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Klosterbeuren

06.11.2017

Trotz Tempo 30: Unmut über Lastverkehr bleibt

Knapp einen Monat lang hat die Marktgemeinde Babenhausen probeweise Tempo-30-Schilder im Ortsteil Klosterbeuren aufgestellt. Ziel war es, die Lastwagen auszubremsen, die seit Monaten zu Hunderten durch das Dorf hin zum örtlichen Ziegelwerk rollen und den Ärger der Anwohner erregen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

In Klosterbeuren wurden Schilder aufgestellt, um Fahrzeuge auszubremsen. Anwohner zweifeln am Erfolg

Knapp einen Monat lang hat die Marktgemeinde Babenhausen probeweise Tempo-30-Schilder im Ortsteil Klosterbeuren aufgestellt. Ziel war es, die Lastwagen auszubremsen, die seit Monaten zu Hunderten durch das Dorf hin zum örtlichen Ziegelwerk rollen und den Ärger der Anwohner erregen. Bei einer Bürgerversammlung bat Bürgermeister Otto Göppel die Klosterbeurer kürzlich um eine Bilanz, inwiefern diese Maßnahme Wirkung zeigt.

Wie der Rathauschef betonte, verstehe er, dass die Bevölkerung einer starken Belastung ausgesetzt sei. Dennoch bewege sich das Verkehrsaufkommen im zulässigen Rahmen: Dem Ziegelwerk wurde in den 1990er Jahren ein Kontingent genehmigt, welches jeweils 200 An- und Abfahrten pro Arbeitstag und innerhalb bestimmter Zeiten zulässt. „Das Kontingent wurde bisher selten ausgeschöpft. Jetzt ist das öfter der Fall“, sagte Göppel.

Grund sind die Tunnelarbeiten für das Projekt Stuttgart 21: Lastwagen fahren den Aushub, also Lehm, von der Baustelle durch das Rothtal zum Ziegelwerk (wir berichteten). Die Klosterbeurer stören sich an Schmutz, Lärm und nicht zuletzt an den Fahrzeugen selbst, welche ihrer Meinung nach oft zu schnell unterwegs sind. Im August setzten sich daher Anwohner, Vertreter der Gemeinde sowie des Ziegelwerks zusammen, um Vorschläge zu erörtern. Das Resultat war der Tempo-30-Versuch, etwa in der Kirchstraße und Reichauer Straße.

Nun äußerten die Bürger Zweifel daran, dass die Fahrer die Geschwindigkeit tatsächlich drosselten. Aus der Kurve von Winterrieden kommend bretterten die Lastwagen geradezu in die Ortschaft, sagte eine Frau. Dies sei gefährlich, etwa wenn man mit Kinderwagen spazieren ist. „Das geht so lange, bis etwas passiert“, warnte ein Bürger. Letztlich stand die Frage im Raum: Wer kontrolliert, ob die 30 Stundenkilometer eingehalten werden?

Thomas Thater, kaufmännischer Geschäftsführer des Ziegelwerks, nahm an der Versammlung teil und stellte sich der Kritik. Er bat die Klosterbeurer darum, Kennzeichen zu schneller Fahrzeuge zu notieren. „Wir werden dann mit jedem reden“, sagte Thater. Anhand von Daten, welche Speditionen über Fahrtenschreiber speichern, ließen sich Geschwindigkeitsüberschreitungen nachverfolgen. Zudem hat das Unternehmen eine mobile digitale Tempo-Anzeige im Ort aufgestellt. Ein weiterer Vertreter des Ziegelwerks sagte: „Da muss auch erst ein Gewöhnungsprozess bei den Fahrern stattfinden. Es gibt regelmäßig Belehrungen. Aber manche vergessen das einfach wieder.“ Die Fahrer hätten unterschrieben, sich an das Tempolimit zu halten. Polizist Walter Kalischek riet: „Man kann als Bürger Fakten schaffen und diese weitergeben. Jeder hat ein Handy und kann Kennzeichen und die digitale Anzeige fotografieren.“

Ob die Tempo-30-Schilder nun dauerhaft installiert werden oder nicht, ist noch offen und muss mit zuständigen Behörden abgesprochen werden, sagte Bürgermeister Göppel auf Nachfrage unserer Zeitung. Ansonsten könne die Gemeinde nicht viel tun – außer etwa Bodenwellen zu legen, was wiederum zu mehr Lärm führen könne und daher „eher kontraproduktiv“ sei. Einen fest installierten „Blitzer“ aufzustellen, ist laut dem Rathauschef nicht so einfach möglich.

Auf die Frage, wie lange der verstärkte Schwerlastverkehr noch andauere, sagte Thater: „Im Moment ist es ja ruhig.“ Das Material, das derzeit im Tunnel ausgegraben wird, eigne sich nicht für das Ziegelwerk. „Ab Mitte November geht es weiter, voraussichtlich bis März 2018.“ Gebe es danach ein neues Projekt im süddeutschen Raum und damit neues Material, sei es jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich die Firma darum bemühe.

Die Klosterbeurer äußerten weitere Bedenken: „Wer zahlt für die Straßen, die die Lastwagen mit der Zeit kaputt fahren?“ Der Bürgermeister sagte hierzu, dass die Marktgemeinde nicht um eine Straßenbaubeitragssatzung herumkomme. Eine solche regelt, wie viel Geld Anwohner beisteuern müssen, wenn Straßen erneuert oder neugebaut werden. „Viele Kommunen haben die Satzung schon. Es gab Gerichtsurteile und die Landratsämter als Aufsichtsbehörde sind entsprechend dahinter.“ Die Satzung beinhalte aber Abstufungen: Je mehr (fremder) Verkehr auf der Straße, desto weniger bezahlen Bürger und desto höher ist der Gemeindeanteil.

Ein weiteres Problem ist den Bürgern zufolge Dreck und Staub – nicht nur, da Autos schneller verschmutzten: „Das ist eine Unfallgefahr für jeden, auch wenn man nur 70 fährt“, sagte ein Mann. Laut Thater habe das Ziegelwerk ein Gerät für die nasse Jahreszeit angeschafft, um Straßen zu bürsten. Göppel berichtete zudem, dass Gutachter regelmäßig Emissionen und Lärm in Klosterbeuren prüfen. Die Werte seien bislang nicht überschritten worden.

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