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Babenhausen

25.10.2016

„Totentanz“ aus neuem Blickwinkel

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3 Bilder
Dreh- und Angelpunkt in der Dorfgemeinschaft ist das örtliche Wirtshaus. Bei der Premiere der aktuellen Schmiere-Produktion werden auch immer wieder Verknüpfungen zu Babenhausen angedeutet.

Schmiere-Theater liefert gelungene Inszenierung des Babenhauser Kulturguts.

Mit jedem Bild, das der stumme Maler Vincent in der örtlichen Kapelle fertigstellt, stirbt der Papst oder ein Gemeindemitglied. Daraus entstehen Vermutungen und Verdächtigungen bis hin zum Rufmord. Doch nicht nur die Dorfratschkatteln sind dabei unterschiedlicher Meinung, sondern auch das gesamte Dorf zeigt sich gespalten. Für viele ist der Maler mit dem Teufel im Bund, ein indirekter Mörder mit dem Pinsel. Und so wird aus dem Babenhauser Kulturgut des „Totentanzes“ bei der Theatergruppe Schmiere ein Krimi mit leicht versteckter Gesellschaftskritik.

Das Unheil nimmt in der Dorfwirtschaft seinen Lauf. Dort tagen gleichzeitig Frauenbundmitglieder und der Gemeinderat. Aber auch andere Dorfcharaktere treffen dort bei der resoluten Wirtin zusammen. Und das dort schon lange stehende Gerüst lässt einige Verknüpfungen zu Babenhausen zu. Aber auch, dass die Gemeindekasse leer ist beziehungsweise finanzielle Wünsche der Kirche an die Kommune herangetragen werden.

Da passt es bestens, dass der im Gasthof wohnende Maler sich bereit erklärt, für Kost und Logis die freien Flächen der Kapelle mit einem „Totentanz“, eine „Anleihe“ aus der Babenhauser Friedhofskapelle, zu schmücken. Und jedes der Bilder wird dann mit einem Gottesdienst gefeiert, während die sonstigen Messen verlegt wurden – auch das gab es im echten Leben im Zusammenhang mit der Babenhauser Friedhofskapelle.

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Als nach der Fertigstellung des ersten Werkes der Papst plötzlich stirbt, bringen dies die ersten schon mit dem Maler in Verbindung. Die Behauptung, dass dieser den „sechsten Sinn“ habe, taucht zum ersten Mal auf. Weitere Tote folgen. So stirbt der Pfarrer nach einem Sturz von der Treppe oder segnet der Bürgermeister urplötzlich das Zeitliche. Und als eine junge Frau eine Fehlgeburt erleidet und der dem Suff verfallene Messner sich im Wirtshaus vergiftet beziehungsweise die Tochter eines Unternehmers tödlich verunglückt, nimmt die Diskussion im Dorf volle Fahrt auf – was man auch für das Stück sagen darf. Dieses beginnt nämlich untypisch für die Schmiere mit einigem schwäbischen Humor und zeitweise werden Dorfklischees befriedigt.

Praktisch als Vorahnung für den jeweils nächsten Todesfall präsentiert die 20-köpfige Schmieremusikabteilung – vom Band eingespielt – jedes Mal eine großflächige Kopie eines der Totentanzmotive aus der Babenhauser Friedhofskapelle, woraus sich die Frage ableitet: Wer ist wohl der Nächste? Die Lösung kann jeder bei den noch acht ausstehenden Aufführungen erfahren.

Ellen Wildermuth, der Autorin und Regisseurin, ist ein aufrüttelndes Stück gelungen, das aber – zum Leidwesen so manchen Schmierefans – nicht immer den Tiefgang früherer Werke hat. Doch gerade darüber dürfte der eine oder andere Besucher durchaus erfreut sein, dem das Schwarz früherer Aufführungen zu harte Kost war. Auf alle Fälle boten die über 40 Akteure auf, hinter und unter der Bühne gewohnt hohes Theater-Niveau mit viel Lokalkolorit.

Und ganz zum Schluss, wieder in bester Schmiere-Art, wurden die Verdächtigungen und falschen Schlüsse zurechtgerückt und dem Publikum in gewisser Weise der Spiegel vorgehalten.

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