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Babenhausen

28.01.2020

Terror in Rosarot: Gelungenes Gastspiel im Theater am Espach

Mit „Demut vor deinen Taten Baby“ gastierte das Landestheater Schwaben in Babenhausen. Das Bild zeigt die drei Darstellerinnen (von links): Josephine Bönsch, Franziska Roth und Anke Fonferek.
Foto: LTS/Forster (Archivbild)

Das Landestheater Schwaben präsentiert mit „Demut vor deinen Taten Baby“ ein gelungenes Gedankenspiel in Babenhausen.

Eine rosafarbene Sprengstoffweste um den Leib geschnallt, tanzt die Attentäterin durch den Club. Während die vermeintlichen Opfer erwarten, dass Blut spritzt, flattert Konfetti durch die Luft. Die Menschen zittern und bangen – und sie feiern das Leben, als sie den Terroranschlag heil überstehen. Sinnbildlich singt David Bowie im Hintergrund „Ch-ch-ch-ch-changes“. Und in der Tat lassen Veränderungen im Wesen der Menschen nicht lange auf sich warten.

Es ist ein skurriles Gedankenspiel, um das sich Laura Naumanns Satire „Demut vor deinen Taten Baby“ dreht: Kann ausgerechnet Terror die Welt zu einem besseren Ort machen? Was, wenn die Gesellschaft ihre Ängste überwindet?

Das Landestheater Schwaben gastierte mit der Inszenierung von Anne Verena Freybott im Theater am Espach in Babenhausen. Das komplett in Rosarot gehaltene Bühnenbild: reduziert, dennoch oder gerade deswegen effektvoll. Die Länge des Stücks: dito. 60 Minuten reichten den drei einzigen Darstellern auf der Bühne (Josephine Bönsch, Anke Fonferek und Franziska Roth) aus, um das Publikum nachdenklich zu stimmen.

Die „fucking Apokalypse“ beginnt im Damenklo. Bettie, Lore und Mia haben sich in drei Kabinen verschanzt. Am Flughafen herrscht Bombenalarm, ausgelöst wegen eines herrenlosen Koffers, und die drei Frauen harren aus. Todesangst. Dann: Entwarnung. Erleichtert, geradezu euphorisch verlassen sie den Airport. Und fassen einen Plan, der das ganze Land aufmischen wird.

Denn nach den qualvollen Minuten im Toilettenraum sehen die neuen Freundinnen die Welt buchstäblich durch die rosarote Brille. Immer wieder stellen sie ihren Schicksalsschlag im heimischen Wohnzimmer nach – und malen sich aus, dass doch alle Menschen ein solches Glück empfinden könnten. Sie beschließen, einen Anschlagssimulator zu bauen, sodass jeder „am Terror teilnehmen“ kann, denn: „Dieses Spiel schweißt zusammen“.

Der Plan scheint nach den ersten vorgetäuschten Attentaten zu gelingen: Das Trio schildert textsicher und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wie sich Leichtsinn breit macht, wie die Menschen Lieder pfeifen und das Wetter genießen.

Den Mächtigen bleibt der Stimmungswandel in der Bevölkerung nicht verborgen. Sie wittern Potenzial: Wer im Moment lebt, verhält sich anders. Kaufkraft, Reiselust, Bruttoinlandsprodukt würden steigen, die Scheidungsrate und der Krankenstand sinken. Die Regierung engagiert das Tussi-Terror-Trio Bettie, Mia und Lore bei Kaffee und Keksen in einem Konferenzraum, damit es das „geile Projekt“ auch überregional umsetzt. Und tatsächlich: Eine Welle des Friedens schwappt durch das Land.

Doch plötzlich rudern die Mächtigen zurück. Die Leute treten aus Versicherungen aus, lösen Konten auf, gehen nicht mehr zur Arbeit, eine Hungersnot droht. Das kapitalistische System bricht zusammen.

Wie sich das Trio in seinen Overalls aus dieser Situation herauswindet? Das wird an dieser Stelle nicht verraten – weitere Aufführungen der ebenso systemkritischen wie unterhaltsamen Satire stehen noch aus. Weitere Informationen dazu unter landestheater-schwaben.de.

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