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Natur

18.03.2019

Tierische Baumfäller sorgen für Ärger

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Biber fällen in der Region oft Bäume. Wie hier in Vöhringen.
Bild: Furthmair

Im Landkreis Neu-Ulm leben verhältnismäßig viele Biber – und diese verursachen immer wieder erhebliche Schäden. So auch kürzlich in Vöhringen. Was zwei Experten dazu sagen

Eigentlich galt der Biber in Deutschland schon als ausgerottet. Doch infolge der Wiederansiedlung sind die streng geschützten Tiere seit knapp 30 Jahren auch im Landkreis Neu-Ulm wieder zu Hause – und hinterlassen deutlich sichtbare Spuren. Vor allem in der Winterzeit, wenn die Nahrung knapp wird, arbeiten sich die kräftigen Nager mit den messerscharfen Schneidezähnen an den verschiedensten Baumarten ab.

Spaziergänger, die in der Region in der Nähe von Gewässern unterwegs sind, kennen die Folgen: Manchmal ist die Rinde an den Stämmen fast schon sorgfältig abgenagt, oft machen sich die Biber aber derart an den Bäumen zu schaffen, dass diese abknicken oder umstürzen. So geschehen kürzlich in Vöhringen, wo Biber am Badesee Grüne Lunge und beim Wielandkanal mehrere große Bäume fällten.

In der vergangenen Woche kam dann – ebenfalls in Vöhringen – ein weiterer kurioser Fall hinzu: Nachdem in einem privaten Garten ein Baum „abgeschnitten“ worden war, suchte die Polizei zunächst nach einem unbekannten „Baumhasser“. Mittlerweile hat ein Biberbeauftragter des Landkreises den Schaden begutachtet und bestätigt: Auch hier hat ein Biber ganze Arbeit geleistet.

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Und tatsächlich werden im Kreis Neu-Ulm verhältnismäßig viele Fälle von Biberschäden gemeldet. Michael Angerer, der Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Landschaftsplanung am Landratsamt Neu-Ulm, nennt den simplen Grund dafür: „Wo viele Gewässer sind, gibt es auch viele Biber. Und wir leben nun einmal in einem sehr wasserreichen Landkreis.“

Als von Bibern besonders dicht besiedelte Gebiete nennt Angerer das mittlere Rothtal, die Stadt Neu-Ulm, das Bibertal und das Osterbachtal. Dort halten sich die Tiere am liebsten an kleineren Gewässern wie Bächen oder Weihern auf: „In Iller und Donau selbst baut der Biber hingegen kaum. Große Flüsse fließen ihm zu schnell.“

Der erste Biber nach der Wiederansiedlung (siehe Infokasten) wurde im Kreis Neu-Ulm 1990 gesichtet. Seither wurden es immer mehr – laut Angerer sind es derzeit rund 500. Und damit stieg natürlich auch die Zahl der von Bibern verursachten Schäden. „Eigentlich habe ich mich gefreut, als ich damals die ersten Biberspuren nahe der Iller gesehen habe“, sagt Günther Schlüter, der vom Landratsamt als ehrenamtlicher Biberberater für die Region rund um Illertissen eingesetzt wird, „doch dann wurden es immer mehr Biber und die Probleme häuften sich.“

Bereits seit 2001 ist Schlüter als Biberexperte tätig. Eine Zeit lang war er sogar im gesamten Kreis tätig. Dann wurden es aber immer mehr Einsätze – und auch die Zahl der Biberbeauftragten musste aufgestockt werden. Die Hauptaufgabe von Schlüter und seinen Kollegen ist es, von Biberschäden Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Aktuell sind es neun Experten, die sich als verlängerter Arm des Landratsamts den Landkreis untereinander aufteilen. „Wir sind ein kompetentes Team, das gut zusammenarbeitet“, sagt Schlüter. Durch regelmäßige Treffen und Weiterbildungen bleibe man immer informiert und auf dem neuesten Stand.

Nicht selten seien es besorgte Bürger, die anrufen, wenn im Garten ein Baum angenagt wurde, sagt Schlüter: „Solche Fälle sind aber in der Regel schnell erledigt.“ Meistens reiche es aus, den Zaun abzudichten oder Matten an die Baumstämme anzubringen. „Vor allem geht es darum, die Leute über den Biber aufzuklären.“

Häufiger sind Landwirte von Biberschäden betroffen – und dann wird es schon deutlich komplizierter. Der finanzielle Schaden für die Bauern ist oft hoch, weshalb es in Bayern einen eigenen Biberfonds gibt. Aus diesem werden jährlich rund 450000 Euro an geschädigte Land- und Forstwirte sowie gewerbliche Fischzüchter ausgeschüttet. Wie Schlüter erklärt, fressen sich Biber gerade kurz vor der Erntezeit gerne durch Weizen- und Maisfelder: „Deshalb gibt es in dieser Zeit für uns besonders viel zu tun. Im Frühjahr müssen wir ständig auf Abruf sein.“

Schließlich müssten die Schäden begutachtet und anschließend präventive Maßnahmen ergriffen werden. Laut Schlüter sei eine effektive Methode, von den Nagern heimgesuchte Felder mit einem batteriebetriebenen Elektrozaun abzugrenzen.

Dank des Engagements der ehrenamtlichen Berater habe man die Situation ganz gut im Griff, sagt Landratsamt-Mitarbeiter Angerer. Die Natur tut ihr Übriges, denn die „natürliche Verbreitungsregulierung“ habe längst eingesetzt. Viel mehr als 500 Biber wird es im Landkreis Neu-Ulm wohl nicht geben. Denn: „Die für Biber vorhandenen Lebensräume sind inzwischen besetzt“, erklärt Angerer. Abgestoßene Jungtiere, die auf der Suche nach einem neuen Revier sind, würden daher in Kämpfe verwickelt werden: „Und im Normalfall stirbt eines der Tiere infolge der erlittenen Verletzungen.“

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