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Ulm

05.09.2017

Ulmer Aufbauhilfe für Rumänien

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In Masloc wurden ein Klinik- und Therapiezentrum, ein Kindergarten, ein Seniorenheim, eine Kläranlage und eine Bäckerei aufgebaut.
Bild: Waldorfschule

Waldorfschüler packen in dem kleinen Ort Masloc unermüdlich mit an, um ein Krankenhaus zu bauen.

Julia Cremer und ihr Klassenkamerad Holger Dietrich waren die ersten beiden Schüler der Ulmer Waldorfschule, die im Februar 1992 mit zwei Lehrern in den kleinen rumänischen Ort Masloc reisten. Den wunderschönen klaren Sternenhimmel beschrieb Julia Cremer, die damals noch Julia Renner hieß, als intensivste Erinnerung jener Reise, die zum Beginn eines langfristigen Projekts werden sollte, das damals tatsächlich noch in den Sternen stand: Wilfried Kessler, 1992 ein junger Oberstufen-Lehrer, wollte sich mit Schülern seiner als schwierig empfundenen Klasse in einem Bauprojekt in Rumänien engagieren. In Ferien sollte (unterstützt von Eltern und Lehrern) in Masloc, das im 17. und 18. Jahrhundert durch über Ulm ausgewanderte Schwaben besiedelt worden war, ein anthroposophisches Krankenhaus entstehen. Die Rumänien-Initiative der Ulmer Waldorfschule besteht nun seit 25-jähriges Jahren – und hat unvorstellbar viel für die gesundheitliche Versorgung dieser Region im Banat erreicht.

Anfangs dürften die Dorfbewohner es recht skeptisch gesehen haben, dass 40 Schüler ihr Örtchen durcheinander wirbelten, vermutete Julia Cremer jüngst bei einem Klassentreffen. „Doch dafür machte der Dorfladen mit uns bestimmt ein unglaublich gutes Geschäft.“ Aus einem kleinen Impuls heraus sei aber „etwas Großartiges entstanden, etwas Nachhaltiges für die Zukunft dieser Gegend und die Menschen, die dort leben“, bewertet sie das Engagement der Schüler und ihrer Lehrer heute.

„In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es an der medizinischen Fakultät der Universität in Timisoara/Rumänien einzelne Studenten, welche sich zur Zeit Ceausescus verbotenerweise mit der anthroposophischen Medizin auseinandersetzten. Wer dabei erwischt wurde, kam in die ,Psychiatrie’, das bedeutete: Er kam entweder nie mehr zurück oder wenn, dann als Krüppel“, erklärt Wilfried Kessler, der das Hilfsprojekt zum Aufbau eines Klinik- und Therapiezentrums seit 25 Jahren leitet. 400 Schüler der Waldorfschule haben in inzwischen 41 „Baulagern“ am Projekt mitgearbeitet; die Material-, Geld- und Medikamentenspenden erreichten bis heute eine Höhe von vier Millionen Euro. 40 Hilfstransporte wurden mit Lastwagen nach Rumänien gefahren. 1998 wurde dem Projekt ein Preis der Robert-Bosch-Stiftung „Humanitäre Hilfe in Mittel- und Osteuropa“ verliehen.

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In den ersten Jahren war der Aufenthalt in Masloc für die Schüler eine große Umstellung, denn Heizung oder fließendes Wasser waren Fremdwörter in Masloc. Doch das Bauprojekt übertrug einen zivilisatorischen Impuls auf den Ort: Heute finden im aus neun Häusern bestehenden klinisch-therapeutischen Zentrum in Masloc alljährlich Ärztetagungen mit internationalen Dozenten statt, und die Klinik ist zum wichtigsten Arbeitgeber im Ort geworden.

2004 gründete sich in der Ulmer Waldorfschule der Verein „Oase Masloc“, über den die Hilfsaktionen gesteuert werden. So entstanden neben dem Krankenhaus im Jahr 2006 Kindergarten und ein Jahr später ein Altersheim.

„Das Bundeswehrkrankenhaus Ulm stellte für die Klinik und das Altersheim verschiedene hochwertige medizinische Geräte zur Verfügung. 2009/10 konnte auch noch eine Biokläranlage gebaut werden – die erste im ganzen Banat – und damit eine für dieses Gebiet vorbildliche Abwasserregelung geschaffen werden“, erklärt Kessler.

In der dritten Projektphase gründete sich in einem mit Spendengeldern erworbenen Bauernhof eine Demeter-Bäckerei. Mehr als 25 Bienenvölker gehören inzwischen zum Hof. „Ein fruchtbares Land, gebeutelt von einer destruktiven Ideologie, wartet auf konstruktive, aufbauende Projekte, die Mut machen, für eine wirklich soziale Zukunft zu wirken“, sagt Wilfried Kessler. Genau ein solches Projekt hat er mit Schülern ins Leben gerufen.

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