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Thannhauser Modell

06.11.2015

Tipps für Sprachunterricht

Karl Landherr aus Thannhausen stellte das Arbeitsbuch „Deutschkurs für Asylbewerber“ in Altenstadt vor. Es wurde von ihm mitentwickelt und hat deutschlandweit in kurzer Zeit reißenden Absatz gefunden.
Bild: Zita Schmid

Experte stellt in Altenstadt spezielles Arbeitsbuch für Asylbewerber vor. Wie Flüchtlinge damit Deutsch lernen

Ein Besuch beim Arzt, der Einkauf im Supermarkt, Formulare ausfüllen und verstehen: Um sich in ihrem neuen Alltag zurechtzufinden, sind für Asylbewerber vor allem Sprachkenntnisse elementar. Viele ehrenamtliche Helfer in der Region bieten den Ankommenden deshalb Deutschkurse an. Aber welche Herangehensweise ist dabei richtig? Und welche Wörter besonders wichtig?

Ein Arbeitsbuch für Flüchtlinge, die kein Wort Deutsch verstehen, haben drei Lehrer aus Thannhausen (Landkreis Günzburg) entwickelt. Das sogenannte „Thannhauser Modell“ stellte Mitentwickler Karl Landherr nun vor rund 60 Zuhörern in dem vom Altenstadter Helferkreis Asyl initiierten Vortrag „Deutsch für Asylbewerber“ in der Winkle-Kantine vor.

„Die Menschen, die hierher kommen, brauchen zunächst einfache Sprachkenntnisse, um die ersten Monate zu überleben“, erklärt der pensionierte Grundschulrektor Landherr. Die Schwerpunkte im Arbeitsbuch liegen deshalb nicht in grammatikalischen Feinheiten. Diese würden später vermittelt. Vielmehr geht es um eine lebenspraktische sprachliche Erstorientierung. Die Kapitel im Buch befassen sich etwa mit Themen wie Einkaufen, Haushalt und Wohnen, Verkehr und Orientierung sowie Behörden, Religion und Brauchtum. Mit Zeichnungen von Schwiegertochter Maria Landherr werden die Vokabeln zudem veranschaulicht. Außerdem bietet das Buch Platz für das Schreiben in der jeweiligen Muttersprache.

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In dem Lehrkonzept, das in Thannhausen erfolgreich praktiziert wird, wird Sprache nicht nur trocken gebüffelt. „DK-outside“ – Deutschkurs draußen – nennen sie ihre Methode, wo je nach Themen etwa Apotheken, Supermärkte, Kirchen oder Moscheen besucht werden. Gemeinsames Kochen, Sport treiben oder singen stehe ebenfalls auf dem Programm. Bewährt habe sich in Thannhausen auch die Unterrichtsmethode mit einem Wechsel aus Plenum und Gruppenarbeit.

„Sich Zeit nehmen“ und schließlich auch „Freude und Gelassenheit“ bewahren, waren die abschließenden Empfehlungen und Wünsche, die Landherr an seine Zuhörer richtete. „Denn wir arbeiten ehrenamtlich“ sagte er. Und diesem freiwilligen Engagement sei es schließlich zu verdanken, dass die Stimmung in Deutschland noch nicht gekippt sei.

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