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Altenstadt/Kellmünz

14.07.2020

Teure Friedhöfe: Wo Gräber bald doppelt so viel kosten

Die Kosten des Friedhofes für die Gemeinde Kellmünz übersteigen die Einnahmen bei Weitem. Der Kellmünzer Marktgemeinderat hat deshalb eine Erhöhung der Grabgebühren beschlossen, die neue Satzung tritt bereits am 1. August in Kraft.
Bild: Armin Schmid

Plus In Kellmünz ist es bereits beschlossen, Altenstadt diskutiert noch. Um die Kosten der Gemeinden zu decken, müssen die Friedhofsgebühren stark ansteigen.

Die eine Gemeinde hat es beschlossen, in der anderen wird die Höhe der neuen Gebühren noch diskutiert: Gräber in Kellmünz und auf den vier Friedhöfen Altenstadts werden in Zukunft teurer. Es geht dabei um einen erheblichen Anstieg der Gebühren.

Weder in Altenstadt noch in Kellmünz decken sich die Einnahmen mit den Friedhofskosten

In Kellmünz wurde deren Höhe bereits beschlossen. Der Gebührenstaffelung entsprechend kosten die meisten Leistungen mehr als doppelt so viel. Der Planer Robert Roller präsentierte beiden Marktgemeinderäten ihre jeweilige Friedhofskalkulation. Weder in Kellmünz noch in Altenstadt deckten sich die aktuellen Einnahmen mit den Kosten. Unter die Friedhofsgebühren fallen dem Planer zufolge vor allem die Pflege der Grünflächen und Bäume. Dazu kämen die Kosten der Verwaltung, des Personals, Wasser und Strom. Ebenso müssten die Preise für Bestattungen und für Gräber angepasst werden.

Um sich einer Kostendeckung zu nähern, hat Kellmünz eine Anpassung der künftigen Preise beschlossen. Die Gebühr wird bei Erdbestattungen und einer Familiengrabstätte mit bis zu zwei Bestattungen 1110 Euro betragen. Bislang mussten hierfür lediglich 443 Euro bezahlt werden. Für ein Familiengrab mit bis zu vier Bestattungen wies die Kalkulation 1590 Euro anstatt der bisherigen 620 Euro an Gebühren aus. Urnengräber werden dagegen nur geringfügig teurer. Eine Urnengrabstätte für bis zu vier Bestattungen wurde kalkulatorisch auf 430 Euro (bisher 310) veranschlagt.

Die Trauerhalle in Kellmünz wird künftig auch bei Urnenbestattungen etwas kosten

Für die Trauerhalle wird eine neue Vorhaltegebühr in Höhe von 420 Euro für jede Bestattung erhoben, auch für Urnenbestattungen, bei denen die Trauerhalle nicht genutzt wird. Dies sei notwendig, um die hohen Kosten ausgleichen zu können. Die Laufzeit beträgt 20 Jahre für ein Familiengrab und jeweils zehn Jahre für ein Kindergrab und eine Urnengrabstätte. Der Zweite Kellmünzer Bürgermeister Helmut Rieder sprach mit Blick auf die „enormen Gebührensteigerungen“ von einem unglücklichen Zustand, den man den Bürgern zumuten müsse. Weiteren politischen Willen im Gremium, die stark ansteigenden Nutzungsgebühren zumindest abgemildert weiterzugeben, gab es nicht. Die Markträte befürworteten die neuen Friedhofsgebühren einstimmig. Die Satzung tritt in Kellmünz zum 1. August 2020 in Kraft.

Die Gemeinde Altenstadt überlegt noch, wie die Gebühren für den Friedhof angepasst werden

In Altenstadt will man von einer radikalen Erhöhung der Kosten Abstand nehmen. Wie Bürgermeister Wolfgang Höß erklärt, ist die Ausgangssituation in Altenstadt und seinen Ortsteilen eine andere. In Kellmünz mit seinem kleineren, dicht belegten Friedhof könnten immer noch moderate Gebühren verlangt werden. Auf den vier Friedhöfen in Altenstadt, Herrenstetten, Untereichen und Osterberg seien Aufwand und Kosten erheblich größer.

Das Thema sei Höß zufolge ein Dauerbrenner in der Gemeinde. Mittlerweile habe man eingesehen, dass man nie eine Kostendeckung erreichen könne. 160.000 Euro zahle die Gemeinde jährlich für die vier Friedhöfe, sagt Höß. Um diesen Betrag zu decken, müssten die Gebühren teilweise um bis zu 120 Prozent angehoben werden – was für den Rat aber nicht infrage kommt. Denn so würde man die Verluste aus zu geringen Preise vergangener Jahre auf die Bürger umwälzen, die in Zukunft für Gräber bezahlten.

So teuer müssten Bestattungen sein, um in Altenstadt die Friedhofskosten zu decken

In Zahlen würden kostendeckende Gebühren etwa 2620 Euro für ein Familiengrab mit vier Bestattungen bedeuten, anstatt 1420 Euro wie bisher. Eine Reihengrabstätte für zwei Bestattungen würde nicht mehr 950 Euro, sondern 2160 kosten. Auch Urnengräber würden teurer: Jetzt zahlen Bürger für ein Urnengrab mit bis zu vier Bestattungen 850 Euro, kostendeckend wären allerdings 1350 Euro. Entscheidend für die Gebühren sind auch die Laufzeiten der Grabnutzung. Eine Besonderheit in Altenstadt ist die lehmige Bodenbeschaffenheit, die eine Laufzeit von 25 Jahren für Erdgräber vorschreibt, bis das Grab neu vergeben werden kann.

Die höheren Kosten hingen dem Altenstadter Bürgermeister zufolge eng mit dem veränderten Bestattungsverhalten der Bürger zusammen. Erdbestattungen würden seltener, viele tendierten zum günstigeren Urnengrab. Dabei gehe die Zahl der Erdgräber zurück und die benutzte Fläche des Friedhofs würde reduziert – im Umkehrschluss ein Mehraufwand an Pflege der Grünflächen. Deshalb sollte eine zu große Preisdifferenz zwischen Urnen- und Erdgräbern vermieden werden.

So will Altenstadt annehmbare Gebühren für den Friedhof kalkulieren

In Altenstadt wird somit die Komplexität bei der Kalkulation der Friedhofsgebühren deutlich. Der Marktrat beschloss, die Anpassung der Kosten an den Haupt- und Finanzausschuss zu übergeben. Dieser soll Bürgermeister Höß zufolge eine Balance zwischen einem kostendeckenden und einem für Bürger vorstellbaren Preis ermitteln. Die Ergebnisse aus diesen Beratungen sollen dem Marktgemeinderat zur Abstimmung vorgelegt werden. Dann könnte die Satzung nach der Sommerpause geändert werden.

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