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Illertissen

03.07.2019

Traditions-Geschäft Gössler schließt in Illertissen

Noch sind die Regale gefüllt: Ende des Jahres schließen Dieter und Anna Gössler ihr Geschäft für Eisen- und Spielwaren in der Illertisser Vöhlinstraße. Die Geschäftswelt wertet das als „großen Verlust“ für die Vöhlinstadt.
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Noch sind die Regale gefüllt: Ende des Jahres schließen Dieter und Anna Gössler ihr Geschäft für Eisen- und Spielwaren in der Illertisser Vöhlinstraße. Die Geschäftswelt wertet das als „großen Verlust“ für die Vöhlinstadt.

Seit 112 Jahren gibt es die Eisenwaren- und Spielzeughandlung in der Vöhlinstadt. Ende 2019 ist Schluss. Das hat mehrere Gründe.

Was seit einiger Zeit in Illertissen die Runde machte, ist jetzt offiziell: Die Eisenwaren- und Spielwarenhandlung Gössler schließt zum Ende dieses Jahres. Die Nachricht dürfte viele Menschen betroffen machen: Schließlich hat das Familienunternehmen seit 112 Jahren seinen Platz in der hiesigen Geschäftswelt. Ob Schräubchen, Modell-Lokomotive oder Lego-Ritterburg, bei Gössler ist man richtig – das wissen viele Illertisser. Doch für Einzelhändler werden die Zeiten immer schwieriger: Kaum ein Preis, den ein Online-Händler nicht unterbieten würde – immer mehr Menschen kaufen per Mausklick oder Fingertipp. „Das Kaufverhalten hat sich total verändert“, sagt Dieter Gössler. Klagen wolle er nicht. Aber nun sei es an der Zeit, in Rente zu gehen. Leicht gemacht habe sich Gössler die Entscheidung nicht, sagt er: „Es ist ein Abschied mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ Das hat mehrere Gründe.

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Was seit einiger Zeit in Illertissen die Runde machte, ist jetzt offiziell: Die Eisenwaren- und Spielwarenhandlung Gössler schließt zum Ende dieses Jahres.
Bild: Martin Dambacher

Einer davon ist das Alter: Heute ist Dieter Gössler 70 Jahre alt, 1964 hatte er seine Lehre im Familienbetrieb begonnen und mehr als ein halbes Jahrhundert lang viel Herzblut in das Unternehmen gesteckt. Daran hat sich nichts geändert: Er und seine Frau Anna sind täglich bis weit nach Ladenschluss zu Gange, häufig bestimmt die Verwaltungsarbeit auch die Wochenenden des Ehepaars. „Das ist eben so und wir machen das gerne“, sagt Gössler. Die Suche nach einem Nachfolger dürfte das jedoch nicht gerade erleichtert haben. Trotz professioneller Hilfe verlief sie ohne Erfolg. Deshalb ist zum 31. Dezember Schluss. „Es ist keine Insolvenz“, betont Gössler. Davon sei man weit entfernt. „Nicht dass die Leute denken: ,Jetzt hat er den Karren an die Wand gefahren und hört auf’“, sagt er und lacht. Es ist eine Kostprobe des schelmischen Humors, für den der Händler mit dem speziellen Sortiment in Illertissen bekannt ist.

Dauer-Baustelle ist auch ein Grund

Die Dauer-Baustelle vor dem Haus sei nicht die Ursache für die Entscheidung gewesen, sagt Gössler. „Aber sie hat dazu beigetragen.“ Wegen der Sanierung der Vöhlinstraße und der damit verbundenen Straßensperrungen 2018 und heuer seien spürbar weniger Kunden in den Laden gekommen. Die damit verbundenen Einbußen – die wie berichtet auch viele andere Händler in der Innenstadt zu spüren bekommen – hätten über längere Zeit aufgefangen werden müssen. Ein Unsicherheitsfaktor. Stattdessen freut sich Gössler auf den Ruhestand. Und darauf, mehr Zeit für sich und seine Frau zu haben: „Wir haben einen großen Garten und reisen viel.“

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Mitarbeiter wurden bereits gekündigt

Ihren neun Mitarbeitern haben die Gösslers bereits gekündigt. Das Bedauern sei groß gewesen. Einige der Beschäftigten seien selbst im Rentenalter, andere könnten an andere Arbeitgeber vermittelt werden, hofft Dieter Gössler. Was mit den ab 1. Januar 2020 leer stehenden Geschäftsräumen passiert, sei bislang unklar.

Noch sind die Regale prall gefüllt mit Spielzeug und Eisenwaren, aber erste Anzeichen des nahenden Abschieds sind schon zu sehen: Die „Modelleisenbahn-Ecke“ wurde bereits geräumt, andere Händler haben das Sortiment aufgekauft.

Rabatte nach der Sommerpause

Nach dem Betriebsurlaub im August soll es bei Gössler Aktionen und Rabatte geben. Schlagworte wie „Ausverkauf“ und „Totalräumung“ mag der Inhaber nicht. Er wählt deshalb eine Fußball-Metapher: Die letzten Monate des Geschäfts stehen unter dem Motto „Anpfiff zum Endspiel“. Zum Illertisser Herbstmarkt im Oktober soll es einen Straßen- und Garagenflohmarkt geben, bei dem auch Teile der Einrichtung wie etwa Regale verkauft werden.

Geschäftswelt spricht von "großem Verlust"

Die Illertisser Geschäftswelt wertet das angekündigte Aus des Unternehmens als „großen Verlust“ – das sagt Rainer Weikmann, der Vorsitzende der Illertisser Werbegemeinschaft. Mit Gössler verliere die Vöhlinstadt „eine Institution“. Weikmann sieht in der Geschäftsaufgabe das Zeichen eines grundsätzlichen Problems: Viele Einzelhändler gerieten durch die Online-Konkurrenz unter Druck. Die großen Supermärkte „auf der grünen Wiese“ verschärften die Situation, weil sie ähnliche Sortimente anböten. „Das ist ein schwieriges Thema“, sagt Weikmann. Und eines, dass die Werbegemeinschaft in nächster Zeit noch beschäftigen werde. Es gehe darum, den Einzelhandel im Ort zu stärken. Auch die Stadt sei aufgerufen: So könnten beispielsweise Existenzgründer gefördert werden. Ansonsten werde es immer schwerer, gute und attraktive Geschäfte nach Illertissen zu holen. (mit mdam)

Was den Illertisser Handel bewegt: Mehr darüber lesen Sie hier:

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