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Cellosonaten

24.03.2014

Traumpaar der Kammermusik

Natürliche Gelassenheit und virtuose Präzision: Hisako Kawamura und Maximilian Hornung begeisterten das Publikum in der Kolleg-Festhalle.
Bild: Roland Mayer

Maximilian Hornung und Hisako Kawamura begeistern in der Kolleg-Festhalle

Auftakt der Japan-Tournee in Illertissen: Cellist Maximilian Hornung trifft in der voll besetzten Festhalle des Kollegs der Schulbrüder den Nagel auf den Kopf. Denn mit seiner japanischen Pianistin Hisako Kawamura ist er demnächst in Tokyo und Osaka mit dem gleichen Programm wie bei seiner fulminanten Illertisser „Generalprobe“ mit zwei großen Cellosonaten von Beethoven (die Nummer 3 in A-Dur) und Brahms (Zweite in F-Dur) zu erleben. Als Brücke zu Japan kredenzte das glänzend eingespielte Duo ein Illertisser Dessert, das als Zugabe auch im erweiterten Sinne noch der Brahmschen Liedhaftigkeit Respekt zollte: Die Serenaden-Miniatur des Benjamin-Britten-Lehrers Frank Bridge, die im flauschigen Musette-Stil das Publikum beschwingt in die kühle Samstagnacht entließ.

Bei seinem vierten Auftritt der Reihe „Junge Künstler musizieren“ der „Kultur im Schloss“, die diesmal wegen des großen Andrangs vom Barocksaal in den Kolleg-Festsaal verlegt wurde, bewegte sich der in Augsburg geborene Hornung mit dem gereiften Naturell eines Ausnahmetalents bereits in der Referenzklasse seines Fachs. Er verfügt über natürliche Gelassenheit, dynamische Impulsgebung, gestalterische Strahlkraft und virtuose Präzision. Sein apollinischer Ton singt und knirscht. Seine Pizzicati klingen butterweich und lassen schon Mal die Korken knallen - wie im „Adagio“ der Opus 99 von Johannes Brahms, das die beiden Duopartner mit lyrischer Beseeltheit weiterspinnen. Am Steinway lotet Hisako Kawamura wogende Wildheit des Viersätzers mit kantilener Virtuosität aus. Ihr Turbo sitzt zwischen Armbeuge und Handgelenk. Rasende Triolen bleiben elastisch. Sie konzertiert, aber ihre innere Uhr bleibt am Puls des Cellisten, der seine Energien auf gleicher Wellenlänge aussendet.

Das gleiche kongeniale Bild aus dem Olymp der Celloliteratur ergab sich bereits in der ersten Programmhälfte bei Ludwig van Beethovens Opus 69. Die jugendlichen Register der beiden Interpreten korrespondieren brillant. Kontrollierten Pedal-Läufen folgen gezupfte Glockenschläge (erster Satz). Im rhythmisch vertrackten Scherzo ist das Timing auf Hochglanz getrimmt. Und die Coda elektrisiert mit einem Traumpaar der Kammermusik.

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Dies kündigte sich bereits bei Robert Schumanns ursprünglich für Horn notiertem „Adagio und Allegro“ (op. 70) aus dem Jahr 1849 an. Auch die Cellofassung dieser Romanze legt erst mal stille Kraftreserven frei, wogegen die Gefühlsausbrüche des „Allegro“ wie geschaffen sind fürs jugendliche Temperament. Das glänzt auch bei Manuel de Fallas 1914 nach spanischen Volksliedern arrangierter „Suite populaire espagnole“: „Der maurische Schal“ flattert in einem Flamenco getränkten Piano-Stakkato, sphärisch knistert’s im Wiegenlied, die tänzerischen Finalsätze erfreuen mit Jahrmarkts-Milieu.

Und mit Miniaturen aus der klassischen Moderne sorgten Maximilian Hornung und Hisako Kawamura auch noch für Zeitsprünge voller Poesie aus der Tondichterwerkstatt Anton Weberns: Diesen beiden spätromantischen Elegien aus dessen „Klagenfurter Zeit“ krümmt die Atonalität von 1914 („Drei kleine Stücke“ op. 11) kein Haar. Denn Kawamura und Hornung schöpfen hauchzart aus Gespinsten wie Schall und Rauch.

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