der Stücke begeistert. Deshalb wird das MTK unter anderem in einen demnächst erscheinenden Flyer unter der Rubrik „Nichtstaatliche Museen des Unterallgäus“ aufgenommen.

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