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Illertissen

23.10.2017

Tölzer Knaben singen sich in die Herzen

Der Tölzer Knabenchor ist durch Auftritte seiner Solisten international bekannt. Auch in Illertissen hat er begeistert: Auf der Bühne in der Kollegsaula am Flügel Clemens Haudum und die Sänger mit Dirigenten Christian Fliegner.
Bild: Regina Langhans

Ensemble aus München zeigt, wie vielfältig der Chorgesang sein kann. Womit sie ihr Publikum begeistert haben.

Der Tölzer Knabenchor – inzwischen wegen besserer Ausbildungsmöglichkeit in München beheimatet – hat am Samstagabend in der Festhalle des Kollegs im Rahmen des Festivals „Junge Künstler – Stars von morgen“ begeistert. Gut 300 Besucher hörten die gelungene Mischung aus Motetten, Operngesang, geistlicher Musik und deutschen wie alpenländischen Volksliedern. Für den reichen Applaus, nach zweistündigem engagiert vorgetragenen Chorgesang, dankten die knapp 30 Sänger mit zwei Zugaben, darunter der temperamentolle Tölzer Schützenmarsch.

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Das Konzert begann mit hoher Liedkunst, indem die Sänger drei Motetten boten – das sind mehrstimmige Gesangsstücke, deren Texte lateinisch und geistlichen Inhalts sind. Zu hören gab es „Zwei Motetten“, opus 39, von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) sowie „Stella coeli“ von Michael Haydn (1737 bis 1806), Sängerknabe im Stephansdom in Wien und Bruder des bekannteren Joseph Haydn. Die Tölzer Sängerknaben brachten die vierstimmigen Vorträge mit Soli und wechselnden Einsätzen in einem wohlklingenden Auf und Ab der jeweils führenden Partien zu Gehör. Sodann stellten sie Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 bis 1791) „Zauberflöte“ auf die Bühne, indem sie Szenen der „Drei Knaben“ vorführten. Für den dreiteiligen Vortrag trat jeweils ein anderes Solistentrio auf, wobei ihr letzter und längster Dreigesang „Bald prangt, den Morgen zu verkünden“ im Dialog mit der Opernfigur Pamina stand. Pamina ist die Tochter der Königin der Nacht und ihr bis in höchste Lagen reichendes Solo wurde von Daniel Henze mit Brillanz vorgetragen. Mit ihrer musikalischen Inszenierung der „Drei Knaben“ sind die Trios schon um die halbe Welt getourt.

Dann ging es mit Gioacchino Rossini (1792 bis 1868) wieder zurück zum geistlichen Gesang, indem „Drei religiöse Chöre“ zu hören waren. Dazu griff Clemens Haudum mal feinfühlig, mal temperamentvoll in die Tasten. Spielfreudig und technisch perfekt füllte er in idealer Weise die Rolle des Begleiters. So erhielten die Sätze „La Fede (Der Glaube), La Speranza (Die Hoffnung) , La Carità (Die Liebe) besonderen musikalischen Ausdruck: Zunächst als inniger Gesang, dann ein, wie von Hammerschlägen am Flügel begleitetes Hoffen und Bangen und schließlich ein jubilierender Schluss.

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Für den zweiten Teil des Abends hatte der Chor seine dunkle Abendgarderobe gegen Lederhosen eingetauscht – und dazu passende, volksnahe Lieder angestimmt. Sie begannen mit Tanzliedern aus Carl Orffs (1895 bis 1982) Schulwerk wie „Tanz, Mädchen tanz, die Schuh sind noch ganz“. Es folgten drei fröhlich intonierte Kanonvorträge von Mozart, darunter „Bona nox, bist a rechter Ochs“. Dabei wurden derbe Formulierungen wie „Ärsche“ – wofür Mozart bekannt war – vom Knabenchor wie alle Texte exzellent artikuliert. Das sorgte für Schmunzeln. Zum Abschluss bewiesen die Sängerknaben, dass auch Volkslieder kunstvoll sein können, wenn sie mit wohlklingenden Stimmen vorgetragen werden.

Dass dies alles so gelang, war dem umsichtigen Dirigat Christian Fliegners zu verdanken – und dem natürlichen Auftreten der Sänger: Für ihre Kunst müssen sie nicht in ein besonderes Internat, aber vier Stunden Chorprobe und eine Stunde Solounterricht wöchentlich besuchen.

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