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Natur

23.06.2020

Tummelplatz für die Naturgemeinde

Projektleiter Florian Lang hat dem Kettershauser Gemeinderat erläutert, was sich hinter dem Begriff „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ verbirgt.
Bild: Zita Schmid

Kettershausen ist Modellkommune für das Projekt „Marktplatz der biologischen Vielfalt“. Was das bedeutet und wie es damit weitergeht

Ein Marktplatz kann ein Ort sein, wo sich das Leben in vielerlei Hinsicht regt. Auch das Projekt „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ zielt auf eine bestimmte „Lebensvielfalt“ ab. Denn zu dem Begriff „biologische Vielfalt“, auch „Biodiversität“ genannt, könne man einfach „Lebensvielfalt“ sagen, erklärte Florian Lang bei der Kettershauser Gemeinderatssitzung im Bürgerhaus in Mohrenhausen. Lang kommt aus Tännesberg in der Oberpfalz und leitet das bayernweite Projekt, von dem Kettershausen eine von zehn ausgewählten Gemeinden ist. Für die neuen Gemeinderatsmitglieder stellte er das Projekt vor und brachte das Gremium auf den aktuellen Sachstand.

Beim Gemeindeentwicklungskonzept hat sich Kettershausen als Naturgemeinde positioniert. So hat sich die Gemeinde 2018 auch für das Projekt „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ beworben und wurde unter 36 Bewerbern eine von zehn ausgewählten Modellgemeinden. Im ersten Quartal 2019 fanden Erstgespräche, dann Ortsbegehungen und schließlich die beiden Workshops für interessierte Bürger statt. Der dritte Workshop musste wegen Corona verschoben werden und ist nun für den 21. Juli ab 17. 30 Uhr im Bürgerhaus in Mohrenhausen vorgesehen. Der Maßnahmenkatalog soll hier final erarbeitet werden.

Als die drei elementaren Bausteine der Biodiversität nannte er die Vielfalt der Lebensräume und der Arten sowie die genetische Vielfalt. Was passieren könne, wenn diese Vielfalt immer mehr verschwindet, zeige sich etwa am Beispiel der Insekten. So sei in den letzten 27 Jahren ein 76-prozentiger Rückgang der Fluginsekten-Masse in Naturschutzgebieten gemessen worden, berichtet er. Dass sich die Situation außerhalb dieser Gebiete noch schlimmer darstelle, könne man sich denken, fügte er ergänzend hinzu.

Tummelplatz für die Naturgemeinde

Das Projekt „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ verfolgt das Ziel, den Biodiversitätsschutz in der kommunalen Planung und im Gemeindeleben zu verankern und eine eigene Biodiversitätsstrategie zu entwickeln. Gemeinsam sollen dafür Ideen gesammelt und gemeindespezifische Handlungsansätze erarbeitet werden, die in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst werden. In Kettershausen haben dafür zwei von drei Workshops bereits stattgefunden. „Die Gemeinde hat sechs Starterprojekte“, berichtete Lang von den Initiativen aus diesen Treffen. Dazu gehören die bereits getätigte Auszeichnung von Biotopbäumen und noch offenen Veranstaltungen, etwa wie eine Exkursion „Ökologie im Wald“, ein Gartenspaziergang zu naturnahen Gärten sowie ein Naturgemeindeblatt. Das Projekt selbst läuft noch bis Ende 2021. Bis dahin sollen Maßnahmen umgesetzt werden und Kettershausen als Modellgemeinde seine Erfahrungen samt Idee dann auch an andere Gemeinden weitergeben.

Karl Winkler fragte nach, ob es während des Projekts Austauschmöglichkeiten mit anderen Modellgemeinden gäbe. Laut Lang ist das möglich. Generell habe aber jede Gemeinde seine ganz spezifischen Gegebenheiten und Strategien. Roland Knoll wollte wissen, wer denn entscheide, ob Maßnahmen förderungsfähig seien. Hier sowie in anderen Fragen sei er erster Ansprechpartner, so Lang.

Träger des bayernweiten Projekts sind der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz, die Wildland-Stiftung und der Markt Tännesberg. Tännesberg ist auch Vorbild für die Initiative, denn dort werden seit über 30 Jahren naturschutzfachliche Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität durchgeführt. Unterstützer des Projekts sind das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie der Bayerische Gemeindetag. Insgesamt stehen dem Projekt 825000 Euro zur Verfügung. 85 Prozent davon kommen von Bayerischen Naturschutzfonds und aus Mitteln der Glücksspirale. Kettershausen als Modellgemeinde kann bis Ende 2021 über 6000 Euro für Maßnahmen und für Öffentlichkeitsarbeit verfügen. Aus Umschichtungen innerhalb des Gesamtprojekts können eventuell weitere Gelder dazukommen.

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