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Memmingen/Illertissen

07.12.2018

Tumult am Illertisser Bahnhof: Zweiter Prozess, neues Urteil

Mit einem Streit am Illertisser Bahnhof hat sich erneut ein Gericht beschäftigt.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Ein handfester Streit in Illertissen im April 2017 hat nun erneut ein Gericht beschäftigt. Die Entscheidung sah völlig anders aus.

Wegen gefährlicher Körperverletzung war ein 51-jähriger Illertissener vor einem Jahr vom Amtsgericht in Neu-Ulm zu vier Monaten Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 1350 Euro verurteilt worden. Sein damals mitangeklagter Kumpel war freigesprochen worden. Der Verurteilte hatte aber Berufung eingelegt. Diese Verhandlung hat nun dieser Tage beim Landgericht in Memmingen stattgefunden. Das Ergebnis war ein völlig anderes.

Ursprung der Anklage war ein Vorfall im April 2017 am Kiosk des Bahnhofes in Illertissen. Das Ereignis fand somit vor dem Betreiberwechsel statt. Angeklagte und Opfer waren an dem Lokal bekannt und beschäftigten auch die Polizei nicht das erste Mal: Der Angeklagte und sein Freund waren gerade dabei, am Kiosk, wo sie sich oft aufhielten, ein „Feierabendbierchen“ zu trinken. Sie waren schon leicht angetrunken, als sich eine ihnen bekannte Frau näherte und sich zu ihnen setzen wollte. „Die macht immer nur Ärger! Die kommt auch immer betrunken!“, waren die Aussagen der Männer vor Gericht. Deswegen hätten sie der Frau gesagt, sie solle sich an einen anderen Tisch setzen.

Jugendliche versuchten, den Streit zu schlichten

Das passte der Angesprochenen wiederum nicht und sie begann, die Männer lautstark zu beschimpfen und zu beleidigen. Die packten die Frau am Jackenkragen und schubsten sie weg. Die Angegriffene trat daraufhin nach den Männern. Eine Untersuchung ergab bei ihr einen Alkoholwert von 1,23 Promille. Damit hatte sie mehr als doppelt so viel intus als die Männer.

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Eine Gruppe von Jugendlichen, die nur wenige Meter entfernt stand, mischte sich ein und versuchte die Streitenden zu beruhigen. Sie alarmierte auch die Polizei. Der Angeklagte warf damals einen Aschenbecher auf den Boden, um seine Wut über das Geschehen zu zeigen. Plötzlich lag die Frau ein paar Meter entfernt auf dem Boden und blutete aus einer Wunde am Kopf. Die Polizei nahm den Vorgang auf. Erst ein paar Tage später zeigte das vermeintliche Opfer die beiden Männer an. Der Angeklagte habe ihr eine Ohrfeige verpasst, die sie zu Boden geworfen habe, hieß es nun.

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Rund um den Bahnhof: Hier gilt das Alkoholverbot
Bild: Jens Carsten, Alexander Kaya

Alle Zeugenaussagen bestätigten gleichlautend jedoch die Angaben des Angeklagten, dass er die Frau in nicht geschlagen habe. Auch für die Polizei war nicht klar, ob die Frau nicht etwa wegen ihres Trunkenheitszustands zu Boden gegangen war. In der Berufungsverhandlung in Memmingen konnte die Frau dazu nicht angehört werden. Sie befindet sich derzeit in einer Entziehungstherapie.

Verfahren um Gewalttat am Bahnhof in Illertissen eingestellt

Übereinstimmend haben das Gericht und die Staatsanwaltschaft nach etwa zwei Stunden das Verfahren ohne irgendwelche Auflagen eingestellt. Es gab für beide keinerlei Anhaltspunkte, das Urteil des Amtsgerichts aufrecht zu erhalten.

Der Richter lobte die Jugendlichen dafür, dass sie sich in das Geschehen beruhigend eingemischt und die Polizei gerufen hatten. Inzwischen gilt auf den öffentlichen Flächen um den Bahnhof herum ein Alkoholverbot, die Polizei kontrolliert. Dies ist dem neuen Betreiber des Kiosks bekannt. Der Bahnhof aber bleibt im Fokus der Sicherheitsbehörden: Zuletzt hatten pöbelnde Jugendliche die Unterführung aus Sicht von mehreren Bürgern "unsicher" gemacht.

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