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Vöhringen

26.09.2019

Überfall auf Uhrenhändler: Antworten auf viele offene Fragen

Fünf Männer aus Hessen sollen einen Uhrenhändler in Illerberg überfallen und ausgeraubt haben. Sie erbeuteten Luxus-Uhren und Bargeld im Gesamtwert von knapp 700000 Euro. Dafür sitzen sie nun auf der Anklagebank.

Plus Fünf Männer sollen einen Illerberger ausgeraubt haben. Nun stehen sie dafür vor Gericht. Doch der Prozess wirft Fragen auf. Hier die wichtigsten Antworten.

Mit Pistole und Pfefferspray bewaffnet sollen zwei Männer in das Haus eines Uhrenhändlers in Illerberg eingedrungen sein und den Mann überfallen haben. Dafür müssen sich derzeit fünf Männer aus Hessen vor dem Memminger Landgericht verantworten. Doch der Prozess wirft auch nach dem vierten Verhandlungstag noch viele Fragen auf. Die wichtigsten Antworten im Überblick:

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Wie ist die Polizei auf die mutmaßlichen Täter aufmerksam geworden?

Der Raubüberfall ereignete sich im Juli 2013. Direkt nach der Tat alarmierte der Uhrenhändler – nachdem er sich selbst aus den Fesseln befreit hatte – seinen Sicherheitsdienst und dieser die Polizei. Da waren die Täter schon über alle Berge. Im November 2013 tauchte plötzlich ein Mann bei dem Uhrenhändler auf und behauptete, die Täter zu kennen. Nach Angaben von Staatsanwalt Thomas Hörmann nannte der Mann die Namen der Täter und geriet zunächst selbst ins Visier der Ermittlungen, weil er detailliertes Täterwissen präsentierte. Doch die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen ihn ein.

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Die Namen der fünf mutmaßlichen Täter waren also lange bekannt. Warum findet der Prozess erst jetzt, sechs Jahre nach der Tat, statt?

Gegen vier der Angeklagten hatte bereits eine Verhandlung begonnen. Doch das Verfahren wurde ausgesetzt, weil der mutmaßliche Haupttäter nicht greifbar war. Vermutlich hatte er sich nach der Tat in die Türkei abgesetzt. Er wurde erst im Juli 2018 in der Ukraine festgenommen. Im Januar diesen Jahres wurde er ausgeliefert und sitzt seitdem in Untersuchungshaft – zunächst in der Justizvollzugsanstalt Memmingen. Von dort gelang ihm Anfang August die Flucht. Einen Tag später wurde der 36-Jährige gefasst und in die JVA Gablingen verlegt.

Warum sind die anderen vier Angeklagten auf freiem Fuß, obwohl ihnen schwerer Raub und Anstiftung dazu vorgeworfen wird?

Drei der Männer saßen bereits in Untersuchungshaft. Doch sie reichten Beschwerden ein. Einer von ihnen, ein 42-jähriger Darmstädter, behauptete, ein Alibi für die Tat zu haben. Das Landgericht hob den Haftbefehl gegen ihn auf. Etwas später wurden auch die beiden anderen Männer aus der Haft entlassen. Aufgrund der damaligen Beweislage bestand aus Sicht des Gerichts kein dringender Tatverdacht mehr, um eine Untersuchungshaft zu rechtfertigen, erklärt Staatsanwalt Thomas Hörmann.

Die mutmaßlichen Täter erbeuteten 80 Luxus-Uhren und Bargeld im Gesamtwert von knapp 700000 Euro. Wurde die Beute jemals gefunden?

Eine der Rolex-Uhren tauchte mutmaßlich in den Geschäftsunterlagen eines Frankfurter Uhrenhändler wieder auf, weiß Staatsanwalt Hörmann. Wo die Uhr jetzt ist, sei nicht mehr nachvollziehbar. Auch was die restliche Beute angeht, sieht es nach Angaben von Hörmann schlecht aus. Genauere Auskünfte könne er aufgrund des laufenden Verfahrens aber nicht machen.

Wie wurden die Angeklagten aus Hessen auf den Uhrenhändler aus Illerberg aufmerksam?

Laut Anklageschrift soll einer der Männer gewusst haben, dass der Händler Uhren über das Internet verkauft und Bargeld in seinem Haus in Illerberg verwahrt. Der 50-Jährige soll die genaue Adresse des Uhrenhändlers gekannt und gegen eine Erfolgsbeteiligung von 15000 Euro an einen der Mittäter weitergegeben haben.

Angeklagte, Verteidiger und Zeugen müssen für jeden Verhandlungstag aus ganz Deutschland anreisen. Warum findet der Prozess überhaupt in Memmingen statt?

Der Ort der Verhandlung richtet sich in der Regel nach dem Tatort. Der Vöhringer Ortsteil Illerberg fällt in den Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Memmingen. Außerhalb dessen kann die Staatsanwaltschaft Memmingen keine Anklage erheben.

Der Prozess verzögert sich. Einige Zeugen sind nicht erschienen. Wie lange kann sich ein Verfahren hinziehen?

Eine zeitliche Grenze gibt es nicht. Der NSU-Prozess nahm mehr als fünf Jahre in Anspruch. Die Dauer eines Verfahrens hängt unter anderem davon ab, ob Zeugen vor Gericht erscheinen oder weitere Beweiserhebungen durchzuführen sind, die es zu berücksichtigen gilt, erklärt Staatsanwalt Hörmann. Wann das Urteil im Prozess zum Raubüberfall auf den Illerberger Uhrenhändler fällt, steht noch nicht fest. Das Gericht hat zwei zusätzliche Verhandlungstage angesetzt – den letzten Anfang November.

Was kann das Gericht machen, wenn Zeugen nicht zum Termin erscheinen?

Am vergangenen Verhandlungstag beantragte der Staatsanwalt 300 Euro Ordnungsgeld für Zeugen, die unentschuldigt fehlen. Ob das Gericht dies festsetzt, bleibt abzuwarten. Eine weitere Maßnahme – allerdings unter Zwang – wäre es, Zeugen polizeilich vorführen zu lassen.

Wie viel kann ein solches Verfahren kosten?

Die genauen Kosten sind noch nicht absehbar, aber sie könnten „erheblich“ sein, wie Hörmann erklärt. Immerhin fallen Gerichtskosten, Verteidigerkosten, Kosten für Sachverständige sowie Auslagen für Fahrten oder Übernachtungen seitens der Zeugen an. Unabhängig davon sagt Hörmann: „Das Gericht ist verpflichtet, die Sache aufzuklären.“

Was in diesem Prozess bisher geschah:

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